Das schwarze Räuchlein aus dem Pfarrgarten in Lüsslingen ist von weither sichtbar. Im Ofenhaus ist eine Backgruppe – drei Frauen und zwei Männer – am Einheizen. Alle sechs Wochen backen fünf Gruppen im hübschen Häuschen, das aus dem 17. Jahrhundert stammt und ursprünglich samt Scheune und Speicher zum Bauernbetrieb des Pfarrers gehörte.

In zwei der drei Öfen haben sich die «Wedele» und Tannenscheiter bereits in rote Glut verwandelt. Teig aus 15 Kilogramm Mehl fasst der kleinere und 25 Kilogramm der grössere Ofen. «Das Mehl stammt aus den Mühlen von Oberwil, Gossliwil und Landshut», sagt Hans Leuenberger, der die Backtage koordiniert. An der 750-Jahr-Feier von Lüsslingen seien 450 Kilogramm Mehl verarbeitet worden.

Nachheizen kaum möglich

Am Tisch formt die Fünfergruppe Brote aus ihrem mitgebrachten Teig. Alt-Bäckermeister Jules Furrer gibt nützliche Tipps. Die Zöpfe erhalten den glänzenden Eigelbanstrich. Mit dem eigens hergestellten und genetzten Besen aus Weisstannenzweigen sowie mit dem schwungvoll geführten Lappen wird die Glut später aus dem Ofen entfernt.

Ob die Hitze auch wirklich stimmt, zeigen die Mehlprobe und die weiss gefärbten Schamottesteine. «Besser der Ofen ist zu heiss, dann kann er mit einem nassen Lappen gekühlt werden», sagt Furrer. Nachheizen ginge nur schwerlich, weil der Teig, aufgegangen und geformt, zum Einschiessen bereitstehe.

Glut zum Bräteln

«Im Holzofen gebackenes Brot ist verglichen mit anderem wie Tag und Nacht», sagt Margrit Lorenz beim Herausnehmen der fertigen Brote. Auch Hans Leuenberger kommt aus dem Schwärmen nicht heraus. Schon als Junge habe er seiner Mutter auf dem Bauernhof beim Backen geholfen. Gross hebt er den gesellschaftlichen Aspekt hervor. Auf der Glut bräteln Würste fürs Mittagessen. An knusprigem Brot mangelt es nicht. Den abschliessenden Kaffee serviert abwechslungsweise jemand bei sich zu Hause.

Für das Einheizen wird in den umliegenden Wäldern Holz gesammelt und zu «Wedele» gebunden. «Vorwiegend Tannenholz›, weil es gut brennt», sagt Leuenberger. Die 250 «Wedele» lagern zum Trocknen im Speicher neben dem Pfarrhaus, samt einer Unmenge von Backscheitern.

Das Ofenhaus, das 1980 renoviert wurde, gehört immer noch der reformierten Kirchgemeinde. Ehrensache ist es daher, nach jedem Backen dem Pfarrer ein Brot auf den Küchenfenstersims zu legen.