«Wir wollen Sie gut informieren und mit einem guten Gefühl heimschicken.» Es solle kein Streitgespräch geführt werden und es werde an diesem Abend auch nichts beschlossen. Dies sagte Planer Christian Sigrist in seinem Votum am Orientierungsanlass in der Aula Schulhaus Mitte.

Orientiert wurde über die Firmenansiedlung der Global Warehouse and Logistics GmbH. Hinter der Firma steht der global tätige Mischkonzern Steinhoff mit Sitz in Südafrika, dessen Wurzeln in der deutschen Möbelindustrie liegen.

Die Anliegen des Planers sollten in Erfüllung gehen, auch dank eines Gemeindepräsidenten, der notfalls schon mal deutlicher wurde. Behörden und Politiker wurden schon eine Stunde zuvor informiert. Viele blieben um auch Wünsche und Sorgen aus der Bevölkerung anzuhören. Aber nur wenige Einwohner fanden den Weg in die Aula.

Das Verkehrsaufkommen war das Hauptthema in der Diskussion zum Firmenbau auf dem Wissensteinfeld. Viel mehr kann im Mitwirkungsverfahren an diesem Projekt auch nicht beeinflusst werden.

Zum Areal besteht bereits ein Gestaltungsplan mit Sonderbauvorschriften, wie Planer Christian Sigrist den etwa 40 Personen in der Aula Schulhaus Mitte erklärte. Die Eckwerte sind eine maximale Gebäudehöhe von 16,5 Meter, eine Grünflächenziffer von 5 Prozent und 1200 Fahrten pro Tag. Der Kanton hat das Wissensteinfeld zum Arbeitsplatzgebiet von regionaler Bedeutung erklärt und nun will ein Unternehmen bauen.

Mobilitätsmanagement

Der Verkehr war schon bei der Vorinformation der Behörden Ende letzten Jahres Thema. Aufgenommen wurde die Anregung des VCS eines betrieblichen Mobilitätsmanagements (BM). Konkret geht es um gesteuerte Warentransporte.

Ein Drittel der täglich 100 Lastwagenfahrten wird via Subingen über die Autobahnausfahrt Kriegstetten abgewickelt. Zwei Drittel führen über den Kreuzplatz zur Autobahneinfahrt Zuchwil. «Mag denn der Kreuzplatz weiteren Verkehr aufnehmen», lautete die Frage eines Besuchers. Bauverwalter Roger Spichiger erklärte, dass mit dem BM die Spitzenzeiten gemieden werden.

Auch die Mitarbeiter, gerechnet wird inklusive Schwerverkehr mit 650 bis 740 Fahrten, würden die heute bekannten Stauzeiten umgehen, sei doch ein Zweischichtbetrieb zwischen 5 und 22 Uhr geplant.

Massnahmen, wie die Beschränkung der Parkplätze, Radwege, finanzielle Anreize bei Verzicht aufs Auto sowie Betriebskantine sollen den Pendlerverkehr einschränken. Kontrollinstanz wäre die Baukommission Derendingen.

Gestreift wurde auch das Thema einer Autobahneinfahrt nördlich vom Wissensteinfeld auf Subinger Gemeindegebiet - schon lange ein Wunsch der Derendinger. Diese komme nicht in den nächsten Jahren, wenn überhaupt, so Gemeindepräsident Tschumi. Aber würde sie kommen, hätte diese Auswirkungen bis nach Messen, zitierte er eine Studie. «Und auf dem Kreuzplatz hätten wir täglich 7000 Fahrzeuge weniger.

Als die Diskussion zum Kreuzplatz nicht enden wollte, wurde es Kuno Tschumi zu bunt. «Wer sich hier bei uns mit über 50 Mio. Franken engagieren will, soll nicht zum Bittsteller degradiert werden.» Derendingen sei die Gemeinde der Top5 mit den wenigsten Arbeitsplätzen. «Wir haben wahrlich noch Platz für Arbeitsplätze. Wir sollten dankbar sein.» Zumal, zählte er ein weiteres positives Element auf, die Gemeinde steuerlich profitieren könnte.

«Man wird ernst genommen»

Die Berücksichtigung der VCS-Anregung wurde gut aufgenommen. Positiv wurde vonseiten der Behörde und Politik zudem gewertet, dass sich nur eine Firma auf dem Areal ausbreitet. Würden sich mehrere Firmen ansiedeln, könnte man keine Fahrtenkontrolle durchführen. Die Erleichterung war förmlich spürbar.

Das Steinhoff-Engagement sei nicht zu vergleichen mit dem gestrandeten Vorprojekt von Kühne und Nagel sei. «Man wird ernst genommen», sagen der Gemeindepräsident und Hansruedi Meyer, Präsident VCS Sektion Solothurn.

Ernsthaftigkeit und Respekt demonstrierten die anwesenden Vertreter des Konzerns. So wurde in der Aula gleich eine Ecke eingerichtet, wo man sich über die künftige Berufsangebote informieren und anmelden konnte, schliesslich wolle man die Mitarbeiter aus der Region rekrutieren.

Stehen die Firmengebäude, vier Hallen und ein verschieden genutztes Dienstleistungsgebäude, werden die vorgesehenen 220 Arbeitsplätze in den folgenden 3 Jahren aufgebaut.

Der Investitionsentscheid sei gefallen. «Den Zeitdruck haben wir», erklärte Johan Geurts, Geschäftsführer der Global Warehouse and Logistics GmbH. Sollte das Projekt auf zu grosse Widerstände stossen, «dann lassen wir es sein», sagte er ehrlich, «oder wir werden ein guter Partner in der Region».