Balmberg
Der Balmberg erwacht aus seinem Dornrösschenschlaf

Auf dem Balmberg scheint alles glatt zu gehen: Die Skilifte laufen, der Seilpark bringt im Sommer frischen Schwung und das Kurhaus ist aus seinem Dornröschenschlaf aufgewacht. Lediglich das Asylheim bereitet den Anwohnern sorgen.

Sven Altermatt
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Immer den Berg hinauf
15 Bilder
Zwischen Erde und Himmel
Der Skilift - auf dem Balmberg ein Ort der Stille
Teller greifen und zwischen die Beine klemmen
Heidi Kurth arbeitet seit 50 Jahren im Kassenhäuschen
Das Kurhaus im Winterzauber
Andrea Baronetti (l.) und Franceso Boccia sind die neuen Wirte im Kurhaus.
Die Tageskarte im Kurhaus
Einmal bestellen, bitte
Ernst Küpfer ist ein leidenschaftlicher Stammtisch-Debattierer
Franceso Boccia bereitet das Mittagessen vor
Ein Pfahl zwischen zwei Welten - das Kurhaus (l.) und das Asylheim
Ein Sonnenbad gefällig?
Eine geräumte Strasse - so muss es sein
Der Balmberg erwacht aus seinem Dornrösschenschlaf

Immer den Berg hinauf

Hanspeter Bärtschi

Der Schnee ist da, die Sonne strahlt, das Mittelland versteckt sich unter einer dicken Nebeldecke. Und: Im Kurhaus brennen die Lichter. Tatsächlich, seit zwei Wochen wird auf dem Oberen Balmberg wieder gewirtet: Der Hotelfachmann Andrea Baronetti (51) und der Koch Franceso Boccia (56) haben das ehrwürdige Restaurant gepachtet.

Kehrt nun endlich wieder Leben ein? Der Empfang jedenfalls ist warm. «Wir sind Brüder im Herzen», sagt Baronetti mit breitem Grinsen. Boccia nickt - «Ma certo!», gewiss - und klopft seinem Kumpel auf die Schulter. Die beiden Italiener pflegen die hübsche Attitüde, über sich selbst in der dritten Person («Andrea macht das immer so», sagt Andrea Baronetti) zu sprechen.

Damit lassen sie verstehen: Uns darf man nichts übel nehmen. Seit 30 Jahren tingeln die Freunde durch hiesige Gaststuben. Mal leiten sie eine Berghütte auf der Lenzerheide; mal schippern sie im Bordrestaurant eines Dampfers über den Rhein. Und auch auf dem Balmberg sind sie keine Unbekannten.

«Uns hats gefallen»

Bereits vor fünf Jahren führten Boccia und Baronetti einen Winter lang das Kurhaus. «Uns hats gefallen, das Restaurant lief gut», sagt Boccia. Doch die Idee, aus dem Haus einen Wellnesstempel zu machen, scheiterte grandios.

Die Besitzergesellschaft ging Pleite - nach zwei Dutzend Pächterwechsel in 30 Jahren. Ein paar Mal wurde die Gaststube noch von Caterern genutzt, in der letzten Saison blieben die roten Fensterläden gleich ganz zugesperrt. Nun wirken also wieder Baronetti und Boccia im Kurhaus, das seit drei Jahren einer Aargauer Immobilienfirma gehört. Auf der Karte stehen die üblichen Verdächtigen: «Schnipo» oder Käseschnitte etwa. Es wird aber auch italienisch gekocht.

Der Skilift läuft

Draussen rattern sanft die Motoren der Skilifte, das Postauto bringt zwei Spaziergänger auf den Berg und am Kinderlift erklärt eine Mutter ihrem Sohn zum dritten Mal, wie er in die Skibindung schlüpft. Ein Winter-Disneyland?

Eher ein Ort zenartiger Ruhe, obwohl vor allem Kinder auf den Pisten herumkurven. Auch drinnen im Kurhaus herrscht am Vormittag unseres Besuchs kaum Betrieb: Viele Familien hätten für die Sportferien wohl bereits andere Pläne geschmiedet, wird Skilift-Frau Heidi Kurth später erklären.

Sie fiebert lieber dem Nachtskifahren entgegen. Was das Kurhaus angeht: «Wir konnten schon einige hervorragende Tage verbuchen», blickt Andrea Baronetti auf die ersten Wochen zurück.

Stolz präsentiert er den Dankesbrief einer Firma, die hier einen Seminarraum gemietet hat. «Sehen Sie», meint der Wirt, «auch dieses Standbein bringen wir wieder zum Laufen.» Die Stimmung ist enthusiastisch, ein wenig dominiert das Gefühl von Aufbruch.

Ein gemütlicher Stammtisch

Aus den Boxen im Gastraum dröhnt Italo-Pop, das Bastkörbchen auf dem Ecktisch beim alten Kachelofen ist mit Croissants gefüllt. Hier treffen drei Menschen aufeinander, die den Balmberg seit Jahren prägen: der Bauer und Schneepflüger Toni Niederberger, sein Kollege Ernst Küpfer und Heidi Kurth, die auf 1058 Metern über Meer seit 50 Jahren Skibilette verkauft.

Kurth und die beiden Herren kennen sich seit langem, ihre Begegnung ist allerdings eher zufällig. Wie selbstverständlich setzen sie sich an den Ecktisch, der bereits wieder zum Stammtisch erklärt wurde; so, als wäre das Kurhaus nie geschlossen gewesen.

«Endlich kann ich hier wieder in Ruhe Käfele», sagt Küpfer. Kurth und Niederberger nicken mit ihren Köpfen im Chor. Ein paar Minuten in diesem Haus und man spürt: Der Balmberg bewegt die Menschen, die hier oben wohnen und arbeiten. Was sie verbindet? Die Liebe zu ihrem Berg natürlich.

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