Bei Herzstillstand
Der Defibrillator sagt, was zu tun ist

Wie soll man reagieren, wenn jemand einen Herzstillstand erleidet? Und wie benutzt man überhaupt einen Defibrillator? Zwei Subinger Samariterinnen zeigen vor, wie ein Defibrillator angewendet werden sollte.

Rahel Meier
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Eine Person beginnt mit der Beatmung und der Massage, die zweite Person packt den Defibrillator aus
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Herz-Lungen-Massage muss gelernt sein
Schock auslösen, der Defibrillator sagt genau, was zu tun ist
Es sollte konzentriert und Hand in Hand gearbeitet werden
So wird der Defibrillator benutzt
Die Elektroden werden so befestigt, dass die Herz-Lungen-Massage daneben möglich ist
Die beiden Samariterinnen Esther Lüthi (links) und Pia Rudolf von Rohr. Pia Rudolf von Rohr
Auf den Elektroden ist genau aufgezeichnet, wo und wie sie platziert werden müssen

Eine Person beginnt mit der Beatmung und der Massage, die zweite Person packt den Defibrillator aus

Hanspeter Bärtschi

Ein Defibrillator kann Leben retten. Die Diskussion um die Anschaffung und die Platzierung von Defibrillatoren hat in den letzten Jahren zugenommen. Nicht zuletzt auch, weil einige Solothurner Politiker mit Herzproblemen zusammenbrachen und dank schnellem und richtigem Einsatz überlebt haben. Immer mehr Gemeinden schaffen solche Geräte an und platzieren sie an öffentlichen Plätzen, wo sie im Notfall zur Verfügung stehen.

Aber wie genau benutzt man einen Defibrillator? Diese Zeitung wollte es wissen und hat eine Redaktorin losgeschickt. Eine Redaktorin, die sich, wenn sie ganz ehrlich ist, kaum mehr an das Wissen aus dem Nothelferkurs erinnern kann - weil es doch schon eine ganze Weile her ist, dass der Kurs besucht wurde. Abgesehen davon, dass es zu dieser Zeit noch keine Defibrillatoren gab. In der Mehrzweckhalle in Subingen warten Pia Rudolf von Rohr, Esther Lüthi (technische Leiterinnen Samariterverein Subingen), Heidi Engetschwiler (Präsidentin) und Anna. Anna ist die Puppe, an der geübt wird. Der Defibrillator des Samaritervereins Subingen ist ein Übungsgerät, das genau so funktioniert, wie jeder automatisierte externe Defibrillator (AED). «Defi» nennen die Samariterinnen den Apparat.

Teamwork nötig: Es brauch beides

Die Defibrillation ist eine Behandlungsmethode gegen die lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen Kammerflimmern und Kammerflattern, bei der durch starke Stromstösse die normale Herzaktivität wiederhergestellt werden soll. Das verwendete Gerät nennt man Defibrillator.

Ein Defibrillator kann durch gezielte Stromstösse Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern und Kammerflattern (Defibrillation) oder ventrikuläre Tachykardien, Vorhofflimmern und Vorhofflattern (Kardioversion) beenden. In 85 Prozent aller plötzlichen Herztode liegt anfangs ein sogenanntes Kammerflimmern vor. Ein Defibrillator kann dieses unterbrechen.

Entscheidend bei der Defibrillation ist der frühestmögliche Einsatz, da die durch das Kammerflimmern hervorgerufene Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff binnen kurzer Zeit zu massiven neurologischen Defiziten führen kann. Aus diesem Grund werden auch im öffentlichen Raum immer mehr automatisierte externe Defibrillatoren (AED) platziert. Der erfolgreiche Einsatz eines AED steht und fällt mit der richtigen Durchführung der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Der AED ist nur eine Ergänzung, kein Ersatz.

Unter einer Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) oder im Englischen cardiopulmonary resuscitation (CPR), vereinfacht auch oft Wiederbelebung oder Reanimation genannt, versteht man das Durchführen von Massnahmen, die einen Atem- und Kreislaufstillstand beenden sollen. Das CPR beinhaltet die Beatmung des Patienten und die Durchführung einer Herzdruckmassage. (rm).

Quelle: Wikipedia

Kinderleicht zu bedienen

Und jetzt? die beiden technischen Leiterinnen machen es vor, wie sie dies auch an einem Nothilfekurs machen. Anna liegt am Boden, reglos und ist nicht ansprechbar. Pia Rudolf von Rohr stellt schnell fest, dass ein Herzstillstand vorliegen könnte und ruft Hilfe. Esther Lüthi, die zufällig vorbeikommt, reagiert sofort. Sie alarmiert eine Ambulanz und sucht einen Defibrillator. Anna hat Glück gehabt. Esther Lüthi kommt mit einem Defibrillator zurück und bald ist Anna gerettet.

Der «Defi» ist tatsächlich kinderleicht zu bedienen. Das Gerät spricht nämlich. Hat man es ausgepackt und die On-Taste gedrückt, rattert es los. «Nehmen sie die Elektroden aus der Verpackung auf der Rückseite des Gerätes. Elektroden wie abgebildet auf den entblössten Brustkorb des Patienten kleben. Den Patienten nicht berühren. Schock empfohlen. Es wird geladen. Vom Patienten zurücktreten. Drücken sie die blinkende Schocktaste. Schock eins abgegeben. Sie können den Patienten jetzt gefahrlos berühren. Beginnen sie mit der Herz-Lungen-Massage.»

Herz wieder zum Schlagen bringen

Moment. Was war das? Herz-Lungen-Massage? Aha. Ganz so einfach ist es also doch nicht. Das bestätigen auch die beiden technischen Leiterinnen des Samaritervereins Subingen. Nur der Defibrillator alleine kann keine Leben retten. Der Einsatz eines Defibrillators sei in den ersten zehn Minuten sinnvoll. Wenn das Herz nicht mehr richtig schlägt, aber noch Impulse abgibt. Der Defibrillator kann dies via die angebrachten Elektroden messen und dann entscheidet das Gerät, ob es Sinn macht mit einem Stromstoss einen Impuls zu geben. Gleichzeitig sollte eine Herz-Lungen-Massage erfolgen. Beides zusammen kann das Kammerflimmern, das in den meisten solchen Fällen vorliegt, unterbrechen und das Herz wieder zum Schlagen bringen.

Das Fazit aus der Demonstration und dem selbst Anwenden des Gerätes? Vor dem Gebrauch eines Defibrillators braucht sich niemand zu fürchten. Auch ein Laie kann das Gerät benützen und muss nicht befürchten, einer Person in Not zu schaden. Um bei einem Notfall wirklich helfen zu können, muss man aber ganz klar mehr wissen und können. Dazu gehört vor allem das richtige Anwenden der Herz-Lungen-Massage. Aber auch anderes: So sollte man einen Defibrillator nie an einer Person anwenden, die im Nassen liegt. Piercings, Schmuck, Nikotinpflaster oder Hormonpflaster machen ebenfalls Probleme. Ein Defibrillator alleine rettet also doch keine Leben.