Bolken
Der Schlammbagger ist früher als geplant abgebaut

2400 Kubikmeter Sediment sollten bis Ende November aus dem Inkwilersee abgesaugt werden. Nach knapp 400 wurde der Versuch aber abgebrochen. Der Faktor Zeit wurde unterschätzt.

Rahel Meier
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Nur zirka 400 statt der erhofften 2400 Kubikmeter Schlamm wurden abgesaugt und in diese Säcke befördert. rm

Nur zirka 400 statt der erhofften 2400 Kubikmeter Schlamm wurden abgesaugt und in diese Säcke befördert. rm

Eine der Massnahmen, die das Verlanden des Inkwilersees stoppen sollen, ist das Absaugen der Seesedimente entlang der Uferzone. Das Ziel lautete: absaugen von 2400 Kubikmeter Sediment bis Ende November. Dazu wurde ein Saugbagger eingesetzt, der auf dem See schwimmt und mithilfe einer Baggerpumpe Seewasser und Sedimente absaugt und durch Druckleitungen in grosse wasserdurchlässige Säcke am Nordufer des Sees befördert.

Inkwilersee: Schwimmender Staubsauger wurde eingewassert
3 Bilder
Ein Kran hebt das Ungetüm vom Lastwagen
Danach wird es Richtung Inkwilersee bewegt.

Inkwilersee: Schwimmender Staubsauger wurde eingewassert

zvg

Nur ein Teilziel erreicht

Die Anlage zum Absaugen wurde in der Zwischenzeit aber bereits teilweise rückgebaut. Knapp 400 Kubikmeter Schlamm wurden dem Inkwilersee im Verlauf des letzten Monats entnommen. Eigentlich funktionierte alles wie geplant, aber der Faktor Zeit wurde unterschätzt. «Wir haben später angefangen als ursprünglich geplant. Zudem ging das Absaugen langsamer, als die verantwortliche Firma dachte», erklärt Daniel Schrag (Amt für Umwelt, Kanton Solothurn). Ungewohnt war für die Leute der Spezialfirma vor allem die Konsistenz des Materials. Der Schlick aus dem Inkwilersee ist sehr feinkörnig. Die Säcke, in die das Material eingesaugt wird, liessen sich deshalb nicht gleich schnell füllen, wie bei grobkörnigerem Material.

Verlandung des Sees verlangsamen

Der Inkwilersee verlandet 30-mal schneller als früher. Damals betrug die Verlandungsrate ungefähr einen Millimeter pro Jahr, aktuell sind es 10 bis 30. Deshalb soll die Verlandung des Sees mit diversen Massnahmen verlangsamt werden. Diese sind in einem 55 Seiten starken Konzept umschrieben. Das Sanierungsziel ist wie folgt definiert: Die Verlandungsrate soll minimiert und damit die Lebensdauer des Inkwilersees maximiert werden. Zudem sollen die standortheimische Flora und Fauna mit ihren besonders schützenswerten Arten erhalten und gefördert werden. (rm)

Die Verantwortlichen standen deshalb vor der Frage, weiter absaugen – oder den Versuch abbrechen, die Situation analysieren und allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt fehlende Erkenntnisse beschaffen. «Wir haben uns nun entschieden abzubrechen.»

Versuch wird analysiert

Als Erstes werde das abgesaugte Material nun analysiert. «Dem Wasser-Schlamm-Gemisch wurde Flockungsmittel beigegeben. Damit wurde das feste Material gebunden. Dies funktionierte zu 100 Prozent. Das Material blieb in den Säcken, das klare Wasser lief zurück in den See», so Schrag.

Weil die Säcke aber nahe der Uferzone ausgelegt sind und das Gelände leicht abschüssig ist, bestand die Gefahr, dass die Säcke in das Ufergehölz rutschen könnten. «Weil das Material so fein ist, bewegt es sich in den Säcken mehr als üblich.» Weil weniger abgesaugt wurde als geplant, sollen die Seesedimente nicht lange gelagert, sondern das Material noch diesen Winter zur Bodenverbesserung in der Landwirtschaft ausgebracht werden.

Massnahmen gegen Verlandung im und rund um den Inkwilersee

Um die Verlandung zu stoppen, sind weitere Massnahmen nötig. Ein Teil ist ausgeführt, andere sind noch in Planung.
- Schon gebaut wurde eine sogenannte Tiefenwasserableitung (TWA). Diese führt das sauerstoffarme Seewasser aus den tieferen Wasserschichten in den Seebach und von dort aus in die Aare weg. Damit wird gleichzeitig die Masse der organischen Schwebeteilchen, die bei ihrer Zersetzung Sauerstoff brauchen, reduziert. Die TWA funktioniert ohne maschinelle Unterstützung. Anfang November wurde die Leitung durch Taucher überprüft und gesäubert. «Ansonsten funktioniert alles, wie es sollte», erklärt Daniel Schrag (Amt für Umwelt, Kanton Solothurn). Zusätzlich musste das seit langem bestehende Luftaggregat der Fischereivereinigung neu verankert werden.
- Nächstes Jahr sollen die beiden Absetzbecken im Moosbächli ausgebaggert werden. Weil die beiden Becken fast aufgefüllt sind, halten sie kaum mehr Material zurück. Je mehr Erosionsmaterial aber in den See gelangt, desto höher ist der Nährstoffeintrag und die Verlandung. Die beiden Becken dienen den Fischen zudem als Rückzugsraum, wenn der Sauerstoff im See knapp werden sollte.

Neben diesen drei Hauptmassnahmen gibt es verschiedene begleitende Massnahmen, die die Verlandung des Sees verlangsamen sollten. Auch diese sind teilweise bereits umgesetzt und teilweise noch in Planung.
- So wünscht sich der Kanton eine Verbesserung des Abwassersystems der benachbarten Gemeinden. Es geht dabei vor allem um die bessere Trennung von Abwasser und Sauberwasser.
- Eine Daueraufgabe ist der Gehölzunterhalt im Ufergürtel des Inkwilersees. Dabei liegt das Ziel darin, Röhricht und Grosseggenbestände zu fördern und den Baumbestand auszulichten. Neophyten werden gezielt entfernt.
- Durch die extensive Bewirtschaftung der Wiesen rund um den See im Rahmen des Vernetzungsprojektes wird der Nährstoffeintrag in den See ebenfalls verringert.
- BORES – so heisst das Programm, das die Verbesserung und Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit erreichen möchte. Die Wahl der Maschinen und die Art der Bodenbearbeitung hat entscheidenden Einfluss auf die Erosionsgefährdung der Böden. Schonend bearbeitet Böden sind nicht verdichtet und können mehr Wasser aufnehmen.
- Das Drainagesystem rund um den Inkwilersee soll überprüft und erneuert werden. Zusätzlich sollen die Einlaufschächte markiert, verschlossen oder versetzt oder aufgehoben werden.
- Als Letztes wird der heute bestehende Bootssteg auf der Berner Seite zurückgebaut und durch einen kleineren in der Nähe der Pro-Familia-Feuerstelle ersetzt. (rm)

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