Unterleberberg
Die Gemeinden spüren die höheren Kosten für die Schule

Die Gemeinsame Schule Unterleberberg (GSU) wird teurer. Verantwortlich dafür sind mehrere Faktoren, wie Zweckverbandspräsidentin Silvia Petiti und Hauptschulleiter Stefan Liechti erläutern.

Urs Byland
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Silvia Petiti und Stefan Liechti begründen die Kostensteigerung der Gemeinsamen Schule Unterleberberg.

Silvia Petiti und Stefan Liechti begründen die Kostensteigerung der Gemeinsamen Schule Unterleberberg.

UBY

Die Gemeinden der Gemeinsamen Schule Unterleberberg müssen mit dem Budget fürs nächste Jahr zirka 4,2 Prozent mehr zahlen. Wie ist diese Kostensteigerung zu erklären?

Stefan Liechti: Wir haben zwei Bereiche im Budget. Personelles und Materielles. Der Personalaufwand steigt im nächsten Jahr um 530 000 Franken.

Warum?

Das hat mehrere Gründe. Wir müssen seit diesem Schuljahr unseren Anteil im Bereich Logopädie bezahlen. Bis anhin übernahm der Kanton die Kosten vollständig. Das sind bei uns 25 Lektionen.

Wer bestimmt, wie viele Lektionen gebraucht werden?

Die Kinder. Wir machen eine Bedürfnisabklärung, anschliessend werden im Rahmen des Pools, den wir zur Verfügung haben, die Lektionen verteilt.

Welcher Pool ist gemeint?

Der Kanton gibt aufgrund der Schülerzahl vor, wie viele Lektionen wir maximal erhalten. Das sind aktuell 25,5 Lektionen. Wir hatten aber im letzten Jahr 32 Lektionen durchgeführt. Das heisst, wir machen einen Abbau, müssen aber nun dafür die Gemeindekosten leisten.

Neu muss die GSU auch die Klassenlehrerentlastung übernehmen.

Die nachvollziehbare Idee des Kantons war es, die Fachlehrer auf der Sekundarstufe mit einer Mehrbelastung
als Klassenlehrer zu entlasten. Diese Forderung fand Eingang in den
Gesamtarbeitsvertrag. Jetzt müssen wir sämtliche Klassenlehrer aller Stufen entlasten.

Wie viele zusätzliche Lektionen ergeben sich daraus für die GSU?

Stefan Liechti: 28 Lektionen, ab diesem Schuljahr.
Silvia Petiti: Die Steigerung der Kosten erklärt sich auch daraus, dass wir die Änderungen für ein ganzes Jahr im Budget aufgenommen haben. Im letzten Budget mussten wir nur für fünf Monate ab August 2014 die zusätzlichen Kosten ausweisen.

Logopädie, Klassenlehrerentlastung: was belastet noch das Budget?

Stefan Liechti: Die Löhne der Lehrkräfte. In den letzten Jahren fand eine Lohnreform statt. Die Kindergärtnerinnen sind nicht mehr in der Lohnstufe 15, sondern in 17 oder 18 eingestuft, wir haben keine Sekundarlehrer mehr in der Lohnstufe 19, alle sind in 20 oder 21 eingestuft. Die Auswirkungen spüren wir kontinuierlich. In der GSU haben wir in den letzten drei Jahren drei Klassen geschlossen, womit wir die steigenden Lohnkosten kompensieren konnten. Das ist nun nicht mehr der Fall.

Dann gibt es noch die spezielle Förderung. Was ändert sich hier?

Hier müssen die Gemeinden nun auch die sogenannten Fachlehrkraft-Lektionen (Legasthenie, Dyskalkulie) mittragen. Bisher zahlte diese auch der Kanton vollständig. In diesem Bereich sind wir um 30 Prozent zurückgefahren, im ganzen bleibt aber auch in der speziellen Förderung eine Zunahme der
Kosten.
Silvia Petiti: Angefangen hat auch die letzte Tranche Frühenglisch. Begonnen hat es mit der Einführung von Frühfranzösisch in der 3. Klasse, dann kam Frühfranzösisch in der 4. Klasse hinzu, anschliessend Frühenglisch 5. Klasse und in diesem Schuljahr Frühenglisch 6. Klasse. Jetzt haben wir erstmals das ganze Paket im Budget. Das sind seit 2011 insgesamt für die GSU zusätzliche 40 Stunden.

Wie entwickelt sich der Sachbereich?

Stefan Liechti: Hier sparen wir rund 160 000 Franken ein. Dadurch konnten wir die Kostensteigerung auf 370 000 Franken drücken.
Silvia Petiti: Die Einsparung im Sachbereich ist möglich, weil wir kein grosses Projekt haben. Nach der Gründung des Zweckverbandes haben wir beispielsweise bewegliches Mobiliar den Gemeinden abgekauft. Diese Phase ist nun abgeschlossen. Künftig werden wir selber erneuern müssen.

Weitere Einsparungen sind nicht möglich?

Stefan Liechti: Das würde dann schmerzen. Wenn wir Freifächer streichen, haben wir die nicht mehr. Wenn wir Assistenzen nicht gewähren, haben wir diese nicht. Wir haben im Vergleich sehr hohe Klassenzahlen. Zusätzliche Klassen wären deutlich teurer.

Der Zweckverband wurde gegründet, um Einsparungen zu machen. Ist das vorbei?

Silvia Petiti: Wir haben eine Kostensteigerung, aber nicht weil wir teurer werden. Die zusätzlichen Kosten können wir nicht beeinflussen, und wo wir sie beeinflussen können, haben wir es getan. Man hört ja oft: hätten wir doch gescheiter unsere Schule behalten. Die Probleme hätte jede Gemeinde mit eigener Schule auch. Ich denke, sogar noch mehr.
Stefan Liechti: Im Prozess des Zusammengehens konnten wir das Niveau trotz bereits kostenwirksamen Veränderungen halten. Die Gemeinden mussten nicht mehr zahlen. Jetzt werden sie die Kostensteigerungen spüren. Die Synergien sind mittlerweile genutzt.

Die Delegiertenversammlung der Gemeinsamen Schule Unterleberberg hat in der Zwischenzeit das Budget 2015 genehmigt. Gleichzeitig wurde aber ein Postulat eingereicht mit dem Ziel, zukünftiges Kostenwachstum zu verhindern.