Die einen betonen den mit ihr verbundenen Serviceabbau und sprechen von einem finanziellen Nullsummenspiel. Die anderen sehen in ihr eine Chance und weisen auf die möglichen Einsparungen durch eine Vermietung der leer werdenden Räumlichkeiten hin.
Die Auslagerung der Verwaltung von Zullwil spaltet das Dorf im Schwarzbubenland momentan in zwei Lager.

Am kommenden Sonntag ist die Bevölkerung dazu aufgerufen, an der Urne über die Verschiebung von Verwaltungsdienstleitungen nach Büren und Breitenbach zu befinden. Mit ihrem Votum entscheiden sich die Abstimmenden nicht nur für oder gegen die Auslagerung. Sie sprechen sich damit auch für oder gegen den Zullwiler Gemeindepräsidenten Roger P. Hänggi aus.

Der seit kurzem der SVP angehörende Politiker ist die treibende Kraft hinter der Auslagerung. Ihm gegenüber stehen die drei ehemaligen Gemeinderäte Anita Colin, Roland Häner und Markus Saner, die im letzten November gemeinsam ihren Rücktritt erklärten. Grund dafür waren langanhaltende schwerwiegende Meinungsverschiedenheiten mit dem Gemeindepräsidenten.

Der Umgangston während den Sitzungen sei rau gewesen, erklärte der zurückgetretene Roland Häner an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung im Januar, als man entschied, an der Urne über die Auslagerung abzustimmen. Der Gemeindepräsident habe ihn unter anderem als «himmeltraurige Kreatur» beschimpft, sagte er damals. Selbst ein beigezogener Mediator konnte die Streitigkeiten im Kollegium nicht schlichten.

Flugblätter und Leserbriefe

Seit dem Rücktritt sind vier Monate vergangen, die Stimmung in der Gemeinde ist jedoch noch immer aufgeheizt. In im Dorf kursierenden Flugblättern und in Leserbriefen in der Lokalpresse meldeten sich Gegner und Befürworter zu Wort. Neben Vor- und Nachteilen einer Verwaltungsauslagerung finden sich darin auch Angriffe gegen Personen. Die drei zurückgetretenen Gemeinderäte kritisieren in einem in alle Haushalte in Zullwil verteilten Schreiben den Gemeindepräsidenten.

Die Unabhängige Ortspartei Zullwil, die seit kurzer Zeit mit Sandra Christ-Helfenfinger eine Gemeinderätin stellt, wendet sich wiederum gegen die drei ehemaligen Gemeinderäte. Für neutrale Zullwiler – sofern es denn welche gibt – fällt es dabei schwer, den Fokus lediglich auf die Argumente zu richten.

Sollte sich die Bevölkerung für eine Auslagerung der Verwaltung entscheiden, würde die Finanzverwaltung nach Büren gezügelt und die Einwohnerkontrolle neu in Breitenbach sein. Vor Ort in Zullwil verbleibt ein Gemeindeschreiber mit einem reduzierten Pensum, der als Ansprechpartner für die Bevölkerung dient und Schreibarbeiten für den Gemeinderat übernimmt. Um sich aber eine Identitätskarte ausstellen zu lassen oder sich bei der Gemeinde abzumelden, müssten die Zullwilerinnen und Zullwiler künftig nach Breitenbach.

«Die Leistungen am Schalter werden nicht mehr im Dorf angeboten», sagt Gemeindepräsident Roger P. Hänggi. Um gleich anzufügen: «Diese Leistungen werden in Zullwil durchschnittlich von einer Person in Anspruch genommen. Tendenz weiter steigend, da der Trend Richtung Online-Lösungen per Internet und Smartphone geht.» Er könne jedoch verstehen, dass die Emotionen hochgehen. Schliesslich habe Zullwil in den letzten Jahren bereits seine Post und die Raiffeisenbank verloren.

Der ehemalige Gemeinderat Roland Häner erachtet eine «partielle Auslagerung von Dienstleistungen als sinnvolle Option für die Gemeinde». Es sei aber erstrebenswert, die Zusammenarbeit mit einer Gemeinde im Gebiet Gilgenberg durchzuführen. Zu diesem gehören neben Zullwil die drei Nachbardörfer Meltingen, Nunningen und Fehren. Über nicht kalkulierare Mehrkosten, die durch die Auslagerung entstünden, sei die Bevölkerung nie informiert worden.

Verwaltungsgebäude vermieten

Ziel ist es, nach der Auslagerung der Verwaltung die Mehrzweckanlage Katzenflühli, in der derzeit die Verwaltung untergebracht ist, zu vermieten. Deshalb stimmen die Zullwiler am Sonntag auch über die Umnutzung der Räumlichkeiten ab. Gelinge es, das Gebäude zu vermieten, könne man ab dem Jahr 2017 rund 13 000 Franken einsparen, rechnete Gemeindepräsident Hänggi an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vor.

Dies, nachdem zuvor von Einsparungen in der Höhe von 40 000 und später von 26 000 Franken die Rede war. Berücksichtigt man die Initialisierungskosten von über 32 000 Franken, dann ist die Auslagerung eine Investition à fond perdu, findet Roland Häner, der als Gemeinderat zuletzt das Ressort Finanzen betreute.

Gemeindepräsident Hänggi betont, dass es Anfragen von Interessenten gebe. Ein Teil des Werkhofs, der Ende März frei werde, dürfte schnell vermietet sei. Bei den Räumlichkeiten der Verwaltung habe er aber noch keine konkreten Anfragen. Er sei jedoch zuversichtlich, dass sich in absehbarer Zeit eine geeignete Mieterschaft finden werde.