Günsberg
Der Ranghöchste beim Bauernhausbrand war eine Feuerwehrfrau

Der Ernstfall mit dem Bauernhausbrand stellte die Feuerwehr auf die Probe. Den Einsatz leitete eine Frau: Georgette Flury. Sie trägt den Rang eines Leutnants bei der Gemeinsamen Feuerwehr Günsberg-Balm-Kammersrohr.

Urs Byland
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Auch das Dach über dem Wohnteil ist ausgebrannt.

Auch das Dach über dem Wohnteil ist ausgebrannt.

Lucien Fluri

Am meisten überrascht von ihrem Führungseinsatz war Georgette Flury wahrscheinlich selber. «Als ich auf dem Brandplatz ankam, merkte ich zu meinem Erstaunen, dass ich die Ranghöchste war», berichtet Georgette Flury gestern, nachdem sie etwas Schlaf nachgeholt hatte.

«Sie hatte die Ausbildung für diesen Einsatz», sagt lapidar ihr Kommandant Daniel Wyss. «Alle Offiziere müssen Einsätze leiten können. Sie hat es gut gemacht», so seine Einschätzung. In der Gemeinsamen Feuerwehr Günsberg-Balm-Kammersrohr (GFW) hat Georgette Flury den Rang eines Leutnants. Wäre Hauptmann Daniel Wyss selber zu Hause gewesen, hätte er den Brandplatz wohl am schnellsten erreicht, wohnt er doch nur zwei Häuser weiter.

Aber an diesem Morgen war er abwesend. «Eine halbe Stunde später stand ich dann auch auf dem Brandplatz. Es war für uns alle eine neue Erfahrung. Einen Einsatz in dieser Grössenordnung hatte noch kein Beteiligter mitgemacht», erklärt der Kommandant.

Georgette Flury (2.v.l.)

Georgette Flury (2.v.l.)

Gemeinsame Feuerwehr Günsberg-Balm-Kammersrohr (GFW)

Georgette Flury ordnete dann Sofortmassnahmen an. «Ziel war es, die beiden Nebengebäude sowie den Wohnteil des Ökonomiegebäudes zu halten. Damit wars gelaufen, es ging alles sehr schnell.» Frauen in Offiziersgraden gäbe es bei den Feuerwehren etliche, so Flury, aber dass diese auch im Ernstfall den Einsatz leiten müssen, sei selten.

Ihre männlichen Kollegen würden sie akzeptieren. «Wir kennen uns schon lange. Das war nie ein Problem», sagt die Personalchefin einer Oftringer Firma, die vor 15 Jahre als erste Frau in die GFW eintrat.

Das Heu herausholen

Mit acht Personen hatte die Feuerwehr die Nachtwache im Schichtbetrieb organisiert. Gestern Nachmittag war die GFW mit den Nachlöscharbeiten auf dem Bauernhof an der Vorstettlistrasse beschäftigt. Mit Vertretern des Brandermittlungsdienstes und der Gebäudeversicherung einigte man sich, dass das Heu mit einem Kran aus dem abgebrannten Teil des Bauernhofes herausgehievt werden soll. «Wahrscheinlich wird dann in der Nacht auch keine Brandwache mehr nötig sein», so Daniel Wyss.

Der Wohntrakt ist nicht bewohnbar. Die Familie hat laut Wyss bei Privaten Unterschlupf gefunden. Mitgeholfen bei der Unterbringung hatte Gemeindepräsident Thomas Jenni, der noch am Sonntag die Verwandtschaft kontaktierte. Die Bauernfamilie sei erst spätabends von einem Ausflug mit dem Kirchenchor zurückgekommen.