Selzach
«Der Gemeindepräsident ist nicht der Monarch, er soll der Teamleiter sein»

Die CVP schickt Schulleiter Hans-Peter Hadorn ins Rennen um das Gemeindepräsidium. Seiner Tätigkeit als Lehrer verdankt er seinen Bekanntheitsgrad in Selzach. Falls Hadorn gewählt wird, möchte er Begegnungsorte für Gross und Klein schaffen.

Urs Byland
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Hans-Peter Hadorn würde bei einer Wahl die Schulleitung an einem Standort aufgeben. Im Hintergrund das Schulhaus Selzach.

Hans-Peter Hadorn würde bei einer Wahl die Schulleitung an einem Standort aufgeben. Im Hintergrund das Schulhaus Selzach.

Hanspeter Bärtschi

Das heisse Eisen der CVP im Kampf ums Gemeindepräsidium ist Hans-Peter Hadorn. Er hat es nicht ganz geschafft, in Selzach geboren zu werden. Aber 1966, zwei Jahre nach seiner Geburt, kauften seine Eltern am Forstweg ein Haus.

Nach dem Lehrerseminar verliess er Selzach für ein Jahr nach Zuchwil. Ansonsten ist er Selzach treu geblieben und hat dort eine Familie gegründet. Heute ist er Schulleiter mit jeweils einem 50-Prozent-Pensum in Selzach und in Lommiswil.

Zur Person

Hans-Peter Hadorn (1964), absolvierte die Primarlehrer-Ausbildung und ist Lehrer sowie Schulleiter in Selzach und Lommiswil. 1987 heiratete er Lilo. Gemeinsam haben sie zwei Kinder aufgezogen. 1994 bis 2001 präsidierte er die Vormundschaftsbehörde und Sozialhilfekommission Selzach. Er war Mitglied der Arbeitsgruppe Schulhaus III und Turnhalle; Zusammenarbeit in schulischen Belangen mit Gemeinderat, Umweltkommission, Forstbetrieb Leberberg und Vereinen. (uby)

Hans-Peter Hadorn kommt aus einer politischen Familie. Sein jüngerer Bruder Philipp hatte sich für die SP entschieden und wurde in den Nationalrat gewählt. Hans-Peter Hadorn ist nicht einer, der vom Gemeinderatssitz aus das Gemeindepräsidium anpeilt. «Es gibt auch andere politische Erfahrungen», sagt er aus Überzeugung. Damit spricht er sein Engagement in der Vormundschaftsbehörde und Sozialhilfekommission an, für das er 1994 angefragt wurde, und die er bis 2000 präsidierte.

«Ich habe auch schon gesagt: Dort lernte ich lesen.» Der schriftliche Verkehr sei immens gewesen, und die Dokumente habe er genaustens durchackern müssen. Die Thematik sei völlig neu für ihn gewesen. Er las nicht nur das Zivilgesetzbuch und das Obligationenrecht, er lernte, auch mit Druck umzugehen. Konflikte trage er heute aus und lasse diese nicht schwelen. Er arbeite team- und lösungsorientiert. «Aber ich kann auch entscheiden, wenn es sein muss.» Das sei aber meist nur zweite oder dritte Wahl, schiebt er hinterher.

Als Lehrer im Dorf bekannt

Ein anderes «politisches» Engagement sei seine Tätigkeit als Schulleiter. «Das kann nicht getrennt werden von der Politik. Ich war an unzähligen Sitzungen im Gemeinderat, als Zuhörer, aber auch als Referent.» In Selzach führt er zusammen mit dem Standortschulleiter Christoph Goldenberger eine Schule mit 280 Kindern und 30 Lehrkräften. Seit einem Jahr leitet er auch die Schule Lommiswil.

Seiner Tätigkeit als Lehrer verdanke er auch seinen Bekanntheitsgrad in Selzach. «Mich kennen die Selzacher, deren Kinder in den letzten 25 Jahren von mir unterrichtet wurden.» Hadorn gibt heute noch einige Stunden Werken-Unterricht, wo der Flugzeug-Modellbauer mit seinen Schülerinnen und Schülern ambitionierte Werkstücke fabriziert.

Typisch für einen CVPler haben für ihn Familie und das Christsein einen hohen Stellenwert. Stolz ist er auf seine Kinder. Er belegt dies nicht nur mit Worten, sondern auch mit glänzenden Augen, wenn er von der Familie spricht. Der Sohn studiert Theologie und die Tochter begleitet er als deren grösster Fan an den Wochenenden an Konzerte. Die Pflegefachfrau singt und Hans-Peter Hadorn besorgt die Technik. Und das «C» in der Parteibezeichnung kommentiert er mit: «Der christliche Glaube hat einen Stellenwert in meinem Leben.»

Schon mit dem Gedanken gespielt

Er sei vom Gemeindepräsidenten Viktor Stüdeli und vom Alt-Bürgergemeindepräsidenten Werner Klausner (beide CVP) angefragt worden, ob er nicht fürs Gemeindepräsidium kandidieren wolle. Während von den beiden anderen Kandidaten fürs Gemeindepräsidium schon länger klar war, dass sie antreten würden, «wurde die Kandidatur bei mir erst im letzten Dezember Tatsache».

«Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, weil ich gerne mitgestalten will. Ich bin lieber der Gleisbauer als der Lokführer.» Zudem sagte sein Kronfavorit, Gemeinderat Thomas Studer ab. «Ich habe mir gedacht, diese Ausmarchung erträgt auch noch einen dritten Kandidaten.»

Selber nicht initiativ geworden sei er, weil er erst vor einem Jahr auch die Schulleitung in Lommiswil übernommen hatte. Mit dem Gesamtschulleiter habe er bereits einige Szenarien bei einer Wahl ausgearbeitet. «Werde ich zum Gemeindepräsidenten gewählt, werde ich einen der beiden Standorte aufgeben und nur noch in der Schule eines Dorfes als Schulleiter und Lehrer arbeiten.» Und wichtig ist Hadorn der Hinweis, dass er bei einer Wahl nicht die Gemeinde im Vorstand des Schulkreises vertreten werde.

Begegnungsorte schaffen

Der 49-Jährige kann bei einer Wahl vom Alter her betrachtet auf drei Legislaturen hoffen. «In zwölf Jahren kann man etwas aufbauen und konsolidieren.» Zu seinen wichtigen Themen gehöre natürlich die Schule. «Mir ist es auch ein Anliegen, in Selzach Begegnungsorte zu schaffen, die von Gross und Klein besucht werden. Und auch die «super Finanzsituation» in Selzach beschäftigt ihn.

«Wir dürfen nicht übermütig werden. Andererseits müssen wir auf unsere Infrastruktur achtgeben.» Aber Wahlversprechen werde es von ihm nicht geben. «Ich werde im Gemeinderat den Konsens suchen. Der Gemeindepräsident ist nicht der Monarch, er soll der Teamleiter sein.»