Lüsslingen-Nennigkofen
Die Fahrenden haben Lüsslingen verlassen - für wie lange?

Die Wohnwagen der Fahrenden auf dem Durchgangsplatz der Kirschblütengemeinschaft sind verschwunden. Gut möglich aber, dass sie schon relativ bald wieder auftauchen

Christof Ramser
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Seit Juni lebten einige Fahrende in Lüsslingen-Nennigkofen. Jetzt sind sie aber wieder weg.

Seit Juni lebten einige Fahrende in Lüsslingen-Nennigkofen. Jetzt sind sie aber wieder weg.

Christoph Neuenschwander

Wie sie gekommen waren, sind sie wieder weg. Die Fahrenden, die seit Juni auf dem Land der Kirschblütengemeinschaft campiert hatten, haben Lüsslingen-Nennigkofen wieder verlassen. Vor rund zehn Tagen sind die letzten temporären Bewohner aus der Gemeinschaft der Sinti aufgebrochen. Zuvor waren auch Jenische oder Roma dort. Nun sind diese im Aargau, im Kanton Bern oder im freiburgischen Kerzers.

Ganz freiwillig gingen die Fahrenden nicht. «Wir haben sie informiert, dass sie gehen müssen», sagt die Kirschblütlerin Cornelia Principi. Grund war eine Verfügung der kommunalen Baukommission, dass die Anlagen zu beseitigen und der ursprüngliche Zustand wieder herzustellen seien. Die Verfügung wurde von den Kirschblütlern, sowie von der Wohnbaugenossenschaft am Bach, beim kantonalen Bau- und Justizdepartement BJD angefochten. Zwar sei die Beschwerde noch hängig, sagt Christoph Schläfli, Leiter Rechtsdienst im BJD. «Das Gesuch der Baukommission um Entzug der aufschiebenden Wirkung wurde aber gutgeheissen.»

Abfall und Lärm

Das bedeutet, dass die Baukommission eine Räumung veranlassen kann, sobald sich wieder Fahrende auf dem Platz der Kirschblütler niederlassen. So weit kam es nicht – bisher. Denn wie von der Kirschblütengemeinschaft zu erfahren ist, wollen sie den Platz weiterhin für Fahrende zur Verfügung stellen. «Sie müssen aber Bedingungen einhalten und sich benehmen, damit sich die Nachbarn nicht brüskiert fühlen.»

Laut Gemeindepräsident Herbert Schluep (FDP) hätten Lärm und andere Emissionen gestört. «Für die Nachbarn ringsum war das nicht wirklich schön.» Gerade die Roma hätten Abfall liegen gelassen und eine «unflätige Art» gehabt, bestätigt Principi. Sie könne die negativen Reaktionen aus der Nachbarschaft nachvollziehen. Gleichzeitig ist sie irritiert, dass im Dorf «überhaupt kein Verständnis» für die Situation der Fahrenden gezeigt werde. «Wir wollten aufzeigen, wie man mit Minderheiten umspringt. Sie werden diffamiert und ausgegrenzt. Wir haben aber das Gefühl, dass diese Leute ihren Platz brauchen.»

Auch die Kirschblütler verstehen sich als Minderheit. Und Cornelia Principi räumt ein, dass man mit der Aktion auch auf den «Missstand» beim Projekt Mühlegarten aufmerksam machen wolle. Eine Planungszone verhindert ein Bauprojekt der Kirschblütengemeinschaft für Wohnhäuser, einen Dorfladen und Werkstätten (wir berichteten). Weil sie sich ungerecht behandelt fühlen, haben die Kirschblütler zudem Beschwerde gegen den Gemeinderat eingereicht.

Zu den laufenden Verfahren gibt Herbert Schluep keine Auskunft. «Wir warten auf den Entscheid.» Nicht lockerlassen wollen die Kirschblütler. «Wir suchen im Dorf das Gespräch mit den Behörden», sagt Principi. Es sei möglich, dass wieder Fahrende auf das Gelände kämen. In der Zwischenzeit stehe dort mit einem Kompostklo auch eine WC-Anlage, zudem wurden für die Wasserversorgung Schläuche gelegt sowie der Strom angezapft.