Lüsslingen
Der Kanton soll handeln, bevor es ein erstes Todesopfer gibt

Fast 300 Einwohner der beiden Dörfer Lüsslingen und Nennigkofen wenden sich in einem Brief an den kantonalen Baudirektor Walter Straumann. Sie fordern eine sichere Lösung für den Langsamverkehr beim Knoten Bürenstrasse/Westumfahrung.

Christof Ramser
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Die Velofahrer werden an dieser Stelle gerne übersehen, was vor allem den Eltern der Oberstufenschüler Angst macht.

Die Velofahrer werden an dieser Stelle gerne übersehen, was vor allem den Eltern der Oberstufenschüler Angst macht.

Christof Ramser

Auf der Kreuzung ausgangs Solothurn zwischen Aare, Aldi und der Westumfahrungsrampe kommt es immer wieder zu Unfällen. Zwischen Januar 2004 und 2009 hat es 13 Mal gekracht. Viermal waren Zweiradfahrer involviert, teilweise endeten sie im Spital. Bei den meisten Unfällen haben Autofahrer den Vortritt missachtet. «Die Situation ist schon fast kriminell», sagt Helene Wyss aus Lüsslingen.

Sie hat die Briefaktion gestartet und ist indirekt betroffen: Ihr Sohn besucht die Schule in Solothurn, ein Bekannter wurde auf dem Roller von einem Autofahrer «abgeschossen». Die Ausfahrt sei für Kinder eine Herausforderung, weil diese von Autofahrern trotz Vortritt und rotem Radstreifen kaum wahrgenommen würden. «Wir bitten den Kanton dringend, für den Langsamverkehr jetzt eine sichere Lösung zu planen und zu realisieren, nicht erst, wenn Schwerverletzte oder gar Tote zu beklagen sind».

Sukkurs aus der ganzen Gemeinde

Ausschlaggebend für die markigen Worte aus Lüsslingen und Nennigkofen sind die Oberstufenschüler aus den beiden Gemeinden, die den Unterricht in Solothurn besuchen. Gegen 80 Jugendliche passieren den gefährlichen Knoten bis zu viermal täglich. Spätestens nach den Frühlingsferien, wenn der Extra-Bus nicht mehr fährt, sind jeweils alle per Velo unterwegs.

Auch die beiden Gemeindepräsidenten Ernst Hürlimann und Herbert Schluep stellen sich hinter die Forderungen. Mehrmals wurden sie seit 2009 bereits beim Kanton vorstellig - und erzielten einen Teilerfolg: Weil die Ausfahrt aus Richtung Westumfahrung/A5 einen grosszügigen Winkel hatte, brausten viele Auto- und Lastwagenfahrer mit hoher Geschwindigkeit in die Bürenstrasse. Deshalb wurde die Einmündung im November 2010 verschmälert.

«Seitdem gab es noch einen Unfall mit einem Zweirad», sagt Stefan Niggli vom kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau. «Die Situation hat sich zwar verbessert, ist aber nach wie vor schwierig.» Als Sofortmassnahme werden die Betonsockel kommenden April deshalb versuchsweise erneut verschoben und der Winkel zusätzlich verengt. So wird die Ausfahrt rechtwinkliger zum Velostreifen geführt.