Der Bundesrat kommt im schwarzen Mercedes. Im Schritttempo gleitet der Wagen über den Parkplatz der Werkzeugfabrik Fraisa, Sekunden später versammelt sich eine Traube aus Menschen um Johann Schneider-Ammann.

Grosses Händeschütteln. Würdenträger drängeln sich bald im Montageraum, manche recken ihre Hälse, Kameras klicken. Eine Frau hält ihr Handy nach oben, ein Schnappschuss muss sein. Der Wirtschaftsminister lächelt, er schleppt jedoch eine Erkältung mit sich herum, seine Stirn hat er in Falten gelegt.

Natürlich ist der Bundesrat an diesem Freitagabend nicht nach Bellach gereist, um ein bisschen zu schäkern. Was ihn auf Trab hält, ist die Ecopop-Initiative. Überall im Lande weibelt die Regierung für ein Nein. Denn diesmal, wird Schneider-Ammann später sagen, «müssen wirklich alle kämpfen».

Ja, diesmal gibt es kein Pardon. Immerhin haben Partei-Troika, Wirtschaftsverbände, Gewerkschaftsbund und Bauernverband gemeinsam zum grossen Ecopop-Showdown geladen. 14 Logos prangen auf dem Plakat an der Wand.

An einem Bartisch steht Marianne Meister und nippt an ihrem Glas. Ecopop werde abgelehnt, glaubt und hofft die FDP-Kantonsrätin. Aber was muss sich ändern in der Schweiz? «Die in Bern», findet die Ständeratskandidatin, «müssen die Ängste des Volkes endlich ernst nehmen.»

Gefahr für sozialen Frieden?

Wer Rang und Namen hat im Kanton Solothurn, sitzt wenig später in der Haupthalle zwischen Maschinen und Steuerungsanlagen. Bundesrat Schneider-Ammann verfolgt die üblichen Grussworte standesgemäss in der ersten Reihe. Der Mann, der zuerst ans Rednerpult tritt, geniesst seinen Coup: Der Wirtschaftsminister ist das zweite Regierungsmitglied, das dieses Jahr die Fabrik von Fraisa-CEO Josef Maushart besucht. Im Mai war schon Simonetta Sommaruga da. Maushart erzählt, wie er Anfang der 90er-Jahre in die Schweiz kam. Davon, wie er die Auswirkungen des Kontingentsystems am eigenen Leibe spürte. Mit Ecopop sieht er den sozialen Frieden in Gefahr: «Der kollektive Wohlstand der Schweiz steht auf dem Spiel», so Maushart. Und wie Regierungsrätin Esther Gassler (FDP) befürchtet auch er einen Schaden für die Solothurner Wirtschaft.

«Wir sitzen nicht still»

Dann steht Schneider-Ammann auf der Bühne. Mit leicht belegter Stimme referiert er über «das Korsett, in das man die Schweiz zwängen will». Es sei illusorisch, erklärt er, sich mit Ecopop eine Zukunft der bilateralen Verträge vorzustellen. «Dann muss man mit der EU erst gar nicht an einen Tisch sitzen.»

Die ersten Minuten seiner Ansprache sind die stärksten. Wenig Emotionen, aber harte Fakten und keine Floskeln. Ob es denn einen «Plan B» gebe, fragt Moderator Werner De Schepper. Der Bundesrat hat die Antwort zu dieser Frage etliche Male abgespult, sie ist umso kämpferischer: «Wir sitzen bereits heute nicht still und arbeiten an der Umsetzung der Zuwanderungsinitiative.»

Kämpferisch gibt sich freilich auch Benno Büeler, und der schmächtige Herr im feinen Anzug ist gut gelaunt. Dem Ecopop-Initianten sitzt SP-Nationalrat Philipp Hadorn gegenüber. Ihre Argumente können in diesen Wochen wohl nicht oft genug wiederholt werden: «Die Basis spürt den unsäglichen Wachstumswahn», sagt Büeler. Selbst bei einem Ja zu Ecopop könnten benötigte Arbeitskräfte noch zuwandern. Den Wirtschaftsleuten wolle er nur «ein paar Denkanstösse» erteilen. In der Halle wird vernehmbar gebrummelt. Immerhin sagt auch Hadorn: «Die Sorge um die Umwelt ist berechtigt.» Doch Ecopop setzt in seinen Augen auf die falschen Mittel. Lieber würde man eine «griffige Regel zur Steigerung der Energieeffizienz» schaffen.

Personen und Gesinnungen prallen in der Werkzeugfabrik aufeinander. Doch so unerschöpft die Diskussion auch sein mag, so einig scheint sich hier die Mehrheit in der Ablehnung der Initiative. Und Ecopop-Chef Benno Büeler? Er sitzt wenige Meter neben dem Bundesrat, schlägt seine Beine übereinander – und quittiert sämtliche Warnschüsse mit einem Lächeln.