Zuchwil

Der Kahlschlag am Zuchwiler Aareufer stösst bei vielen auf Unverständnis

Fast alle Eschen am Aareufer zwischen der Synthes und der Velobrücke in Zuchwil haben die Krankheit Eschentriebsterben. Deshalb mussten diese Bäume nun gefällt werden. Bei vielen Spaziergängern stösst dies jedoch auf Unverständnis.

Der Spaziergang auf der Südseite der Aare zur Zuchwiler Velobrücke lässt zartbesaitete Seelen nicht unberührt. Unzählige Baumstümpfe ragen in den Himmel. An einigen hängen mit Reisszwecken befestigte Plakate.

Darauf ist geschrieben: «Adee, schöne Bäume», «So etwas wird erlaubt?» oder einfach «Warum?». In einem Leserbeitrag schreibt Barbara Wyss Flück, Kantonsrätin Grüne, gar: «Mussten die über hundert Bäume dort alle aus Sicherheitsgründen weichen oder brauchen die Damen und Herren der Chefetagen freien Blick aufs Wasser?» Gemeint ist die Chefetage der Firma Synthes GmbH, denn die Holzerei an der Aare habe deren Durchblick auf das Gewässer wesentlich erhöht.

Abgeholzt wurde nicht nur vor der Synthes, sondern bis zur Velobrücke, wie im «Azeiger» schon am 13. März mitgeteilt wurde. In einem Inserat machte die Einwohnergemeinde Zuchwil auf die Sicherheitsholzerei aufmerksam.

Der Abschnitt, auf dem die Bäume rausgeschnitten wurden, liegt auf deren Gemeindegebiet. Zuständig ist Kreisförster Jürg Misteli, Forstkreis Wasseramt. «Ja, ich habe mit einem Kollegen die Bäume, die gefällt werden mussten, gezeichnet», berichtet er.

Geschnitten wurden beinahe alle Eschen. Diese seien vom Eschentriebsterben befallen. Die auch als Eschenwelke bezeichnete Krankheit ist ein Pilzbefall und führt grossflächig zu einem langsamen Sterben der Eschen. Ein Gegenmittel ist bisher nicht gefunden worden. Bei der Krankheit verdorren die Äste von aussen nach innen.

Das Teilstück am Aareufer wurde laut Jürg Misteli vor 20 Jahren letztmals durchforstet. «Auch das letzte Mal gab es viele Reklamationen, aber in zwei Jahren wird man von diesem Eingriff nichts mehr sehen», ist der Kreisförster sicher.

Er habe Verständnis für die Meinungsäusserungen besorgter Menschen. «Ich finde es gut, dass die Leute reagieren. Es zeigt, dass ihnen etwas an ihrem Lebensraum gelegen ist.» Er habe auch positive Reaktionen erhalten.

«Begrüsst wurde, dass nun mehr Licht einfällt. Man sieht die Aare wieder. Vorher war es eher dunkel.» Auch die anderen Bäume würden profitieren vom zusätzlichen Licht. Sträucher hätten wieder eine Chance, zu wachsen.

«Es ist eigentlich eine normale Durchforstung», so Misteli, der nach etlichen Reklamationen selber nochmals vor Ort ging und sagt: «Ich hatte nach der Besichtigung ein gutes Gefühl. Das kommt gut.»

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