Die Ausstellung von Xaver Lenzin und Ursula Steiner-Lenzin heisst denn auch «fort … setzen». Zwar ist es eine Fortsetzung, weil beide bereits zusammen ausgestellt haben. «Wir meinen damit jedoch das Sich-Weiterentwickeln», sagt der Vater, und seine Tochter ergänzt: «Und den Versuch, im Fluss zu bleiben, nicht aufzuhören.» Beide setzen wortwörtlich viel Unterschiedliches ins Bild, wie sie sagen.

Die 50-jährige Ursula Steiner wohnt mit ihrer Familie in Flumenthal. Sie ist ausgebildete Damenschneiderin und Handarbeitslehrerin. Einige Zeit nach der Geburt ihrer heute 24- und 22-jährigen Kinder besuchte sie wöchentlich Zeichnungskurse und absolvierte eine Kunstausbildung. Von 1986 bis 2006 war Ursula Steiner als Werklehrerin an der Primarschule in Derendingen tätig. «Seit 2007 besuche ich jeden Dienstag den öffentlichen Kurs Radieren/Tiefdruck bei Franziska Schiratzki an der Schule für Gestaltung in Basel», nennt Ursula Steiner eine ihrer Ausbildungen. Seit 2010 arbeitet sie in Luterbach im eigenen Atelier. Dort fertigt sie Acrylbilder mit selbst angerührten Pigmenten, Sand, Erde und Asche. Sie geht mit Spachtel und Pinsel ans Werk, collagiert.

Der 78-jährige Xaver Lenzin lebt mit seiner Frau in Solothurn. Seine Liebe zu den Farben hat er zwar bereits während seiner Lehre als Bandweberei-Disponent und des dazugehörenden Besuchs der Gewerbeschule, Abteilung Kunstgewerbe, entdeckt. Doch Zeit zum Malen hat der Psychiatriepfleger und Leiter Pflegedienst erst nach seiner frühzeitigen Pensionierung gefunden. «Meine Tochter hat mich dazu motiviert, mit ihr die Kunstakademie zu besuchen», erinnert er sich ans Jahr 1999.

Drei Jahre lang bildete er sich in Lenzburg und danach in der Kunstakademie arsa in Schönenwerd aus und absolvierte fortführende Kurse. Sein Atelier befindet sich in Solothurn. Xaver Lenzin malt abstrakt mit Pinsel, Acryl, Aquacryl, Öl und reinen Pigmenten.

Obwohl beide – Vater und Tochter – eigenständige Künstler sind, in separaten Ateliers arbeiten und teilweise unterschiedliche Materialien und Farbintensität verwenden, denken sie ähnlich philosophisch. «Es geht nicht in erster Linie darum, schöne Werke zu schaffen, sondern eine eigene Sprache zu entwickeln», nennt es Xaver Lenzin, der mit seiner Tochter eines teilt «Die Freude am (un-)sinnigen Tun.»

«fort … setzen». Ausstellung von Vater und Tochter Xaver Lenzin und Ursula Steiner-Lenzin. 24. April bis 17. Mai 2015, Räberstöckli Niederbipp. Geöffnet jeweils Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von 14–18 Uhr. Die Künstler sind während der Öffnungszeiten anwesend.