Einmal mehr hat der Ausspruch «was lange währt, wird endlich gut» Gültigkeit. Dies meinte jedenfalls Bruno Jordi (AEK Energie AG) heute Montagnachmittag in Derendingen. Nachdem nämlich die Papierfabrik ihren Betrieb einstellte, hatte auch die Ferndampfleitung der AEK keinen Lieferanten mehr. In der Zwischenzeit ist die Kebag in die Bresche gesprungen.

Bevor aber die Wärme aus der Kehrichtverbrennungsanlage genützt werden konnte, musste das bestehende Regime der Dampfleitung geändert werden. Nun kann Derendingen als wohl letzte Gemeinde im möglichen Perimeter an die Fernwärmeleitung angehängt werden.

«Dass dies möglich ist, ist auch Gemeindepräsident Kuno Tschumi zu verdanken. Unermüdlich hat er sich für das Projekt eingesetzt. Auch bei der Regierung hat er für die Sache geworben», so Bruno Jordi.

Doch noch Fördergelder

Tatsächlich wollte der Kanton plötzlich keine Fördergelder mehr auszahlen. Und als die kantonalen Stellen einlenkten, machten sie unerreichbare Vorgaben. Erst nach einer Intervention Tschumis wurde der Ausbau der Fernwärmeleitung zu einem separaten Förderprojekt. Maximal 180 000 Franken wurden vom Regierungsrat gesprochen. Dieses Geld soll vollumfänglich den Kunden des Wärmeverbundes zukommen.

Kuno Tschumi wiederum zeigte sich begeistert von der Tatsache, dass aus Abfall Energie gewonnen werden kann. «Das ist wie eine eigene Ölquelle, die stetig sprudelt.» Fernwärme sei ein Projekt für die Zukunft. «Ich bin froh und glücklich, dass wir in Derendingen davon profitieren können.» Immerhin habe sich die Gemeinde zum Ziel gesetzt, das Energiestadt-Label zu erreichen.

In einer ersten Etappe werden die Liegenschaften entlang der Hauptstrasse in Derendingen und die Gemeindeliegenschaften an die Fernwärme angeschlossen. In einer Heizzentrale wird die Wärme ab der Dampfleitung der Kebag entnommen. Im Endausbau sollen ganzjährig rund 3,5 Megawatt für Heizung und Warmwasser zur Verfügung stehen. Damit könnten, so die Berechnungen der AEK, rund 550 Haushalte mit Wärme versorgt werden.

Bis ins Industriegebiet?

Die Planungsarbeiten für die Erweiterung des Netzes in den Holunder- und Buchenweg sind laut AEK Energie AG im Gang. Später soll die Leitung zum Steinmattschulhaus geführt werden. Auch das Alters- und Pflegeheim Derendingen/Luterbach zeigte sich interessiert am Projekt. Die grössten Energiebezüger in Derendingen sind im Industriequartier Löhr angesiedelt. Eine Erschliessung dorthin würde eine 600 Meter lange Leitung nötig machen. Technisch ist dies realisierbar. Sinnvoll wäre diese Investition aber nur, wenn möglichste viele Gewerbebetriebe und Mehrfamilienhäuser die Fernwärme nutzen würden.