Selzach/Bettlach/Grenchen

Der Wald soll die Dörfer besser vor Erdrutschen schützen können

Giglerbach: Das Bachbett ist tief ins Gelände eingeschnitten, die Wurzeln liegen frei.

Giglerbach: Das Bachbett ist tief ins Gelände eingeschnitten, die Wurzeln liegen frei.

Am Leberberg beginnt die Umsetzung des Schutzwaldprojekts. Dabei soll ein abgestufter Wald entstehen, der das Siedlungsgebiet vor Erdrutschen schützt und später sogar Schutzbauten ersetzen kann. Der Forstbetrieb Leberberg trägt die Projektherrschaft.

Es war 1970, als der Leberberg im April noch reichlich mit Schnee bedeckt war. In den Monaten zuvor waren Winde über den Solothurner Jura gezogen und hatten entlang von Geländekanten teilweise grosse Wechten (Schneeablagerungen) gebildet. Mit dem Einsetzen der Schneeschmelze wurden diese instabil und brachen ab.

Das Tauwetter führte zu beträchtlichen Wassermengen, sodass Erdmaterial, Gestein und Geröll in Bewegung kamen. Die Waldstrasse Richtung Wagnerbann im Gebiet Schauenburg rutschte ab, und im Gebiet des Lochbachs setzte ein Murgang ein, der in Selzach gewaltige Schäden anrichtete.

Derweil zeugt in Bettlach der Giglerbach von jüngeren Schadensereignissen, auch wenn er bisweilen sogar trocken liegt. Letztmals war es ein Gewitterregen im Juni 2007. Das Bachbett ist seither stellenweise tief ins Gelände eingeschnitten, die Böschung verletzt und die Baumwurzeln liegen frei. Bäume haben an Standfestigkeit eingebüsst.

Gebiete sind schwer zugänglich

Diese Geschehnisse führen vor Augen, dass selbst unscheinbare Bäche ein Gefahrenpotenzial entwickeln können. Um solchen Prozessen entgegenzuwirken, hat der Forstbetrieb Leberberg zusammen mit dem Amt für Wald, Jagd und Fischerei (AWJF) ein Projekt erarbeitet, das zum Ziel hat, das Siedlungsgebiet der Gemeinden Selzach, Bettlach und Grenchen vor Naturgefahren besser zu schützen.

Die Projektherrschaft trägt der Forstbetrieb Leberberg. Diese Woche wurde mit den Arbeiten des Schutzwaldprojekts begonnen. «Wir müssen auf eine effiziente Durchführung achten», sagt Thomas Studer, Betriebsleiter der Forstbetriebe Leberberg. Die Umsetzung beginne daher vorzugsweise dort, wo ausgewiesene Schutzwälder an aktuell bearbeitete Waldflächen angrenzen.

Konkret sind das die Umgebung der Schauenburg, am Brügglibach auf Höhe der alten Brügglistrasse sowie beim Giglerbach im Gebiet Wacht. Erschwerend sei allerdings, dass viele der ausgewiesenen Schutzwälder in schwer zugänglichen Gebieten liegen. Hilfsmittel wie ein Seilkran seien daher unumgänglich, so Studer, was sich aber in den Kosten niederschlage.

Eine zentrale Rolle bei der Umsetzung des Schutzwaldprojekts spiele die Verjüngung des Waldes, sagt Studer weiter: «Alte oder angeschlagene Bäume müssen entfernt werden, damit es Platz gibt und das Licht wieder auf den Boden fällt.» Nur so könne sich ein Jungwald entwickeln, der später wiederum gepflegt werden muss.

«Ziel ist es, einen schön abgestuften Wald zu erhalten, der das Siedlungsgebiet vor Erdrutschen und dergleichen schützen kann.» Bei nachhaltiger Pflege könne ein Schutzwald sogar Schutzbauten ersetzen oder dazu beitragen, dass diese nur noch punktuell nötig seien, was sich langfristig gesehen rechne.

Der Forstbetrieb Leberberg ist auch für die Vereinbarungen mit den Waldeigentümern und den Nutzniessern verantwortlich. Zu den Waldeigentümern gehören sowohl die Bürgergemeinden Selzach und Bettlach, als auch Private. Als Nutzniesser gelten die Einwohnergemeinden.

Letztere teilen sich mit dem Kanton die mit dem Schutzwaldprojekt verbundenen Kosten von voraussichtlich 325 100 Franken: Der Kanton bezahlt 80 Prozent (maximal 260 080 Franken), die Gemeinden je 20 Prozent (Selzach für das Rutschgebiet, den Lochbach und den Brügglibach; Bettlach für den Giglerbach; Grenchen für das Wissbächli).

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