Vor 300 Jahren, am 9. August 1713, erhielt Hauptmann Jacob Christoph Baumgartner, «des grossen Raths», vom zuständigen Magistrat von Solothurn eine Baubewilligung, um eine Kapelle in Lohn zu bauen. Baumgartner besass damals in Lohn verschiedene Güter und spendete selbst 1000 Gulden «zur Vermehrung der Ehre Gottes».

Trotz obrigkeitlicher Erlaubnis ersuchte der hohe Rat den Stifter, von seinem Vorhaben abzusehen «und das, was er zur Förderung der Ehre Gottes anzuwenden gesinnt sei, anderwärtig zu verwenden».

Ein alter Stich zeigt, dass sich das Gebäude kaum verändert hat.

Ein alter Stich zeigt, dass sich das Gebäude kaum verändert hat.

Lohn war zu jener Zeit bei der Obrigkeit offenbar nicht besonders gut angeschrieben. Baumgartner schien vorläufig von seinem Vorhaben abzusehen. Er schenkte der Kirche in Biberist den Altarstein und dazu 3100 Ziegel, die ursprünglich für die Kirche in Lohn bestimmt gewesen waren.

Der Bau der Kapelle verzögert sich alsdann fast um 12 Jahre und die seinerzeitige Baubewilligung lief – entgegen der heutigen Gesetzgebung nicht nach einem Jahr wieder ab – sodass Baumgartner sich 1720 an das Stiftungskapitel mit seinem Anliegen wandte, dass er nach wie vor gewillt sei, in Lohn eine Kapelle zu bauen. Gemäss Rats-Manual vom 10. April 1720 hat die Regierung dem Kapellenbau dann endgültig zugestimmt. Die Jahrzahl 1725 am Türsturz dürfte auf die Fertigstellung der Kapelle hinweisen.

Eine eigene Glocke

Schon 1720 wurde dazu das geeignete Glöcklein «Bätzyt-Glöggli» zu St. Urban geweiht. 1801 wurde dieses umgegossen. 1755 erlangte Elisabeth Vogelsang vom damaligen zuständigen Bischof von Konstanz die Erlaubnis, an acht Tagen des Jahres in der Kapelle die heilige Messe zu feiern.

Damit wollte vermieden werden, dass aus der Kapelle später eine Kirche würde und sich Lohn von Biberist lösen und eine eigene Kirchgemeinde gründen könnte. Nach und nach wurde diese Bestimmung jedoch gelockert und später las der zuständige Pfarrer von Biberist jeden Mittwoch die Messe.

Eine eigene Stiftung seit 30 Jahren

Anfang der 1980er-Jahre des früheren Jahrhunderts war die als geschütztes Kulturobjekt geltende Kapelle sehr baufällig. Bis 1979 waren im Grundbuch als Eigentümer die Erben von alt Staatsschreiber Franz Zeltner eingetragen.

Die unbekannten Erben mussten im Amtsblatt durch Erbenruf gesucht werden. Es meldete sich aber niemand. Am 3. November 1983, also vor 30 Jahren, gründeten die Einwohner- und Bürgergemeinden Lohn zusammen mit den beiden Kirchgemeinden eine Stiftung Kapelle Lohn, mit dem Zweck die Kapelle solle von den inzwischen erbberechtigten Gemeindewesen, dem Kanton und der Bürgergemeinde der Stadt Solothurn, übernommen und im Sinne des Denkmalschutzes renoviert werden, was dann aber auch mit Erfolg geschah.

Am 30. August und 1. September 1985 fand dafür in Lohn ein Basar statt. Die Sammelaktion war erfolgreich. Dank einer sanften Renovation konnte die Kapelle der Nachwelt erhalten werden. Heute findet darin jeweils am 28. Dezember ein Gedenkgottesdienst statt.

Quellen: Lohn, Geschichte eines Dorfes, W. Luterbacher; 750 Jahre Lohn und Ammannsegg, St. Luterbacher.