Er sei gerade auf dem Weg nach Bern, erzählt Alex Naef über die Freisprechanlage im Auto. Naef ist CEO der Carrosserie Hess AG, die im Solothurnischen Bellach Busse herstellt. Auch Elektrobusse – und deswegen fuhr Naef gestern auch nach Bern. Dort wurde nämlich die schweizweit zweite Elektrobuslinie vom Berner Verkehrsunternehmen Bernmobil eröffnet. Ab Januar wird Bernmobil auf der Linie 17 zwischen Bern Bahnhof und Köniz Weiermatt auf die Elektrobusse der Carrosserie Hess umstellen.

Schweizweit ist dies nach Genf die zweite mit Batteriegelenkbussen betriebene öV-Linie überhaupt. «Ein Pionierprojekt», wie Bernmobil in einer gestern veröffentlichten Mitteilung schreibt. Auch CEO Naef spricht von einem besonderen Moment. Zwei Gedanken gingen ihm als Firmenchef durch den Kopf: «Einerseits ist es schön, dass unser Team diese Leistung zustande gebracht hat und die Liste termingerecht und zuverlässig liefern konnte.» Andererseits freue er sich auch, dass die Stadt Bern ihre Verantwortung bezüglich Klimaschutz ernst nehme.

«Das ist ein schöner Tag für die Carosserie Hess», sagt Firmenchef Alex Naef.

Der Ceo der Carosserie Hess AG

«Das ist ein schöner Tag für die Carosserie Hess», sagt Firmenchef Alex Naef.

Berner für einmal «die Schnellsten»

Die fünf Batteriebusse der Carrosserie Hess laden jeweils an der Endhaltestelle Weiermatt ihre Batterie während der fahrplanmässigen Aufenthaltszeit von wenigen Minuten an einer Schnellladestation von ABB nach. Bernmobil ist das erste Transportunternehmen in der Schweiz, das diese Ladetechnologie einsetzt. «Die Berner sind für einmal die Schnellsten und Innovativsten» hielt Regierungspräsident Christoph Neuhaus in seiner Ansprache zur gestrigen Eröffnung der Elektrobuslinie 17 fest. «Der Pilotbetrieb passt sehr gut in die verschiedenen Strategien der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern», führte er weiter aus.

Bereits heute transportiert Bernmobil rund 70 Prozent ihrer Fahrgäste mit Tram und Trolleybus elektrisch. Die Elektrobuslinie 17 senkt den CO2-Ausstoss um weitere 500 Tonnen pro Jahr. Auch die anderen Luftschadstoffe und der Lärm werden nochmals merklich reduziert, ebenfalls nimmt der Gesamtenergieverbrauch des Verkehrsunternehmens dadurch weiter ab. «Der vierjährige Pilotbetrieb auf der Linie 17 ist der erste Schritt», erklärte René Schmied, Direktor Bernmobil, an der Eröffnung. Man wolle in naher Zukunft weitere Buslinien auf elektrische Traktion umstellen. Langfristig strebt das Unternehmen einen CO2-neutralen Betrieb an.

Auch der für den Verkehr zuständige Könizer Gemeinderat Christian Burren freute sich über die Eröffnung der Elektrobuslinie: «Sie erschliesst im Liebefeld bedeutende Arbeitsplatzgebiete. Und wer von der Stadt her etwas weniger gedrängt nach Köniz gelangen will, benützt die Linie 17. Sie hat im Liebefeld und in Köniz grosses Potenzial, mit dem Elektrobetrieb wird sie für alle noch attraktiver.»

Bis 40 Kilometer – dann aufladen

Die auf der Linie 17 eingesetzten Fahrzeuge der Carrosserie Hess entsprechen weitgehend den neuen Trolleybussen, die seit rund einem Jahr auf dem Bernmobil-Netz unterwegs sind. Die Batterie der Elektrobusse ist so ausgelegt, dass sie bis zu dreimal ohne Nachladen an der Endhaltestelle durchfahren können. Dies entspricht einer Reichweite von 35 bis 40 Kilometern. Während der Nacht können die Batterien auch in der Garage am Eigerplatz nachgeladen werden.

Vorläufig werden die Elektrobusse zwischen den fahrplanmässig verkehrenden Fahrzeugen eingesetzt und im Fahrgastbetrieb erprobt. In der zweiten Januarhälftesollen sie dann nach und nach fahrplanmässig fahren und die Gas- und Hybridbusse ablösen.

Die Investitionskosten für den vierjährigen Pilotbetrieb betragen rund 4,5 Millionen Franken. Diese umfassen die fünf Batteriegelenkbusse, die Schnellladestation sowie die Ladestation in der Garage. Der Pilotbetrieb wird durch Beiträge des Kantons Bern, der Gemeinde Köniz sowie des Ökofonds von Energie Wasser Bern massgeblich finanziert. Nach Ende des Pilotbetriebs wird Bernmobil entscheiden, ob der Elektrobusbetrieb auf der Linie 17 weitergeführt werden soll. (MGT/NKA)