Fasziniert betrachten Leila (15), Melanie (15) und Lea (14) das Solarpanel, das sie gerade mit Kabeln an ein Metallgerüst anschliessen. Die Mädchen tragen orange Bauhelme und gelbe Leuchtwesten, über ihren Köpfen schwirrt eine Drohne. Diese zeichnet mit der integrierten Kamera ein Video auf, das ein paar Stunden später am Stand der Regio Energie an der HESO gezeigt wird.

Leila, Melanie und Lea sehen das Oberstufenzentrum Derendingen-Luterbach einmal aus einer ganz neuen Perspektive: von oben. Ihre Baustelle ist das Flachdach der Aula. Dort nämlich installieren die Mädchen mit ihrer Klasse, der Sek E 3a, an diesem Nachmittag Solarpanels. Und dabei legen sie sich mächtig ins Zeugs.

Wo gebohrt und geschraubt wird

Ist die Energiewende in der Schweiz zu schaffen? Die «Drittsekler» sind überzeugt davon. «Ich bin sicher, dass die Wende klappt», sagt Leila. Lea stimmt ihr zu, weiss aber, was dazu notwendig ist: «Noch viel mehr Hausbesitzer müssen auf ihren Dächern Solarzellen installieren. Es ist doch schade, wenn man das nicht macht.» Beim Projekttag der Schüler (siehe Kasten) wird schnell klar: Themen wie Umweltschutz oder Energiesparen sind für sie keineswegs Neuland.

«Du darfst das Kabel nicht unter dem Gerüst durchziehen», sagt Marcel Schöni zu Leila. Sie ist eben daran, ein weiteres Panel auf das Metallgerüst zu stecken. «Im 15-Grad-Winkel», erklärt sie. Das Kabel hat Leila nun oben durchgezogen, Melanie kommt mit der Bohrmaschine und befestigt das Modul am Gerüst. Ein weiteres Panel mit 260 Kilowattstunden ist installiert - zur Freude von Marcel Schöni. Dieser arbeitet bei der Re-Sol-Tech GmbH, die Montage von Solarpanels ist sein tägliches Brot.

Dass Schüler für einmal seinen Job übernehmen, stört ihn nicht. Die Arbeit gehe «ganz speditiv» voran, wenn so viele Hände mithelfen würden. Ein paar Meter weiter, auf dem Dach des Hauptgebäudes, fotografiert Max Bobst Schüler bei der Installation eines Metallgerüstes. Auch hier wird eifrig gebohrt, geschraubt und montiert. Die Anlage nimmt allmählich Form an. Der sichtlich stolze Bobst ist Präsident der Genossenschaft Optima Solar, die das Projekt gemeinsam mit der Regio Energie ins Leben gerufen hat.

Warum sind es ausgerechnet die Schüler, die auf den Dächern arbeiten und Panels installieren? «Weil die Schüler hier sozusagen an ihrer eigenen Zukunft bauen», erklärt Bobst. Schliesslich sei es ihre Generation, die sich in ein paar Jahren mit der Energiewende herumschlagen müsse. «Was wollen wir alten Kläuse da schon erreichen?» Ähnliches ist von Barbara Wälchli, der Klassenlehrerin, zu hören: «Die Schüler arbeiten nicht nur, sie lernen die Materie auch theoretisch kennen.»

Auch Greenpeace ist dabei

Am Morgen haben Instruktoren von Greenpeace die Schüler in die Arbeit mit Solarpanels eingeführt. Offensichtlich erfolgreich: «Im Innern gibt es eine Siliziumschicht. Scheint da die Sonne drauf, rutscht ein Elektron ins Stromkabel.» So beschreibt Leila die Funktionsweise eines Solarpanels. Natürlich habe die Idee, dass Schüler auf den Dächern arbeiten, zuerst für Diskussionen gesorgt. «Einige Lehrer machten sich Sorgen wegen der Sicherheit. Andere hatten ihre Bedenken, dass mit Greenpeace zusammengearbeitet wird», erklärt Max Bobst. Nach viel Überzeugungsarbeit habe die Schule dann mitgemacht.

«Auf den Dächern sind immer Fachpersonen in der Nähe und Greenpeace hat viel Erfahrungen in diesem Bereich» , so Bobst. Die «Drittsekler» und die anderen Klassen haben ganze Arbeit geleistet. Auf einem grossen Teil der Schulhaus-Dächer glänzen Solarpanels in der Sonne. Bis zum Freitag sollen über 790 Panels installiert , dereinst sollen damit bis zu 40 Haushalte mit Strom versorgt werden.