«Im Winter heckt man Ideen für den Sommer aus. Manche funktionieren, andere weniger.» Diesen Sommer funktionierte alles. Da sei es ihm etwas gar viel geworden: Bucheggberger Markt, Film-Open-Air, «Buur on Tour», Chästag und die «Betriebsbremse», so Landwirt Andre Ziegler. Emilia heisst sie und ist ein halbes Jahr alt. Natürlich dreht sich aktuell bei Vater und Mutter Nicole Stuber, die Teilzeit als Sozialpädagogin im «Blumenhaus» arbeitet, alles um das Kleinkind.

Sie sind nicht allein. Auf dem Zieglerhof in Brunnenthal (Gemeinde Messen) leben noch die Eltern und die Grosseltern von Andre Ziegler sowie Schwester Stefanie. Sie ist bei ihrem Bruder angestellt und besorgt die Pferdepension sowie die Zucht von mongolischen Pferden.

Früchte- und Obstproduzent Andre Ziegler hält sich nicht zurück: «Hätte meine Mutter nicht 1996 die Direktvermarktung eingeführt, ich wäre nicht Landwirt geworden.» Sie war die Pionierin auf dem Hof und stellte die Produktion um auf Obst- und Früchteproduktion und Direktvermarktung. Am Anfang seiner Karriere stand aber der Misserfolg bei der Prüfung für die Kunstgewerbeschule. Wie so viele junge Bucheggberger wollte er hinaus in die weite Welt. Danach war sein Widerstand gebrochen. «Heute möchte ich nichts anderes.»

Hörner schon abgestossen?

Der jugendlich wirkende Bauer hat seine Hörner längst abgestossen. 2009 übernahm er als 23-Jähriger den elterlichen Hof. Nach der Landwirtschaftsschule am Wallierhof und dem Militär folgte die naturwissenschaftliche Berufsmatur am Inforama im bernischen Rütti. Er studierte gar noch ein Jahr an der Höheren Fachschule, ebenfalls in Rütti. Dann hatte er genug. «Ich habe so viele Ideen, die ich nicht sein lassen konnte. Das ging nicht nebenher.» Da der Betrieb zu klein war, um im Ertragswert übernommen werden zu können, wurde ein Pferdestall als zweites Standbein gebaut. «Später wäre möglicherweise eine Betriebsübernahme und Erweiterung nicht mehr möglich gewesen.» An der Lehrabschlussfeier habe er eine Rede gehalten und den anderen Jungbauern Mut gemacht, einen Hof zu übernehmen, erinnert er sich. «Man muss einfach probieren, sagte ich.»

Er hatte glücklicherweise noch die Familie, die ihm den Einstieg abfederte. Frisch ab der Presse, habe er sich gefühlt, gut ausgebildet, sogar mit Berufsmatur. «Ich dachte, jetzt kann ich es, ich weiss, wie es läuft. Aber es musste viel kaputt gehen, bis ich merkte, dass auch Erfahrung einen gewissen Stellenwert in der Landwirtschaft hat.» Und die kann er gebrauchen, wenn er Kirschen, Aprikosen, Zwetschgen, Pflaumen, Birnen, Äpfel, Pfirsiche heranzieht.

Oberster Bauer im Bezirk

Sein Hof im südlichsten Dorf vom Kanton liegt hart an der Berner Grenze. Etwas Land hat er gar ennet der Grenze, aber die meisten Handelsbeziehungen gingen in den Bucheggberg, beteuert er. Man nimmt es ihm ab, auch weil der heute 28 Jahre alte Früchtebauer Präsident des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins Bucheggberg ist. Bei politischen Fragen ist er nicht verlegen um eine Meinung, die er auch gerne direkt formuliert. «Es ist heute nicht attraktiv zu bauern. Im Durchschnitt verdient der Bauer zwischen 8 und 16 Franken in der Stunde und arbeitet mehr als 55 Stunden die Woche. Warum soll da ein Junger Landwirt lernen?», kommentiert er die Nachwuchsprobleme im Bauerngewerbe. «Bei den heutigen Tiefpreisen für unsere Produkte muss man bald darauf schauen, dass man mit möglichst wenig Aufwand möglichst viele Direktzahlungen erhält. Das ist natürlich überspitzt gesagt, aber es ist so.»

Trotz Direktzahlungen, die heute grösstenteils aufgrund der Fläche ausbezahlt werden, ist Andre Ziegler marktwirtschaftlich orientiert. «Angebot und Nachfrage. Jede Ware hat ihren Preis und der wird vom Markt bestimmt, auch wenn man manchmal mehr haben möchte.» Auf dem Bucheggberger Märit, der wöchentlich am Donnerstag auf dem Kreuzackerplatz stattfindet, funktioniere der Markt. Die Laufkundschaft ist beim Provisorium gross und der Ertrag höher als auf dem Rossmarktplatz. Andre Ziegler weiss aber nicht so recht. «Der Märit wurde ja seinerzeit ins Leben gerufen, um die Solothurner Vorstadt zu beleben.

Der umgebaute Rossmarktplatz wird schön und wirkt heimeliger.» Am Provisorium würden die Leute vielleicht einmal kommen, «dann hat es sich», aber auf dem Rossmarktplatz habe sich eine grosse Stammkundschaft gebildet. «Ich habe das Gefühl, das ist fast wertvoller.» Aber noch sei nichts entschieden, da hätten die anderen Standbetreiber auch noch mitzureden.