Hessigkofen
Das Solardorf Hessikofen verschenkt «seinen» Strom

Das Initialprojekt des Solardorfs ist abgeschlossen. Mittlerweile produziert die Gemeinde sogar zu viel Solarstrom. Den Überschuss verschenkt das Dorf nun weiter.

Anne-Regula Keller
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«Das ist erst der Anfang»: Gemeindepräsident Thomas Steiner (l.). ark

«Das ist erst der Anfang»: Gemeindepräsident Thomas Steiner (l.). ark

Die Einweihung der neuen, sparsamen LED-Strassenlampen nutzten die Hessigkofer für eine Energienacht. Gemeindepräsident Thomas Steiner wies stolz auf die neue Beleuchtung hin, erklärte die Energienacht aber auch zum Abschluss des Initialprojekts Solardorf. Er dankte seinen Mitkämpfern in der Interessengemeinschaft (IG) Solardorf, rief aber seinen Dorfbewohnern zu: «Die IG gab nur die Ideen. Doch umgesetzt habt ihr unsere Vision.»

Als die IG Solardorf mit ihrer Arbeit begann, hatte sie eine sehr ehrgeizige Vision: Innert fünf Jahren sollten in Hessigkofen pro Kopf zwei Quadratmeter Solarenergie-Nutzungsfläche montiert sein, sei es als Kollektoranlage für Warmwasser und Heizwärme, sei es als Photovoltaikpanels (PV) für die Stromerzeugung. Die nötigen Anreize geschaffen hatte der Gemeindeversammlungsbeschluss,100000 Franken Elektra-Erlös zur Subventionierung von Solaranlagen einzusetzen. 44000 Franken davon kostete die gemeindeeigene Photovoltaikanlage auf dem Feuerwehrgebäude. Sie soll den Strom für die 37 Strassenlampen im Dorf liefern – rund 12000 Kilowattstunden (kWh).

Vision weit übertroffen

Nun sind knapp vier Jahre um. Bereits nach der Hälfte hatte das Dorf sein Ziel übertroffen. Dafür bekam es 2010 den Schweizer Solarpreis. Doch das Sonnenenergiefieber brennt weiter. Noch sind die 100000 Franken nicht ausgeschöpft. Inzwischen pro Kopf 3,1 Quadratmeter Solaranlagen montiert. «Im Hinblick auf die erwartete Gemeindefusion schliessen wir jetzt das Projekt Solardorf ab», erklärte Steiner. «Wir hoffen aber, dass es auf die neue, grössere Gemeinde ausstrahlt.»

Nach dem allerseits geschätzten Risotto aus der «Sternen»-Küche bekannte Projektleiter Lischer mit Augenzwinkern: «Wir haben ein kleines Problem im Dorf: Wir haben zu viel Solarstrom.» Denn die neuen Strassenlampen werden jährlich nur noch 6000 statt 12000 kWh Solarstrom verbrauchen. «Darum gibt es jetzt einen Wettbewerb. Unter den richtigen Lösungen verlosen wir 3000, 2000 und 1000 kWh Gratissolarstrom für ein Jahr.»

Kurz vor 23 Uhr wurde es dunkel im Dorf. Die neuen Strassenlampen wurden ausgeschaltet. So wird es künftig von Mitternacht bis 5 Uhr immer sein. Nach einem Schwarzlichttheater durfte die kleine Elena aus der vordersten Reihe Glücksfee spielen und der Wettbewerb wurde aufgelöst: Von knapp 45 Quadratmetern Solarfläche ist diese in knapp vier Jahren auf 815 Quadratmeter gestiegen. Rechnet man die Leistung der thermischen Kollektoranlagen in Elektrizität um, produziert Hessigkofen 20 Prozent seines Strombedarfs solar. «Und das ist erst der Anfang», betont Steiner. «Wir haben noch so viele freie Dachflächen.»