Aeschi
Der Burgäschisee hat 54 Eigentümer

Der Burgäschisee ist in Privatbesitz und gehört mehr als 50 verschiedenen Parteien. Dazu gehören nicht nur Privatleute, sondern auch Institutionen wie etwa Vogelschutzvereine, die Vogelwarte Sempach oder Pro Natura.

Rahel Meier
Merken
Drucken
Teilen
Der Burgäschisee: Beliebtes Naherholungsgebiet und an schönen Tagen von Erholungssuchenden aus dem ganzen Mittelland besucht.

Der Burgäschisee: Beliebtes Naherholungsgebiet und an schönen Tagen von Erholungssuchenden aus dem ganzen Mittelland besucht.

Rahel Meier

Vielen ist der Burgäschisee als Naherholungsgebiet bekannt. Im Sommer lockt die Badi, es gibt einen Bootsverleih und schöne Spazierwege, die rund um den See führen. Beliebt ist der See auch bei den Fischern wegen der Hechte.

Weniger bekannt sind andere Details. Der Burgäschisee ist mit einer Fläche von 20,65 Hektaren der grösste im Kanton Solothurn. Er liegt zu zwei Dritteln im Solothurnischen und zu einem Drittel im Kanton Bern. Ungewöhnlich ist seine Tiefe von 31 Metern. Bekannt ist auch, dass das Seeufer bereits im Jung- und Spätneolithikum, zirka 4000 vor Christus, besiedelt war.

See ist in Privatbesitz

Der Berner Teil des Sees gehört einer einzigen Partei: der Gemeinde Seeberg. Auf der Solothurner Seite sind die Besitzverhältnisse komplizierter. Früher gehörte der See dem Kloster St. Peter (Schwarzwald). Das Kloster gab den See zu Lehen (Pacht) an acht einheimische Familien. Daraus ergaben sich mit der Zeit ungeschriebene Eigentumsrechte für diese Familien.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden erste Eigentumsrechte im Grundbuch eingetragen. Der See wird heute noch in acht Parzellen eingeteilt. Weil die Seerechte vererbt, verkauft oder verschenkt werden können, wurden einzelne Anteile immer kleiner. Momentan hat der See 54 Besitzer. Dazu gehören nicht nur Privatleute, sondern auch Institutionen wie etwa Vogelschutzvereine, die Vogelwarte Sempach oder Pro Natura.

Fast alle Seerechtsbesitzer sind im Burgseeverein organisiert. Präsident des Vereins ist Daniel Luterbacher. Er wohnt direkt am See und ist seit seiner Kindheit mit dem Gewässer verbunden. Einwohner- und Bürgergemeinde Aeschi haben zurzeit kein Seerecht.

Es sind aber Bestrebungen im Gange, dass sie eines erhalten. «Als Verein sind wir daran interessiert, dass die Gemeinden ein Seerecht haben», so Luterbacher. Denn auch der Burgseeverein kämpft mit der Überalterung. «Man darf natürlich auch fragen, ob es den Verein überhaupt noch braucht», so Luterbacher. «Aber der See und seine Umgebung wären ohne Burgseeverein nicht das, wie sie jetzt sind. Das können wir sicher mit Stolz
verkünden.»

Gegründet wurde der Verein während des Zweiten Weltkrieges, als der Seespiegel zwei Meter abgesenkt wurde, um Anbaufläche zu gewinnen. Man hatte damals Angst, dass der See bei der ganzen Modernisierung geopfert wird, und wollte das Restliche noch so gut als möglich bewahren, weiss Luterbacher. Diesen Mai findet die 75. Generalversammlung statt.

Besitzer pflegen Seeumgebung

Wer ein Seerecht besitzt, hat keine Privilegien. Im Gegenteil: Laut Statuten des Burgseevereins sind die Mitglieder dazu aufgefordert, Ufer und Umgebung in ihrer natürlichen Beschaffenheit zu schützen sowie Flora und Fauna zu erhalten. Verunreinigungen sind zu bekämpfen. Jeden Frühling ruft der Burgseeverein zu einem Arbeitstag auf. So wurden letzte Woche die Wege rund um den See wieder instand gestellt.

Daniel Luterbacher spürt den Druck auf das Naherholungsgebiet entlang dem See. «Es kommen immer mehr Menschen hierher.» Ganz bewusst sind die Freizeitnutzungen im westlichen Teil des Sees angesiedelt. Im Osten wird der Natur mehr Platz gegeben. «In den letzten Jahren wurden zudem viele Spazierwege einige Meter vom Seeufer zurückversetzt. So haben die Vögel mehr Ruhe beim Brüten.»

Vorsichtig beobachtet wird zudem die neue Trendsportart Sportfischen. Gerade Hechte und Welse würden oft nur gefischt, damit man mit ihnen posieren und sich fotografieren lassen könne, so Luterbacher. Dabei hat der Burgseeverein nichts gegen Fischer. Im Gegenteil, der Verein verkauft die Patente. Der Erlös fliesst in seine Kasse. Das Geld wird wiederum für die Pflege der Umgebung des Sees sowie die Fischerstege eingesetzt.

Gefischt werden laut Luterbacher neben Hecht und Wels, Weissfisch und Egli. Fischen darf man auf dem ganzen See. Der Burgseeverein hat die Berner Seite gepachtet. «Es gab Zeiten, da war ein Draht quer über den See gespannt. Und auf der Berner Seite durfte man nicht Boot fahren», erinnert sich Luterbacher an Geschichten, die ihm sein Vater erzählte. «Heute spürt man kaum mehr etwas von diesen Grenzen. Wir arbeiten sehr gut zusammen.»