Halten
«Das Solex wurde viel von Priestern oder Hebammen gefahren»

Als Ulrich Hofer vor 20 Jahren zum ersten Mal ein Solex reparierte, erwachte seine Sammelleidenschaft. Im Museum Wasseramt in Halten präsentiert «Solex-Uele» nun seine aus 20 Fahrzeugen bestehende Sammlung.

Urs Byland
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Ulrich Hofer zeigt seine Solex-Sammlung im Museum Wasseramt.

Ulrich Hofer zeigt seine Solex-Sammlung im Museum Wasseramt.

Urs Byland

Es gibt noch heute kein Fahrzeug, das sparsamer läuft als das Solex», sagt Ulrich Hofer aus Kirchberg und strahlt dabei eine ansteckende Begeisterung aus. Er steht im Ausstellungsspeicher vor einem Teil seiner Sammlung. Das älteste Modell mit Jahrgang 1948 stammt aus dem Hause Hispano Suiza in Genf.

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Das Solex kostete rund 300 Franken, fuhr ganze 25 Kilometer in der Stunde, wog 25 Kilogramm und verbrauchte einen Liter Benzin auf 100 Kilometer. «Ein Fahrrad, das von alleine fährt», heisst entsprechend die Ausstellung.

130 Personen interessierten sich an der Vernissage für das zum Kultobjekt gewordene Fortbewegungsmittel. Neben dem Ausstellungsspeicher faszinierten die 20 in Reih und Glied stehenden Benzin-Fahrräder der eingetroffenen Mitglieder der «Solex-Giele-Iguland» aus Recherswil und des Solex-Clubs Luterbach.

1964 begann die Faszination

«Anfänglich wurde das Solex viel von Priestern oder etwa von Hebammen gefahren», weiss Ulrich Hofer. Eine Reklametafel mit einem Priester in Soutane mit dem Slogan «Fahret in Frieden», weist darauf hin. Ein rotes Modell, Solex 5000, war mit seinem 16-Zoll-Rad für kleine Leute gedacht.

Das ausgestellte Kindersolex aus dem Jahr 1964 erhielten die Händler als Geschenk, wenn sie eine bestimmte Anzahl Exemplare verkauft hatten. Es war als Spielzeug gedacht mit einer Motor-Attrappe, die beim Fahren etwas Lärm erzeugte.

Die ersten Solex erschienen im Jahr 1946 auf dem Markt, entwickelt von den Franzosen Marcel Mennesson und Maurice Goudart. Das französische Werk musste wegen sinkendem Absatz im Jahr 1988 die Fabrikation einstellen. Das einstmals spanisch-schweizerische Unternehmen der Automobil- und Luftfahrtindustrie Hispano Suiza stellte von 1948 bis 1957 Solex her. Rund sieben bis acht Millionen Exemplare verkauften sich, allein im Spitzenjahr 1964 deren 380 000 Stück.

Reparieren aus Leidenschaft

«Vor 20 Jahren bekam ich das erste Solex zum Reparieren», erzählt Ulrich Hofer. Dies habe ihn so begeistert, dass er mit Sammeln begonnen habe. Längst hat sich der gelernte Landmaschinenmechaniker in seiner Freizeit aufs Reparieren des Kultobjekts spezialisiert.

Für seine Kunden ist er der «Solex Uele». So fertigt er in fünf Arbeitsgängen eigenhändig Antriebsrollen an und belegt Trommelbremsen neu. Nicht verwunderlich ist «Solex Uele» auch im Solex Club Hasle-Rüegsau anzutreffen. Vier- bis fünfmal fahren die 60 Mitglieder pro Jahr zusammen aus.

Ausstellung im Museum Wasseramt, Turm in Halten: bis 15. September, jeweils sonntags von 13 bis 17 Uhr.