Stellenabbau
Der Schock sitzt bei allen Bosch-Mitarbeitern tief

Weinende und frustrierte Gesichter waren am Montag am frühen Nachmittag vor dem Scintilla/Bosch-Personaleingang in Zuchwil anzutreffen. Bei allen sitzt der Schock tief.

Deborah Onnis
Drucken
Teilen
Das Bosch-Werk in Zuchwil

Das Bosch-Werk in Zuchwil

Urs Lindt

Die wenigsten Betroffenen wollten oder konnten sich zur Hiobsbotschaft äussern. Der Schock sitzt bei allen tief. Viele arbeiten schon seit Jahrzehnten bei Bosch AG. Im Fall von Willi Marti sind es genau 27,5 Jahre. «In Zukunft werden wir sehr wahrscheinlich arbeitslos sein. Denn ab einem gewissen Alter ist es schwierig, eine Arbeit zu finden, von der man leben könnte», befürchtet Marti, der bei der Qualitätssicherung tätig ist. «Vielleicht werde ich vorpensioniert», hofft ein Arbeiter, der bald 60 Jahre alt wird.

Ein dritter Mitarbeiter sagt: «Ich arbeite seit 40 Jahren bei Bosch und es ist für mich sehr schlimm.» Und: «Eine solche Mitteilung noch kurz vor Weihnachten. Da kann man sich nicht mal mehr freuen», meint er frustriert.

Die Überraschung war gross

Kam die Mitteilung eigentlich aus heiterem Himmel? «Wir haben schon gemerkt, dass immer mehr Arbeiten verlagert wurden - aber das ist jetzt krass», meint ein Arbeiter niedergeschlagen. Für die meisten kam der Schlag laut Rolf Hager jedenfalls ziemlich überraschend: «Zuerst sagen sie uns, wir seien bezüglich Qualität das beste Werk und dann heisst es plötzlich die Abteilungen werden geschlossen.»

Auf die Zukunft der Firma angesprochen sind die Aussagen alle sehr kritisch: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass es sich für den Konzern lohnt, nur für eine Abteilung die ganze Infrastruktur zu unterhalten», sagt einer. Ein anderer meint: «Für den Firmenstandort Zuchwil wird es das Aus sein.»

Bei der Bekanntgabe sei die Stimmung im Saal ruhig und gefasst gewesen, berichtet ein Anwesender. «Es geht nun darum, die Situation überhaupt zu realisieren. Jeder muss es für sich verarbeiten», meint er. Vorerst ist in den Augen der vorbeigehenden Arbeiter aber nur Traurigkeit, Frust oder Fassungslosigkeit zu lesen.