Oberdorf
Das Traditionsrestaurant «Engel» lädt zur Jubiläumsfeier ein

Schon seit 50 Jahren wirtet die Familie Bächler in Gasthof Engel in Oberdorf. Der Gasthof selbst hat eine noch längere Geschichte. Das Gebäude wurde schon im 15. Jahrhundert gebaut. Zum «Engel» umbenannt wurde es dann im 18. Jahrhundert.

Urs Byland
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Die Familie Baechler wirtet seit 50 Jahren im Engel Oberdorf. Von links Eveline Bächler Balli, Raphael Bächler, Bernadette Bächler-Kolly und Emerita Ryser-Bächler.

Die Familie Baechler wirtet seit 50 Jahren im Engel Oberdorf. Von links Eveline Bächler Balli, Raphael Bächler, Bernadette Bächler-Kolly und Emerita Ryser-Bächler.

Urs Byland

Gleich neben der bekannten Wallfahrtskirche Maria Oberdorf liegt der Gasthof Engel. Dieser wird bereits seit 50 Jahren von der Familie Bächler geführt. Das seltene Jubiläum wird am Monatsende gefeiert.

Der schöne Riegelbau, von Raphael Bächler nach der Übernahme 1964 vom Verputz befreit, hat ein markantes Untergeschoss mit einem grossen Tor zur Strasse. Darin befanden sich früher eine grosse Schmied- und Schlosserwerkstatt und Rossstallungen.

Nach dem langen Aufstieg von Solothurn über Langendorf eignete sich der «Engel» bestens zum Austausch der Pferde, bevor mit der Kutsche die Bergstrecke zum Weissenstein hoch in Angriff genommen wurde.

Damals verlief der Weg noch oberhalb der heutigen Strasse von Langendorf nach Oberdorf und macht kurz vor dem «Engel» einen Knick runter zum Rossstall. Die heutige Hauptverbindung zwischen Langendorf und Oberdorf entstand erst Anfang der 30er-Jahren im Rahmen eines Arbeitsbeschaffungsprogrammes während der Wirtschaftskrise. Erstmals erwähnt wurde das Gebäude, das im 18. Jahrhundert zum «Engel» unbenannt wurde, schon im 15. Jahrhundert.

Bruchbudeli ohne Heizung

Die Schmiede- und Schlosswerkstatt hatte es dem gelernten Schlosser und Hufschmied Raphael Bächler (Jahrgang 1932) angetan. Er kaufte das «Bruchbudeli ohne Heizung», das er in den folgenden Jahren zu einem Schmuckstück sanieren sollte, absolvierte die Wirteprüfung und führte fortan den «Engel» gemeinsam mit seiner Frau Bernadette Bächler-Kolly (1928).

Sie hatte bereits fünf Jahre Erfahrung im Service als Aushilfe auf dem Weissenstein. Beide stammen aus dem Kanton Freiburg, kamen aber unabhängig voneinander ins Solothurnische zum Arbeiten. Kennengelernt hatten sie sich dann aber an der Chilbi im freiburgischen Rechthalten, wo Raphael Bächler herkommt. 1955 heirateten sie.

Zu Beginn arbeitete er zu 30 Prozent in der Gaststube mit und half vor allem über Mittag seiner Frau. Die restliche Zeit betrieb er die Werkstatt im Keller. «Der Engel war eine Quartierbeiz, die kleinste Beiz von fünfen in Oberdorf.

Gegessen wurde damals wenig.» Die Gäste seien vor allem zum Trinken, Jassen und miteinander Reden in die Gaststube gekommen, berichtet er von den Anfängen. Dazu kamen die Taufen, Geburtstage oder Beerdigungen und manchmal die Teilnehmer von Wallfahrten.

«Am Abend hatten die Leute keine Zeit und vor allem kein Geld für ein Essen.» Ab und zu gab es eine Generalversammlung von Vereinen. Raphael und Bernadette Bächler erinnern sich auch noch an die Gäste vom Altersheim Bellevue, die auf ihrem Spaziergang den «Engel» aufsuchten. Ein markanter Einschnitt im Gästeverhalten fand mit dem Aufkommen der Autos statt. «Die Gäste tranken viel weniger Alkohol.»

Geführt von Schwestern

1978 wurde die Gaststube saniert. Anstelle eines alten Ofens wurde ein Cheminée gebaut, auf dem noch heute in der Gaststube über einem Holzfeuer Fleisch grilliert wird. Das Grillieren wurde zur Domäne von Raphael Bächler.

Nun war er hauptsächlich im Restaurant anzutreffen. Die Schlosserei wurde zum Nebenbetrieb. Zehn Jahre später stieg die damals 19-jährige Tochter Eveline in den Betrieb ein. Vier Jahre später wurde ihre Mutter pensioniert. Ab diesem Zeitpunkt half auch die zweite, ältere Tochter Emerita im «Engel» mit.

Danach änderten sich die Öffnungszeiten, weil Eveline Bächler Balli und Emerita Ryser-Bächler Kinder hatten. Noch heute ist der «Engel» Dienstag bis Freitag ab 16 Uhr und am Wochenende ab 10 Uhr offen.

1998 wurde auch ihr Vater pensioniert. Die Töchter übernahmen das Zepter. Heute trifft man sich im «Engel» bei einer gemütlichen Runde am Stammtisch oder zum Essen. Angeboten wird eine gutbürgerliche Küche mit Fleisch vom Grill, Käsefondue und Rösti.

Das Restaurant wird im Familienstil von den beiden Schwestern mit grosser Hilfe von Richard Balli (Ehemann von Eveline) und treuen Aushilfen im Freundes- und Familienkreis geführt. Nur so sei es überhaupt möglich, einen kleinen Betrieb rentabel zu betreiben, sagen die Schwestern.

Zum Jubiläum will die Familie Bächler ein Dankeschön ihren Gästen weitergeben und dies mit einem kleinen Tag der offenen Tür mit Unterhaltung und Degustationen usw. feiern.

Die Feier findet am Sonntag, 30. März 2014 ab 10 Uhr statt.

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