Selzach
Das Selzacher Wirtshaus zur Grabachern kriegt einen neuen Wirt

Nach neun Jahren wollen Manuela und Heinz Opitz endlich wieder Zeit füreinander haben. Sie verlassen das Wirtshaus zur Grabachern in Selzach und ziehen nach Interlaken. Reinhard Haberhauer wird der neue Wirt.

Christoph Neuenschwander
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Das Wirtshaus zur Grabachern in Selzach wird bald vom heutigen Aide du Patron geführt.

Das Wirtshaus zur Grabachern in Selzach wird bald vom heutigen Aide du Patron geführt.

Hanspeter Bärtschi

Die Mittagsgäste trudeln allmählich ein. Viele kommen von den Fabriken rings herum – und sie kommen stets wieder, was die Wirtsleute mit Befriedigung zur Kenntnis nehmen. Sie haben ihre Sache offenbar gut gemacht. «Immer wieder hören wir, dass es nirgends so gute Suppen gibt wie hier», sagt Manuela Opitz. «Du mit deinen Suppen», winkt Heinz Opitz etwas verlegen ab. Doch, das dürfe wirklich einmal gesagt werden, findet sie. Er mache die Suppen halt einfach frisch, und das merke man.

Bald wollen sie nach Interlaken gehen, um das Leben zu geniessen, sagen Manuela und Heinz Opitz, die das Wirtshaus zur Grabachern in Selzach führen. «Ich bin jetzt seit 45 Jahren in der Küche, nach dieser Zeit hat man das verdient», begründet der 62-jährige Küchenchef. Er will in den Vorruhestand gehen. Seine elf Jahre jüngere Frau möchte in Interlaken noch Teilzeit arbeiten.

Vor allem aber wollen die beiden mehr Zeit miteinander verbringen – Zeit ausserhalb des Restaurants, heisst das. Denn die sei in den vergangenen neun Jahren, in denen das Paar in Selzach wirtete, zu kurz gekommen. «Wir hatten eine schöne Zeit hier», resümiert Manuela Opitz. «Aber jetzt kommt ein neuer Lebensabschnitt», ergänzt ihr Mann.

Konstante neun Jahre

Kennen gelernt hatten sich Heinz und Manuela Opitz in Interlaken, wo sie, damals noch als Angestellte, im selben Restaurant arbeiteten. Für ihren Schritt in die Selbstständigkeit hatten sie sich die «Grabachern» ausgesucht, weil es «ein Traditionsrestaurant mit einem guten Ruf» war: «Wir suchten schon nach einem gewissen Niveau, wir hatten auch die entsprechende Ausbildung dafür», sagt Heinz Opitz.

Immer wieder gab es kleine Neuerungen, die Inneneinrichtung wurde aufgefrischt, die Speisekarte angepasst, damit die Abwechslung nicht ausblieb. Grosse Veränderungen habe das Wirtshaus in den vergangenen neun Jahren aber nicht gesehen. «Wir hatten von Anfang an eine Konstanz, auch was die Gäste betrifft», erinnert sich Heinz Opitz. Ihm ist jedoch klar, dass auch manche Spezialitäten, wie etwa sein Cordon bleu, für neue Kunden gesorgt haben.

Ab dem ersten Mai wird Manuela Opitz’ Bruder den Betrieb übernehmen. Reinhard Haberhauer ist bei Weitem kein «Neuer», er ist gemeinsam mit dem Wirtepaar nach Selzach gekommen und waltete bisher als Aide du Patron. Er kennt seine Stammgäste, weiss, wer am liebsten an welchem Platz sitzt und wer welches Getränk bestellt. Als Nachfolger habe er es daher einfacher als ein Unbekannter, sagt er.

Spezialitäten bleiben, Team nicht

Die Spezialitäten auf der Speisekarte sollen bleiben. Einige Veränderungen wird es dennoch geben: Haberhauer wird grösstenteils die Aufgaben seiner Schwester übernehmen, aber auch Heinz Opitz muss ersetzt werden. Der Nachfolger sei Küchenchef in einem 14-Punkte-«Gault Millau»-Restaurant gewesen, verrät Haberhauer. Und der werde sein eigenes Team zusammenstellen.

Reinhard Haberhauer, Manuela und Heinz Opitz.

Reinhard Haberhauer, Manuela und Heinz Opitz.

Christoph Neuenschwander

Nervös ist der 53-jährige Wirt in spe nicht. «Ich bin ja schon seit 30 Jahren im Gastgewerbe. Jetzt bin ich dann einfach mein eigener Chef.» Ihrem Nachfolger wünschen Manuela und Heinz Opitz schon jetzt viel Glück. «Wir sind ihm dankbar für die Treue, die er uns entgegengebracht hat», betont der abtretende Koch.

Während Haberhauer seine ersten Schritte als sein eigener Chef tut, werden die Opitz’ eine Velotour in Südfrankreich unternehmen. «Wir haben schon immer gerne aktive Ferien gemacht», sagt sie. Und Heinz Opitz fügt an: «Jetzt können wir uns dafür Zeit lassen und es geniessen.» Übrigens: Gutscheine für das Restaurant können noch bis zum 6. April eingelöst werden.