Dass in einer Gemeinde eine Finanz- oder eine Baukommission gewählt wird, dass es ein Wahlbüro gibt - das ist nichts Neues. Die Liste der Kommissionen in Derendingen enthält aber komplett neue Namen. Da gibt es nämlich eine Kommission für Gemeindeentwicklung, eine Kommission für Gesellschaftsentwicklung, eine Kommission Werterhalt Infrastruktur und eine gemeinderätliche Geschäftsprüfungskommission.

Dazu kommen drei ehemalige Kommissionen, die neu als Arbeitsgruppe geführt werden: Es sind dies die Verantwortlichen für die Bibliothek, für Enrgie und Umwelt und für Kultur.

Strategische Ausrichtung

Mit den neu geschaffenen Behördenstrukturen geht Derendingen einen neuen Weg. «In den letzten Jahren hat sich enorm viel verändert», erklärt Gemeindepräsident Kuno Tschumi, der 2005 gewählt wurde. «Bei jedem Pflichtenheft, bei jedem Reglement, das wir zur Hand genommen haben, stellten wir fest, dass eine Überarbeitung nötig ist.» Daraus ergab sich zuerst eine Verwaltungsreorganisation, und jetzt eine Reorganisation der politischen Strukturen.

Für diese Überarbeitung wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt. «Wir haben uns beispielsweise gefragt, was macht die Kommission heute? Ist es noch nötig, dass diese Aufgaben in der Kommission erledigt werden?»

So hätten sich vor allem im Umweltbereich viele Änderungen ergeben. Fast alle Aufgaben, die im Pflichtenheft definiert waren, werden heute von der Bauverwaltung wahrgenommen. Und dies von Amtes wegen,
vorgeschrieben vom Kanton. «Weiter haben wir festgestellt, dass es Kommissionen gibt, die strategisch denken. Die Finanzkommission beispielsweise. Andere Kommissionen arbeiten mehr praktisch, so etwa die Kulturkommission, die auch Anlässe organisiert.»

Neue Aufgaben definiert

Aus all diesen Überlegungen heraus wurde das Kommissionswesen umgekrempelt. Die Kommissionen sollen nicht mehr verwalten oder prüfen. Sie sollen vielmehr Strategien entwickeln. So wird es auch künftig Kommissionen geben, die politische Entscheide treffen. Andere sollen die Zukunft der Gemeinde entwickeln. «Es gibt viele wichtige Fragen. Die Themen Alter und Jugend beispielsweise. Diese Bereiche werden heute in Derendingen nur schlecht abgedeckt», meint Tschumi.

Die Gemeinde geht zudem weg vom ganz strengen Parteiproporz und auch von der Regel, dass ein Kommissionsmitglied 18 Jahre alt und stimmberechtigt sein muss. Letzteres wird möglich mit der neuen Definition der Arbeitsgruppen. «Hier sollen Interessierte mithelfen, die fachlich kompetent sind und ungeachtet von Alter und Nationalität Spass haben mitzuarbeiten.»

Fliessend neu strukturieren

Die Kommissionen haben ihre Arbeit Mitte August aufgenommen. «Wir lassen sie jetzt arbeiten und ziehen dann eine erste Bilanz.» Vermutlich müssten die Themenbereiche noch angepasst und Schnittstellen verschoben werden. «Die ersten Jahre werden wir noch etwas ausprobieren», so Tschumi. Man müsse sich zuerst an die neuen Strukturen gewöhnen und herausfinden, wo sie passen und wo nicht.

Kuno Tschumi ist überzeugt, dass gerade mit den Arbeitsgruppen auch Ausländerinnen und Ausländer zum Mitmachen animiert werden können. «Viele von ihnen sind integriert und interessiert. Sie haben bloss den Schweizer Pass nicht.» Aber dieses Potenzial sollte eine Gemeinde nützen. Ebenso wie das Potenzial der Früh- und Pensionierten. «Viele von ihnen haben ein grosses Wissen, das nicht einfach brachliegen sollte.»