Roggwil

«D'Chauteli» steht wieder vor Veränderungen

Einigkeit bei der Eröffnung im Jahr 2011. Nun entliess Kunsthausbesitzer René Brogli das Ehepaar Belz.

Einigkeit bei der Eröffnung im Jahr 2011. Nun entliess Kunsthausbesitzer René Brogli das Ehepaar Belz.

Der Inhaber des Roggwiler Kunsthauses will ein neues Konzept für den Betrieb und hat den bisherigen Direktor entlassen.

Das Kunsthaus Kaltenherberg in Roggwil – im Volksmund «Chauteli» genannt – ändert seine Unternehmensstrategie. Einmal mehr, denn das Haus erlebte schon in den vergangenen Jahren unruhige Zeiten.

Ende Juli 2011 wurde der Restaurationsbetrieb, der für rund 2,5 Mio. Franken in ein Kunsthaus mit Bistro umgebaut wurde, wieder eröffnet. Dies nach unruhigen Zeiten, die in der Schliessung des damaligen Restaurationsbetriebs für einige Monate gipfelten.

Wie erst kürzlich bekannt wurde, trennte sich der Inhaber René Brogli, Besitzer der Bromer Immobilien AG mit Sitz im aargauischen Seon, wegen der Änderung der Unternehmensstrategie bereits im Februar vom Direktor des Kunsthauses Thomas Aurelius Belz. Dieser hatte am 1. Oktober 2011 die Leitung des Hauses übernommen. Überraschend kam die Kündigung insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Gattin des 53-jährigen Kurators, ausgebildete Betriebsökonomin, noch im Februar als dessen Assistentin unter Vertrag genommen wurde. Am 1. Juni hat Eva Kobel nun die Geschäftsführung des Kunsthauses übernommen. Ein junger Kurator mit kunstwissenschaftlichem Hintergrund ist zudem angestellt worden.

Inhaber René Brogli befand die Leitung von Thomas Belz als «zu akademisch». «Es hat einfach nicht gepasst», so Brogli. Dazu äussert sich Belz: «Wenn man allein die Beurteilung heranzieht, meine Ausrichtung sei ‹zu akademisch›, so darf ich an die Zusammenarbeit mit dem Kindergarten Roggwil erinnern – an die Ausstellung der jungen Künstlerinnen und Künstler und an die anschliessende Versteigerung zugunsten der SOS-Kinderdörfer. Auch zu meinen Vorträgen haben wir von unseren Gästen gänzlich anderslautende Rückmeldungen erhalten.» Thomas Belz kann zu den Abläufen seiner Kündigung nur den Kopf schütteln: «Der Aufbau eines Kunst- und Auktionshauses mit Museum, Eventforum, Gemäldegalerie und Restaurierungswerkstatt benötigt eine gewisse Anlaufzeit – nicht nur im Sinne des werbetechnischen Bekanntmachens. Vor allem gilt es, Vertrauen aufzubauen, was nur durch konstante und seriöse fachliche Arbeit möglich ist. Im hochpreisigen und internationalen Bereich kann es Jahre dauern, bis man als das wahrgenommen wird, was in einem Leitbild kurzerhand entworfen werden kann. Es lagen keine Fakten vor, die es gerechtfertigt hätten, bildlich gesprochen noch auf der Rollbahn den Start abzubrechen. Der Pilot erhielt lediglich die Nachricht, dass sich die Fluggesellschaft über die Destination nicht im Klaren sei.» Das Ganze sei aus seiner Sicht ein unnötiger und auch ein kostspieliger Vorgang gewesen. Wer immer das Steuer im Kunsthaus nun übernehme – das Haus in Roggwil hat ja bereits eine höchst wechselvolle Geschichte –, dem sei es zu gönnen, dass morgen noch gilt, was gestern vereinbart wurde, so Belz.

Der ehemalige Kunsthausdirektor, der heute in Hägglingen wohnt, hat Pläne für die Zukunft. «Ich habe eine langjährige Forschungsarbeit zum Abschluss gebracht und in Form eines Buches herausgegeben. Es handelt sich um die Geschichte des Keyboards (www.the-history-of-the-keyboard.com). Es ist eine allgemein verständlich geschriebene Erzählung, angefüllt mit Forschungsergebnissen. Derzeit sind wir an der Erstellung eines Dokumentarfilmes zu diesem kulturgeschichtlichen Thema.»

Kunsthausbesitzer René Brogli hat den Berner Werbeprofi Claudio Righetti mit der Realisierung einer PR-Kampagne beauftragt. Im November soll das neue Betriebskonzept, das auch Auswirkungen auf das Bistro haben wird, präsentiert werden. Klar ist, dass der Schwerpunkt des Roggwiler Kunsthauses wie bisher bei der Schweizer Bergmalerei liegt. «Ergänzt mit zeitgenössischer Kunst», so Brogli. Vorerst auf Eis gelegt sind das Restaurationsatelier für Möbel und die vorgesehenen Auktionen im Roggwiler Kunsthaus. «Wir haben mit anderen Kunsthäusern partnerschaftliche Beziehungen und können Bilder an die Auktionen dieser Häuser geben. Wir wollen uns jetzt voll auf den Betrieb konzentrieren», informiert Brogli.

Ab 2013 soll dann das neue Konzept umgesetzt werden. «Wir wollen und müssen uns anders aufstellen. Das Bistro läuft gut, es könnte aber besser laufen. Wir sind aber zuversichtlich und haben jetzt eine gute Mannschaft mit einem jungen Kurator, der gut vernetzt ist und mit seinen Ideen für Spektakel sorgen wird.» René Brogli ist zuversichtlich, dass das neue Konzept des Roggwiler Kunsthauses den erhofften Erfolg bringen wird.

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