Burgäschisee
Die Fische bissen erst Ende Sommer richtig an

Für die neue Seeblick-Wirtin, Evi Schweizer, war die Saison kurz und bewegend. Für Daniel Luterbacher vom Burgseeverein war sie vor allem ruhig. Es gab wenig Abfall und Vandalenakte. Gelitten hat die Bootsvermietung.

Christoph Neuenschwander
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Wenn sich der herbstliche Nebelschleier über das Mittelland legt, dann mag es den einen oder anderen Bewohner dieser Gegend auf die Jurahöhen oder in die Ferne ziehen. Ausgeblieben sei ihre Kundschaft deshalb nicht, sagt Evi Schweizer. «Wir haben nach wie vor viele Gäste, der Unterschied zwischen Sommer und Herbst ist gering.»

Seit Anfang August wirtet die Walliserin im Restaurant Seeblick in Burgäschi. Die Saison, auf die sie zurückblickt, war für sie eine entsprechend kurze. Etwas Sonne, etwas Regen. Die Bilanz, die Schweizer zieht, ist aber durchwegs positiv. Und überhaupt sei das Restaurant am See nicht ein saisonabhängiger Betrieb – wenn man die Sache richtig angehe.

Küchenchef mit Kündigungsfrist

Ein wichtiger Faktor ist dabei der Küchenchef. Doch alles der Reihe nach: Schweizer hatte den «Seeblick» im Sommer deutlich früher als erwartet übernommen. Daher habe es einige Startschwierigkeiten gegeben, räumt sie ein. «Gutes Personal ist schwer zu finden. Die Guten sind meistens schon vergeben und haben eine Kündigungsfrist.»

Die musste auch der gewünschte Küchenchef einhalten, bevor er seinen alten Betrieb für den Blick auf den Burgäschisee verlassen konnte. Bevor es so weit war, habe sie mehrmals den Küchenchef auswechseln müssen, erzählt die Wirtin. Nun sei aber alles auf dem richtigen Weg, sprich, das Konzept für die Küche vom neuen Fachmann im Team entwickelt.

«Eigentlich braucht es da zwei Konzepte», sagt Schweizer. «Eines für die Leute, die primär an den See fahren und kurz was essen wollen. Und eines für eine Küche, die auch im Winter Leute von weit her anzieht.» Etwa das Fondue für zwei Personen, das ab November im Restaurant Seeblick angeboten wird: «Man kann aus sechs Sorten drei auswählen und kriegt die in drei Caquelons serviert, bei Bedarf auf der Terrasse mit Militärdecke und Schafsfell.»

Neue Schilder vom Kanton

Wichtig ist der Wirtin nicht nur die Speisekarte, sondern auch der Kontakt zur Bevölkerung. «Ich war überrascht, wie positiv die Leute hier auf mich reagiert haben. Sie sind alle froh, dass das Restaurant wieder offen ist.» Und wenn diese Freude lange genug anhält, und besagtes Konzept genügend Touristen anlockt, dann werden wohl auch alle Angestellten übers ganze Jahr hinweg Arbeit haben.

Indes plant sie mit dem Burgseeverein bereits den nächsten Sommer. Den Kanton hat sie gebeten, die Schilder an der Hauptstrasse zu erneuern, weil viele Reisende den Hinweis auf den Burgäschisee übersehen und am Naherholungsgebiet vorbei fahren. Die Tafeln sollen vor Ende Jahr ersetzt werden.

Wenig Abfall, wenige Vandalen

Daniel Luterbacher, Präsident des Burgseevereins, hat Verständnis für Schweizers Bestreben, den See attraktiver zu machen, bleibt jedoch vorsichtig. «Man soll den See geniessen können, aber die Natur darf dadurch nicht gefährdet werden», sagt er. «Mehr Besucher bedeuten auch mehr Druck auf den See.» Der vergangene Sommer sei ein ruhiger gewesen. «Es gab wenig Abfall und wenige Vandalenakte.» Dafür habe die Bootsvermietung unter den verregneten Sonntagen gelitten. Und die Fische hätten erst Ende Sommer so richtig angebissen.

Um die Uferfischerei weiterhin im Einklang mit der Natur betreiben zu können, will der Verein im nächsten oder übernächsten Jahr zwei Stege erneuern. Erstens soll der baufällige Steg beim Einlauf Weissensteinkanal ersetzt werden. Zweitens wird der bereits abgerissene Steg auf der Bernerseite durch einen anderen ersetzt, der zwischen Badi und Bootsvermietung gebaut wird. Der alte Standort wird zwecks Uferaufwertung aufgegeben. «Wir wollen dort die Riedfläche erweitern und die Tiere in Ruhe lassen.»

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