Schloss Waldegg

Der Barockgarten braucht regelmässige und besondere Pflege

Gärtner Markus Hirschi hat nicht irgendeinen Garten zu betreuen. Die Barockanlage von Schloss Waldegg könnte aber «jeder Gärtner» pflegen, macht Hirschi etwas gar in Untertreibung. Wir schauten ihm über die Schultern.

Es ist warm und ruhig an diesem Donnerstagmorgen. Hie und da hört man Gelächter, das Scheppern eines Rechens oder ein leises Motorengeräusch. Wir betreten die Treppe vor dem schmiedeisernen Tor. Eine Eidechse zeigt sich für wenige Sekunden unseren Blicken, bevor sie flink in einem Loch in der Treppenstufe verschwindet. Mit einem Schlüssel, der der romantischen Vorstellung eines Schlosstor-Schlüssels recht nahe kommt, öffnet Markus Hirschi das Tor und wir betreten sein «Highlight» – die Südterrasse von Schloss Waldegg.

Hilfe durch Gefängnisinsassen

Seit 21 Jahren ist der Gärtner für die Flora rund um das Barockschloss zuständig. Jahr für Jahr sorgt er dafür, dass die Eiben ihre markanten geometrischen Formen behalten, dass zwischen dem Grün der Sträucher bunte Blüten zu sehen sind, dass der Rasen gemäht, das Unkraut gejätet und das Laub zusammengerecht wird.

Spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten brauche man nicht, um einen Schlossgarten zu pflegen, so Hirschi. «Das kann jeder, der eine Gärtnerausbildung hat.» Er selbst erhält seine Unterstützung gar von ungelernter Seite: Hirschi arbeitet im Gartenbau der Justizvollzugsanstalt Schöngrün. Die sechs bis acht Personen, mit denen er ab April, wenn die Saison beginnt, rund alle zwei Wochen den Schlossgarten immer wieder neu auf Vordermann bringt, sind Gefängnisinsassen.

Hier ist Handarbeit gefragt

Der Rundgang durch den Garten zeigt: Hier geht die Arbeit nie aus. Verglichen mit anderen Schlossgärten wirkt dieser zwar auf den ersten Blick nicht gross. «Aber es gibt viel zu tun. Vor allem viel Handarbeit.» Hirschi gefällt das. «Mir liegt der Schlossgarten wirklich am Herzen.» Alleine das ganz im Sinne des Barock symmetrisch angelegte Kernstück – die Südterrasse – erfordert viel Pflege. «Der Rasen muss von Norden nach Süden gemäht werden», damit die Spuren von oben gesehen regelmässig erscheinen.

Der Buchs, der die drei- und viereckigen Rasenstücke umrandet, will regelmässig geschnitten werden. Bei 600 Laufmetern ein ziemliches Stück Arbeit. Und für die Bepflanzung der vom Buchs eingefassten Beete hat Hirschi gar Pläne parat. Damit die blühenden Pflanzen – deren Blütezeit und Farben sorgfältig aufeinander abgestimmt sind – die wechselnden Jahreszeiten überstehen, arbeiten die Gärtner saisongerecht. «Jeden Frühling werden die Winter- durch Sommerpflanzen ausgetauscht», erklärt Hirschi. Eine Arbeit, die rund drei Tage in Anspruch nehme und im Herbst in umgekehrter Reihenfolge wiederholt wird. Der Zufall hat hier nicht viel zu melden.

Efeu schmückt und stützt

Andernorts hat die Natur mehr Spielraum, etwa in Form der Wildhecke, die sich an der Südmauer westlich des Tors befindet und aus verschiedenen Sträuchern besteht. «Hier achten wir zum Beispiel drauf, welche Beeren die Vögel brauchen.» Auf der anderen Seite der Mauer sammeln fleissige Bienen den süssen Nektar der zierlichen Orangenbäumchen. An diesen hängen reife Früchte, nicht grösser als Pingpongbälle. Schön anzusehen, auch essbar, aber «mein Geschmack sind sie nicht», wie der Gärtner lachend sagt.

Damit die Bäumchen den Winter überstehen, verbringen sie diesen in einem Gewächshaus, erklärt der Gärtner. Umrahmt wird die Orangerie von Efeu, der ganze Wände in Beschlag genommen hat und einmal im Jahr zurückgeschnitten werden muss. Der Efeu soll erhalten werden, nicht nur zum Schmuck, denn die Wurzeln halten die Mauer zusammen, an der sie wachsen. Eine Erfahrung, die man aus dem Abholzen eines Mammutbaums gesammelt habe: Dessen Wurzeln hatten eine Mauer durchwachsen, welche nach Fällen des Baumriesen kurzerhand zusammengebrochen sei.

Hirschi ist der Schlossgarten sichtlich ans Herz gewachsen. Die Komplimente, die er immer wieder höre, seien entsprechend motivierend. Mit der Schliessung der offenen Anstalt Schöngrün Ende Jahr muss Hirschi die Arbeit hier aber nicht aufgeben. «Wir behalten weiterhin die Verantwortung für den Garten.» Der Gartenbau wird ab 2015 in die «Perspektive» Region Solothurn-Grenchen übersiedeln. Diese unterstützt Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht regelmässig einer Beschäftigung nachgehen können, unter anderem durch Arbeitseinsätze. «Schlossgartenherr» Hirschi darf damit weiterhin hier walten und darauf achten, dass die Eiben auf der Südterrasse «in Form bleiben».

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