Seilbahn Weissenstein AG
Den Aktionären der Seilbahn Weissenstein AG geht die Luft nicht aus

Die Gesellschaft genehmigt das dritte Jahr ohne ihre Einnahmequelle, der Seilbahn. Ein Entscheid im Rechtsstreit zwischen den «Sässeli»-Befürwortern und den Gegnern ist frühestens im Frühsommer zu erwarten.

Marco Zwahlen
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Urs Allemann als Präsident sowie der gesamte Verwaltungsrat kann auf die Rückendeckung der Aktionäre zählen.

Urs Allemann als Präsident sowie der gesamte Verwaltungsrat kann auf die Rückendeckung der Aktionäre zählen.

Hanspeter Bärtschi

Mit der Stilllegung der Sesselbahn Ende 2009 ist die Seilbahn Weissenstein AG (SWAG) ohne operative Tätigkeit und damit ohne Gewinn «tätig». «Es ist eine Binsenwahrheit, dass das früher oder später das Aus jeder Firma bedeutet», so Verwaltungsratspräsident Urs Allemann am Dienstag im Landhaus Solothurn vor den Aktionären. «Doch auch wenn wir uns weiter im Würgegriff des Schweizer Heimatschutzes befinden, müssen wir diesen enttäuschen. Uns geht die Luft nicht aus.» Diese Botschaft des Verwaltungsrates bestätigte die Aktionärsversammlung voll und ganz. Alle Anträge wurden einstimmig genehmigt.

Entscheid im Frühsommer

Auch das vergangene und das laufende Jahr prägt der Rechtsstreit gegen die «Sässeli»-Befürworter. Ende Januar 2012 genehmigte das Bundesamt für Verkehr die Pläne für den Gondelbahn-Neubau und damit den Abriss der alten Bahn. Einen Monat später führte der Heimatschutz Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Seither verzögert sich das Verfahren mit diversen Fristerstreckungen und Zwischenverfügungen. «Und nur damit das klar ist. An uns liegt es nicht. Wir haben nie eine Fristerstreckung beantragt», so Allemann. Dafür waren der Heimatschutz, aber auch diverse, am Verfahren beteiligte Bundesämter und eidgenössische Kommissionen verantwortlich. Am 20. Februar 2013 habe das Bundesverwaltungsgericht verfügt, das die Angelegenheit spruchreif sei. «Nun warten wir, was sie sprechen. Der Entscheid ist für Frühsommer in Aussicht gestellt.»

Lieferfrist: vier bis sechs Monate

Die SWAG rechnet klar mit der Genehmigung des Neubauprojekts. Vorausgesetzt, der Heimatschutz zieht die Plangenehmigung nicht ans Bundesgericht weiter, könne aber frühestens im Frühling 2014 mit dem Bau der Gondelbahn begonnen werden. In Betrieb gehen würde sie im Herbst 2014. Der Grund dafür ist simpel. «Wir müssen die neue Bahn zuerst bestellen», so Allemann. Lieferfrist: vier bis sechs Monate. Muss sich aber das Bundesgericht noch mit den Neubauplänen befassen, «dauert das Ganze ein Jahr länger».

Allemann verkniff sich eine «Justizschelte». Es könne aber nicht angehen, dass ein Verfahren nahezu beliebig verzögert werden könne. Er fordert die Politik auf, das Verbandsbeschwerderecht so abzuändern, dass gegebenenfalls ein Schaden zivilrechtlich eingefordert werden kann. «Heute sei dies nahezu aussichtslos.»

Zugriff auf Aktienkapital?

Im Landhaus anwesend waren 66 Aktionäre, die nahezu 93 Prozent des Aktienkapitals von insgesamt 12,22 Mio. Franken vertraten. Vizeverwaltungsratspräsident Rolf Studer musste im dritten Jahr ohne Bahn einen operativen Verlust von 145 524 Franken vermelden. Mit den Defiziten der bahnlosen Vorjahre genehmigten die Aktionäre einen Verlustvortrag auf die neue Rechnung von 451350 Franken. Studer wies darauf hin, dass die laufenden Kosten nur noch bis Ende Jahr über die getätigten Rückstellungen gedeckt werden können.

Ab dann müsse auf das Aktienkapital zurückgegriffen werden. «Darauf sind wir aber vorbereitet», so Studer. Für die neue Bahn sind per Ende Jahr Planungskosten von 1,146 Mio Franken aufgelaufen. Diese sind in der Bilanz aktiviert. Natürlich kostet der Rechtsstreit nicht nur Nerven, sondern auch viel Geld. Allein das Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht habe die SWAG nach Angaben des Vizeverwaltungsratspräsidenten bis heute gut 120 000 Franken gekostet.

Wie in den Vorjahren hat der Verwaltungsrat auch 2012 auf sein Honorar verzichtet. Die Aktionäre setzen mit der Wiederwahl des gesamten Verwaltungsrates für drei Jahre ein weiteres Zeichen. Neben Allemann und Studer sind Pirmin Bischof, Erich Egli, Beat Herzig und Yves Derendinger als Verwaltungsratsmitglieder bestätigt worden.

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