Plötzlich gings schnell bei den Bernern: Vier neue Durchgangsplätze stellt der Kanton dort den Fahrenden ab Herbst zur Verfügung. 45 Wohnwagen können an diesen Standorten – wenn auch provisorisch – abgestellt werden.

Der Kanton Solothurn hinkt hinterher. seit längerem sucht man nach Standorten für die ethnische Minderheit der «in der Schweiz wohnhaften aktiv Fahrenden». So steht es im Entwurf zum kantonalen Richtplan. Dazu sind der Kanton und die Gemeinden verpflichtet.

Gemäss Rolf Glünkin, der im kantonalen Raumplanungsamt für die Richtplanung zuständig ist, sollen im oberen und im unteren Kantonsteil zwei kleine Standplätze entstehen. Dort könnten die Jenischen ihre Wohnwagen abstellen. Ins Auge gefasst wurde dafür der Bleichenberg in Biberist. Doch der Standort kommt für die Gemeinde aus baujuristischen Gründen nicht infrage. Gemäss Glünkin ist der «Bleichenberg» für den Kanton aber noch nicht vom Tisch.

Der Kanton ist unter Druck

Einen neuen Fokus setzt der Kanton nun auf das Gebiet zwischen der Westumfahrung Solothurn und dem Hunnenweg, unterhalb des Spitalhofs. Das Land hinter den Liegenschaften der Gebäudetechnikfirma Saudan und der Uhrenfabrik Mondaine gehört dem Kanton Solothurn. Mondaine-Chef Ronnie Bernheim weiss von diesen Plänen. Ein Baugesuch eingereicht hat der Kanton allerdings noch nicht. Offenbar wird der Standort von Nachbarn am Hunnenweg kritisch beurteilt. «Wir sind noch immer am Planen», sagt Rolf Glünkin dazu. Am 8. September ist im kantonalen Baudepartement eine Sitzung geplant, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Eher nicht infrage kommen dürfte ein anderer Standort auf Biberister Gebiet, den der Kanton ebenfalls vorgesehen hatte: bei der Ruine des abgebrannten Restaurants Hohberg, an der Gemeindegrenze zu Lüsslingen. Das Land gehört Privaten, doch diese wollen laut Glünkin nicht verkaufen. «Und wir haben keinen Enteignungstitel.»

Doch der Kanton ist unter Druck: Bis Ende 2014, so die ursprüngliche Planung, sollen die Stellplätze gebaut sein. Dann wird der Standplatz in Rüttenen geräumt. Dort wohnt die Familie Huber, für die der Platz in Biberist vorgesehen ist. «Wenn alles glatt läuft, ist dieser Zeitplan noch realistisch», sagt Glünkin. Ansonsten müsste man eine provisorische Lösung suchen.

Noch nicht weiter fortgeschritten sei die Suche nach einem Standplatz im unteren Kantonsteil.

Keine Aktivität in Biberist

Gemäss Martin Blaser, Gemeindepräsident von Biberist, habe man den Standort am Hunnenweg intern noch nicht diskutiert. Das bestätigt der Biberister Bauverwalter Ueli Sterchi: «Der Kanton ist Landbesitzer und müsste das Baugesuch einreichen.» Man reagiere, sobald dieses eingetroffen ist. Die anderen beiden Biberister Standorte beim Schlösschen Vorder-Bleichenberg und beim Hohberg seien derzeit kein Thema in der Gemeinde. «Auf dem Bleichenberg gibt es Probleme mit dem Zonenplan». Das Land liegt ausserhalb der Bauzone. «Und der Hohberg», so Sterchi, «hat sich erübrigt, weil der Landbesitzer nicht verkaufen will.»