Lüsslingen
«Die Hunde müssen bewegt werden und Freude haben, das ist die Hauptsache»

Bruno Huber aus Lüsslingen ist in diesen Tagen viel mit seinen Schlittenhunden unterwegs. Jeden Morgen fährt er mit seinen Samojede-Hunden, den grossen Weissen mit dem immer lächelnden Gesicht, mit dem Schlitten in der Region herum.

Urs Byland
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Bruno Huber und seine Schlittenhunde

Bruno Huber und seine Schlittenhunde

Hanspeter Bärtschi

Leise hört man in der Stille beim Widacker nahe Lüsslingen die Rufe. Sie sind da, lange bevor das Lämpchen auf der Stirne von Bruno Huber in der Dunkelheit auftaucht. Dann hört man knirschenden Schnee und bellende Hunde. «Stopp, Balu, stopp.» Drei wunderschöne weisse, grosse, spitzartige Hunde, Ledergeschirr, ein Schlitten und Bruno Huber stehen pünktlich am vereinbarten Treffpunkt mitten in der Schneelandschaft oberhalb Lüsslingens, wo auch schon mal ein Kohlemeiler glühte. Die kälteste Nacht des bisherigen Winters geht langsam zu Ende, das Weiss des Schnees ist bei Tagesanbruch noch unverbraucht.

Die Kälte hemmt den Redefluss – aber nur beim Menschen. Balu bellt unentwegt, er will weiter und nicht hier warten. Trotz seinem Gebelle lässt er sich streicheln und lächelt freundlich. «Die grossen Weissen mit dem lächelnden Gesicht» würden sie genannt. «Weil ihre Lefzen seitlich hochgezogen sind, hat man das Gefühl, sie lächeln», erklärt Huber. Die Hunde bewege er «fast jeden Morgen». Wenn kein Schnee liegt, lässt er sich auf dem Trottinett ziehen. Im Herbst etwa nach Büren zur Arbeit in seinem Fahrradgeschäft, das er dort führt. «All das, was ich heute arbeite, waren meine Hobbys, die zum Beruf geworden sind.» Nebenbei vermietet Bruno Huber Kanus, die von weit her sichtbar in seinem Garten gestapelt liegen.

Aus Russland

Wieder fällt Balu mit Bellen ins Gespräch. Der grosse Leithund ist ein Samojede, ebenso die beiden anderen Hunde, der ältere etwas kleinere Cliff und die Älteste, Tessy, beinahe halb so klein wie die Rüden. «Es sind recht seltene Schlittenhunde aus Russland, die nach dem Urvolk benannt sind, das dort lebt, wo der Hund herkommt.» Polarforscher haben die Hunde für Expeditionen genutzt. Und Engländer züchteten die Hunde weiter, bis sie weiss waren. «Früher hatten die Hunde alle Farben in ihrem Fell», sagt Huber.

Tessy hält wenig vom sportlichen Skijöring, das Bruno Huber mit dem Leithund Balu betreibt. Beim Skijöring zieht ein Hund den skatenden Skiläufer. Die Sportart wird meistens mit Pferden ausgeführt und war 1926 olympische Demonstrationssportart in St. Moritz. «Kaum sieht Tessy eine Startnummer, streikt sie. Sie hat schon alles versucht, ging auf drei Beinen zum Start, nur damit sie mich nicht ziehen muss.» Dafür sei sie eine ausgezeichnete Führerin. Aber jetzt mit neun Jahren muss sie etwas zurücktreten. Bruno Huber fördert Balu. Im Januar folgen die ersten Skijöring-Rennen mit seinem Leithund.

«Hunde müssen Freude haben»

Heute hat Bruno Huber keine grossen sportlichen Ziele mit seinen Hunden. «Am Anfang, als ich begann an Rennen teilzunehmen, hatte ich schon das Gefühl, da müsste mehr drinliegen. Heute sage ich, die Hunde haben nichts von einem ‹Plämpu›. Sie müssen bewegt werden und Freude haben, das ist die Hauptsache.» Dazu genügen ihm die drei Hunde. «Ich hätte schon längst mehr Hunde, aber da legt meine Frau ihr Veto ein.»

Durchs Feld neben der Strasse zieht sich eine ältere Hundeschlittenspur. «Die wurde zu tief für die Hunde. Ich hätte öfters drüberfahren sollen, aber jetzt würden sie nur frustriert.» Bruno Hubers Tour führt über die Waldwege hoch zum Buechhof und zurück nach Lüsslingen. Geduldig haben die Hunde gewartet. Mit lautem Bellen reagieren sie auf die Befehle von Bruno Huber. Sie wenden den Schlitten, greifen mit ihren Krallen in den Schnee und weiter geht die Fahrt.

Bruno Huber muss aufpassen, dass er den Schlitten nicht loslässt. Er läuft einige Schritte und springt dann auf die Kufen. In einem hohen Tempo wird er von den Hunden über den Waldweg gezogen. Bald verstummt das Bellen der Hunde, letzte Rufe hallen durch den Wald. Die Stille ist zurück.

www.ig-samojede.ch

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