Derendingen

Das Schulhaus vermittelt einen Hauch von Klassik im «Bauerndorf»

In unserer Serie über Solothurner Kulturgüter stellen wir heute das Oberdorfschulhaus in Derendingen vor. Als das klassizistische Gebäude erbaut wurde, nahm es im damals kleinen Bauerndorf einen beachtlichen Platz ein.

Das Oberdorfschulhaus in Derendingen ist alt. Steinalt. 40 Jahre oder sogar 1000. Oder 101 oder 150. Irgendwo in dieser Gegend. Das hat eine nicht ganz repräsentative Umfrage unter Erstklässlern des betreffenden Schulhauses ergeben. Aufschluss über das tatsächliche Alter des klassizistischen Gebäudes gibt die Jahreszahl, die in goldenen Lettern über dem alten Eingangsportal steht: 1864. Da war aber jemand mit «150 Jahren» unerhört nahe dran.

«Das muss damals eine grosse Kiste gewesen sein, hier ein solch stattliches Haus zu bauen», vermutet Schulleiter Matthias Pfeiffer. Derendingen sei vor anderthalb Jahrhunderten ja eher noch ein kleines Bauerndorf gewesen. Seither hat sich einiges geändert – auch die Anforderungen an Schulhäuser. «Gewisse Dinge würde heute natürlich kein Mensch mehr so machen», sagt Pfeiffer.

Säulenplätze gibt es nicht mehr

Ein Beispiel: Die ursprüngliche Hauptpforte des Gebäudes ging direkt auf die Hauptstrasse raus. Inzwischen wurde der Eingang auf die Seite verlegt; die alte Tür wird nicht mehr benutzt. Ende der Siebzigerjahre wurde das Gebäude zum bisher letzten Mal renoviert. Lehrerin Madeleine Corti-Grossholz erinnert sich als Einzige im Team noch daran. Sie arbeitet seit 1974 im Derendinger Primarschulhaus.

«Der Mittelgang wurde hier etwas verbreitert», sagt sie und zeigt auf die Garderobe im Flur des Parterres. Auch die Fenster wurden erneuert – den Verkehrslärm hört man nun kaum noch. Zudem wurden die zwei Säulen, die einst in jedem Schulzimmer standen, entfernt. Vor dem Lehrer verstecken kann man sich heute nicht mehr.

Corti-Grossholz ist zufrieden hier im Oberdorf. Der Schulbetrieb sei mit fünf Klassen und einem Kindergarten überschaubar und familiär. Man kenne sich; Knatsch gebe es kaum – auch nicht unter den Schülern. Und dank der alten dicken Mauern bleibe es im Sommer schön kühl.

Zu dick fürs Internet

Die Mauern haben gewiss auch ihren Nachteil, wie Matthias Pfeiffer weiss. Namentlich ist der Internetzugang nicht ganz unkompliziert: Weil das Wireless-Signal nicht durch das dicke Gemäuer dringen kann, mussten im Gebäude mehrere Sender installiert werden.

Und auch die bescheidene Grösse des Schulhauses hat nicht bloss Vorteile. So muss jeweils alle zwei Jahre eine fünfte Klasse für die letzten beiden Primarschuljahre ins Mitteldorfschulhaus ausgelagert werden. Zwar verfügt das Gebäude auf allen drei Stockwerken über je zwei Klassenzimmer, einer der sechs Räume wird aber als Allzweckzimmer für Religion, Gruppenarbeiten, Heilpädagogik und so weiter verwendet. Gruppenräume wie in anderen Schulhäusern gibt es keine. Nur noch ein relativ grosser Mehrzweckraum gleich unter dem Dach – und Nischen mit kleinen Pulten im Treppenhaus, für Einzelarbeiten.

Das Arbeitszimmer für Lehrer wird gleichzeitig auch als Materiallager und für den Einzelförderunterricht gebraucht. «Da muss man sich schon gut absprechen und gut miteinander auskommen», sagt Pfeiffer mit einem Schmunzeln. Dennoch findet er: «Man kann hier gut Schule geben.» Übrigens: Die Erstklässler haben mit Bestürzen reagiert, als sie das wahre Alter ihres Schulhauses erfahren haben. «Woah, das ist aber wirklich alt! Das Haus fällt ja schon bald zusammen!»

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