Lohn-Ammannsegg
Das Regierungsrats-Grab ist verschwunden

Verdienten Persönlichkeiten wird in ihren einstigen Wohngemeinden schon mal ein Dankmal gesetzt. Zumindest werden deren Gräber in Ehren gehalten. Doch die Gemeinde räumte Hans Erzers letzte Ruhestätte nach knapp drei Jahren.

Urs Mathys
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Rasen, wo zuvor auch das Grab der Erzers lag.

Rasen, wo zuvor auch das Grab der Erzers lag.

Christoph Neuenschwander

Verdienten Persönlichkeiten wird in ihren einstigen Wohngemeinden schon mal ein Dankmal gesetzt. Zumindest werden deren Gräber in Ehren gehalten, auch wenn der reglementarisch zugestandene Totenfrieden – in der Regel 20 Jahre – längst abgelaufen ist. In Lohn-Ammannsegg ist das anders: Dort wurde die letzte Ruhestätte von alt Regierungsrat Hans Erzer bereits Mitte letzten August buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht, obwohl dessen Urne dort erst im Dezember 2009 beigesetzt worden war. Allerdings im Grab seiner bereits 1990 verstorbenen Ehefrau Heidi.

Als nun die Angehörigen des einstigen kantonalen Baudirektors an Allerheiligen das Grab ihrer Eltern besuchen wollten, fielen sie aus allen Wolken: Sie fanden nur noch den geräumten, in der Zwischenzeit bereits wieder begrünten Platz vor. «Wir fanden schlicht kein Grab mehr», schildert Rudolf Erzer, einer der Politiker-Söhne gegenüber dieser Zeitung das Schockerlebnis: «Niemand hat uns zuvor informiert. Die Art und Weise, wie man mit dem Grab einer öffentlichen Person umgeht, ist einfach unglaublich.»

«Familie meldete sich nicht»

Sein Bruder Werner Erzer doppelt nach: «Dass die Urne unseres Vaters, der noch keine drei Jahre tot ist, ohne Kontaktaufnahme weg ist, finde ich rücksichtslos, pietätlos und absolut unverständlich.» Dies umso mehr, als seitens der Gemeinde im Dezember 2009 versichert worden sei, dass dieses Grab mindestens bis 2017 erhalten bleibe. Und dannzumal werde man bezüglich einer allfälligen Umbettung mit den Angehörigen Kontakt aufnehmen.

Bereits am 2. Februar 2012 habe die Einwohnergemeinde reglementkonform die für den August dieses Jahres vorgesehene Räumung des Gräberfeldes im Anzeiger publiziert, hält auf Anfrage Stephan Richard, Gemeindeschreiber und Finanzverwalter von Lohn-Ammannsegg, fest. Zusätzlich sei die Massnahme über Monate mit mehreren auf dem Friedhof angebrachten Plakaten angekündigt worden. Im Gegensatz zu anderen von der Gräberräumung betroffenen Hinterbliebenen hätten sich die Erzer-Nachkommen nicht gemeldet. «Deshalb ging man wohl davon aus, dass aus Sicht der Angehörigen kein spezieller Handlungsbedarf besteht», sagt Richard. Ohnehin gelte für Urnengräber halt eine kürzere Bestandzeit.

Ob alt Regierungsrat oder nicht: Nicht einmal drei Jahre scheinen doch eine etwas gar kurze Zeit des Totenfriedens zu sein. Auf die Frage, ob Lohn-Ammannsegg aber bezüglich der letzten Ruhestätte eines ehemaligen Magistraten zumindest etwas mehr Fingerspitzengefühl hätte zeigen müssen, reagiert Richard ausweichend. «Von beiden Seiten» – Angehörige und Gemeinde – seien «wohl gewisse Dinge vergessen worden», räumt er ein. So zum Beispiel, dass «vergessen ging, dass Hans Erzer halt eine besondere, eine Person des öffentlichen Interesses war». Und: «Im Nachhinein ist man immer klüger».

Die Urne wäre noch da ...

Gemeindeschreiber Richard hält denn auch fest, dass er «grosses Verständnis für den Unmut» von Erzers Hinterbliebenen habe. Sollte sich bewahrheiten, dass diesen seinerzeit mit 2017 ein falsches Jahr für die Räumung angegeben worden sei, «dann müssten wir dies korrigieren».

Und was ist mit der Urne von Hans Erzer passiert? Gemeindeschreiber Richard: «Sie liegt noch immer da, wo sie beigesetzt worden ist.» Immerhin: Lohn-Ammannsegg hat so also immer noch die Möglichkeit, sich darüber Gedanken zu machen, ob man in einer stillen Ecke des grossen Friedhofs nicht doch noch zumindest ein Plätzchen für das Andenken an ihren einst berühmtesten Mitbürger einrichten könnte.