Prozess
Die Achterbahn einer Hassliebe endet mit 30 Monaten Freiheitsstrafe

Das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt verurteilte einen 24-Jährigen aus Zuchwil wegen Diebstahls, Betrugs, Drohung, Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Entführung und einer Reihe weiterer Delikte zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten.

Hans Peter Schläfli
Drucken
Teilen
Das Gericht akzeptiert das Verhalten des Angeklagten gegenüber seiner Freunding nicht. (Symbolbild)

Das Gericht akzeptiert das Verhalten des Angeklagten gegenüber seiner Freunding nicht. (Symbolbild)

Keystone

Wäre er ein Sportler, würde man von einem beeindruckenden Palmarès sprechen: Der erst 24-jährigen Serbe mit kosovarischen Wurzeln, der bereits einschlägig vorbestraft ist, musste sich wegen nicht weniger als 14 Anklagepunkten verantworten. Wie sehr ihn die Vorwürfe belasten belegte der Eldrin B.* damit, dass er am Donnerstag gleich eine volle Stunde verspätet zur Gerichtsverhandlung erschien. "Ich habe gemeint, die Verhandlung beginnt erst um 9 Uhr", war seine Entschuldigung.

Bei einem Einbruch ins Bellacher Bowlingcenter vergass er ein Einbruchswerkzeug, auf dem die Polizei seine DNA nachweisen konnte. Beim gewerbsmässigen Betrug gab es ebenfalls keine Ausreden, denn er hatte auf der Internetplattform Ricardo Artikel verkauft, die er gar nie besass - und das, obwohl er für das exakt gleiche Delikt schon einmal per Strafbefehl verurteilt worden war.

Die Gewaltdelikte standen alle in Zusammenhang mit seiner Beziehung zu Aishe K.*, die aus demselben Kulturkreis stammt. Als er merkte, dass sich seine Freundin im Januar 2012 wieder mit ihrem Exfreund traf, passte ihr Eldrin B. vor ihrer Wohnung im Gäu ab. Er gab ihr mehrere Ohrfeigen zerrte sie gegen ihren Willen an den Haaren auf den Rücksitz des Autos seines Freundes. Dieser Freund, der mittlerweile wegen Beihilfe zur Entführung rechtskräftig verurteilt ist, fuhr zum Zuchwiler Fussballplatz. So kam es zum Schuldspruch wegen Freiheitsberaubung und Entführung. Dort schlug er sie so heftig, dass es zu einer Perforation des Trommelfells kam. Dafür wurde Eldrin B. der Körperverletzung schuldig gesprochen.

Erstaunlicherweise traf sich das Paar aber weiterhin. Als sie dann aber den Kontakt von einem Tag auf den anderen abbrach, rastete Eldrin B. erneut aus. Während Tagen bombardierte er sie mit SMS "mit primitivem Inhalt voller Drohungen", wie der Gerichtspräsident in der Urteilsbegründung sagte. Sogar seine Freunde bekamen es am 20. Februar 2012 mit der Angst zu tun, als Eldrin B. ihnen erklärte: "Sie hat mein Leben zerstört, deshalb bringe ich sie um." Sie warnten die Polizei, dass diese Hassliebe ein schlimmes Ende nehmen könnte.

Eine Hausdurchsuchung brachte ein verbotenes Schnellmesser zum Vorschein, was zur Verurteilung wegen Verstosses gegen das Waffengesetz führte. Sofort wurden die Handystandorte der beiden geortet. Eldrin B. passte Aishe K. in Olten auf dem Weg zur Arbeit ab und überredete sie, mit nach Rothrist zu gehen, um sich auszusprechen. Dort brachte er im Bahnhof einen Schnellzug zur Notbremsung, weil er vom Perron hinunter Richtung Gleise stieg. Schliesslich wurde er zuhause verhaftet.

Damit war die Achterbahnfahrt aber noch nicht zu Ende. Als Eldrin B. aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, begann er eine neue Beziehung. Das gefiel Aishe K. gar nicht. Sie versuchte ihn zurückzugewinnen. Als Rechtsanwalt Reto Gasser, der Eldrin B. verteidigte, dem Opfer ihre Liebeserklärungen vorhielt, war an ihren verschmitzten Lächeln zu erkennen, dass sie es faustdick hinter den Ohren hat. Über Whatsup hatte sie versprochen, dass sie alle Vorwürfe zurücknehmen wird und dass sie wieder mit ihm zusammen sein will.

Tatsächlich schickte Aishe K. im Oktober 2012 einen solchen Brief an die Staatsanwaltschaft, widerrief diesen aber kurz darauf und beschuldigte Eldrin B., sie zum Schreiben des entlastenden Briefes genötigt zu haben. In diesem Punkt glaubte das Gericht dem Angeklagten und es gab einen Freispruch im Anklagepunkt der Nötigung.

"Das ambivalente Verhalten des Opfers wirkt sich strafmildernd aus", erklärte das Gericht, warum es ein halbes Jahr unter dem Strafantrag des Staatsanwaltes blieb, der eine Freiheitsstrafe von drei Jahren gefordert hatte. "Aber unsere Gesellschaft akzeptiert nicht, wie sie mit Frau K. umgegangen sind, auch wenn wir ihr ambivalentes Verhalten erkennen. So behandelt man eine Frau nicht. Deshalb verlangen wir, dass sie das Lernprogramm gegen häusliche Gewalt in Liestal besuchen."

Da Eldrin B.* eine Arbeit hat, werden 18 Monate zur Bewährung ausgesetzt und 12 Monate darf er mit einer Fussfessel in Halbfreiheit verbüssen. Gerichtspräsident Altermatt gab dem jungen Mann noch eine Warnung mit auf den Heimweg: "Wenn so etwas nochmals vorkommen sollte, werden sie auch die anderen 18 Monate verbüssen müssen, das garantiere ich ihnen."

* Name der Redaktion bekannt

Aktuelle Nachrichten