Lohn-Ammannsegg
Die Gemeindeversammlung verwirft zwei Anträge des Gemeinderats

Wenn 256 Stimmberechtigte an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung teilnehmen, brennt der Dorfbevölkerung ein Problem unter den Nägeln. Der Gemeinderat erhielt weder die Kompetenzen für einen Baurechtsvertrag noch zur Auslagerung des Werkhofs.

Gundi Klemm
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Lohn-Ammannsegg darf die Arbeiten des Werkhofes nicht extern vergeben.

Lohn-Ammannsegg darf die Arbeiten des Werkhofes nicht extern vergeben.

Hanspeter Bärtschi

«Verwaltung und Werkhof sind das Herz unserer Gemeinde», offenbarte ein Votant, wie die Stimmungslage im Dorf aussieht. Den Werkhof zu behalten und nicht an Dritte auslagern zu wollen, ging überdeutlich aus der Schlussabstimmung hervor, in der sich 221 ablehnende Stimmen gegen 31 Befürworter durchsetzten.

Der Pensionierungszeitpunkt des bisherigen Werkhofsleiters Beat Meyer sei längst bekannt gewesen. Dennoch habe der Gemeinderat - offenbar aus taktischen Erwägungen - nur zögerlich gehandelt und die vorliegende externe Analyse in Auftrag gegeben, zeigten Sprecher ihren Unmut. Aus diesem Bericht ging dann hervor, dass eine Firma den quantifizierten Werkhof-Leistungsumfang um rund 150 000 Franken günstiger erbringen könnte.

Rolf Bischoff äusserte als Präsident der örtlichen Bau- und Werkkommission, deren fünf Mitglieder eine Auslagerung des Werkhofs einhellig ablehnen, eindeutige Vorbehalte gegenüber dieser Analyse. Die habe sich beispielsweise auf «Ausreisserzahlen» des letzten strengen Winters gestützt und vermittle so ein gefärbtes Bild. Daraus erwachse nur eine «Angstmacherei».

Die wirkliche Kostenwahrheit der geplanten Auslagerung zeige sich bekanntlich aber erst in einigen Jahren, warnte Bischoff vor derartigen Experimenten. Bei weiteren Votanten kam klar die Meinung zum Ausdruck, dass eine Stellenausschreibung für die Werkhofleitung genügend qualifizierte Interessenten erbringen werde, die gemeinsam mit Gemeinderat und Verwaltung den Werkhof als kommunale Aufgabe weiterhin organisieren könnten. Denn: «Wir sind zufrieden mit dem jetzigen Werkhof».

Deutliche Entwicklung

Gemeindepräsident Markus Sieber, der die Pro-Argumente und vor allem die erwartete Effizienz- und Kostenoptimierung übersichtlich anhand der vorliegenden Botschaft verteidigte, hatte tatsächlich einen schweren Stand. Das gut informierte Plenum, das die Eintretensfrage mit 188 Ja-Stimmen beantwortet hatte, suchte die offene Diskussion. Die präsidiale Ehrlichkeit mit dem Eingeständnis, «dass sich alles so deutlich zu meinen Ungunsten entwickelt hat», belohnte das Plenum indes mit fairem Beifall.

Auch beim ersten Geschäftspunkt «Baurechtsvertrag Grundstück GB 1951, Kompetenzübertragung an den Gemeinderat zum Vertragsabschluss» handelte sich die Behörde eine Abfuhr ein. Aus Datenschutzgründen und wegen der laufenden Verhandlungen konnte Sieber etliche Angaben nicht machen, welche die Versammlung zum Bauinteressenten und dessen betrieblicher Ausrichtung für die 2 610 Quadratmeter in der Gewerbe- und Wohnzone an der Solothurnstrasse wissen wollte. Es entstand Frust über die fehlenden Informationen.
Die kritisierte «Geheimniskrämerei» führte schliesslich zur grossmehrheitlichen Ablehnung des Antrages, auch wenn der periodische Ertrag aus dem Baurechtsvertrag für die laufende Rechnung durchaus einleuchtete. «Wir haben verstanden und werden das Geschäft in veränderter Form wieder vorlegen», bekräftigte Sieber die Ratssicht.