Sie sei ein ausserordentlich wichtiger Beitrag für das Gemeindeleben und den Zusammenhalt im Dorf gewesen - die Biberister «Dorf-Zytig», die im März zum letzten Mal erschienen ist. Das schreibt die CVP/EVP-Fraktion des Gemeinderats in ihrem Antrag, für eine Nachfolgepublikation des eingestellten Blattes. «Die Gemeinde sollte alle Mittel nutzen, um transparent zu informieren», sagte Felix Schibli (CVP) in der Ratssitzung vom Montagabend.

Das könne ohne Dorfzeitung nicht gewährleistet werden, zumal gerade in diesem Jahr mit den Jubiläumsfeiern im Herbst ein grosser Informationsbedarf bestehe. «Dazu ist die Gemeinde verpflichtet.» Ausserdem verlangten immer komplexere Aufgaben in den Gemeinden nach mehr Information.

Inserenten bei der Stange halten

Gemäss dem Antrag soll eine Arbeitsgruppe bis Ende September eine Leistungsvereinbarung für die Herausgabe eines Nachfolgeblattes vorbereiten. Einsitz nehmen Franz Portmann, der Mediensprecher der Solothurner Spitäler Eric Send, der ehemalige CVP-Gemeinderat Urs Zeltner sowie Michael Ruefer, Leiter Zentrale Dienste auf der Gemeindeverwaltung. Der bisherige Herausgeber Peter-Lukas Meier unterstützt die Gruppe mit seinem Fachwissen. Fürs Erste übernimmt sein Rothus-Verlag ausserdem die Herstellung, den Vertrieb und die Inserateakquisition.

Die Vereinbarung soll für die Jahre 2013 bis 2015 die publizistischen Leistungen und den finanziellen Beitrag der Gemeinde regeln. Weil viel Informationsbedarf bestehe und damit die Inserenten nicht abspringen, sollen noch dieses Jahr zwei Überbrückungs-Ausgaben publiziert werden. Dafür soll die Gemeinde je vier Seiten à 1800 Franken kaufen und eine Defizitgarantie von 5000 Franken pro Ausgabe sprechen. Eine Ausgabe kostet 12 000 Franken - wobei die Kosten mit jedem Inserat sinken. Ein zentraler Punkt der Leistungsvereinbarung ist die redaktionelle Freiheit.

Beiblatt im Anzeiger günstiger

Geschlossen wehrte sich nur die FDP gegen den Antrag: Bis zum Ende der Legislatur komme man gut ohne Dorfzeitung zurecht. «Ausserdem können sich die Biberister ausreichend über Aktivitäten von Parteien und Vereinen informieren», sagte Gemeindepräsident Martin Blaser. Er hielt fest, dass ein gelegentlich dem Amtsanzeiger beigelegtes Informationsblatt günstiger sei. Für Yvonne Lüthy war die «Dorf-Zytig» ohnehin nie journalistisch neutral, sondern habe vor allem negativ berichtet. «Wenn wir eine Publikation unterstützen, wollen wir auch die Gemeinde repräsentieren.»

Vizegemeindepräsident Andreas Bühlmann (SP) hielt fest, dass Private gerne ein Projekt auf die Beine stellen könnten. «Dann sollen sie es aber selber finanzieren.» Die Voten blieben erfolglos: Eine Mehrheit aus CVP, SVP und einem Grossteil der SP liess sich von der Idee überzeugen und ebnete mit 7 gegen 4 Stimmen den Weg für eine neue Dorfzeitung. Damit wurde nachträglich ein Kredit von 24 400 Franken gesprochen.