Brand in Herbetswil
Dass die Tiere leiden, sieht man in ihren Augen

Tage nach dem Brand in einem grossen Stall in Herbetswil, bei dem etwa 40 Tiere ums Leben kamen, wird das Ausmass des Schadens noch deutlicher. Die teilweise verletzten Kühe kamen bei Nachbarställen unter.

Alois Winiger
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Eines der Tiere, das den Brand überlebte

Eines der Tiere, das den Brand überlebte

Alois Winiger

Ausser einem Schutthaufen ist vom stolzen, 80 Meter langen Stallgebäude am Wisweg in Herbetswil nichts mehr zu sehen. Ein Vollbrand zerstörte in der Nacht auf letzten Samstag Gebäude und Maschinen völlig und damit den Betrieb, den Jost Meier und Hans-Jürg Gerber weitgehend eigenhändig aufgebaut und 2005 in Betrieb genommen hatten.

Im Stall dieser Tierhaltegemeinschaft waren total 75 Kühe, Rinder und Kälber untergebracht. 18 Kühe und 16 Rinder konnten dem Inferno entkommen und sind auf drei Ställe in der Umgebung verteilt worden.

Kunststoffresten auf dem Rücken
Ein Augenschein in einem dieser drei Ställe zeigt es: Da liegen und stehen Kühe, die friedlich am Widerkäuen sind. Ihr Blick ist ungetrübt. Dies im Gegensatz zu jenen Tieren, die an Brandwunden leiden. Ihr Blick erscheint ängstlich, das duftende Heu im Futtertrog lassen sie liegen. Die Tiere haben Wunden, die auf den ersten Blick sichtbar sind. Bei der einen Kuh zum Beispiel ist das Fell nur noch an Kopf und Hals weiss und schwarz, bei Beinen und Körper ist es grau und dreckig braun. Bei einem anderen Tier stellt sich erst durch Betasten heraus, dass sich ein Teil des Rückens wie Leder anfasst. «Da wurden Fellhaare und Plastik miteinander verschmolzen», sagt Meier. Im Stall befanden sich vor dem Ausgang Schleusen aus beweglichen Plastikbahnen. «Die Kuh muss diese bei der Flucht nach draussen gestreift haben.»

Alexander Hänni ergänzt: «Das sind nur die äusseren Schäden. Die Konsequenzen in Bezug auf die Fruchtbarkeit sind noch nicht bekannt.» Was die Milchleistung angeht, so sei je nach dem mit Einschränkungen bis etwa einem Jahr zu rechnen. Man werde in den nächsten Tagen entscheiden müssen, was mit den Tieren geschehen soll.

Vor Tagen wäre es anders gewesen
Konnten denn die Tiere nicht selbstständig den Stall verlassen? «Vor fünf Tagen wäre es noch möglich gewesen», antwortet Meier, «denn da konnten sie auch nachts hinaus auf die Weide.» Aber diese sei nun abgegrast und so bleiben die Tiere nachts im Stall, der mit Schranken verschlossen wird. In der Brandnacht seien diese schon so schnell wie möglich geöffnet worden. «Aber da brannte es ja auch schon wie verrückt.» Meier nimmt an, dass jene Tiere die grössten Chancen hatten, die sich im Laufhof aufhielten, denn dort sind die Ausgänge.

Andere Tiere wurden auf ihren Liegeplätzen oder bei den Fressplätzen vom Feuer buchstäblich überrascht. Denn dieses hat sich laut vielen Augenzeugen rasend schnell ausgebreitet. Ebenfalls übereinstimmend meldeten Augenzeugen, dass es zuerst im östlichen Teil des 80 Meter langen Gebäudes gebrannt hat. Dort habe denn auch die Brandermittlung die Ursache gefunden, wie Jost Meier berichtet: Ein Kabeldefekt im Melkraum.

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