Kultur

Das Kloster Dornach ist Kirche und Jazzkeller zugleich

Das Kloster Dornach ist heute ein Hotellerie-, Kulturbetrieb – und trotzdem Ort der Stille und Religiosität.

«Das ist unsere tägliche Herausforderung: Dass wir einen modernen Gastro- und Kulturbetrieb aufrechterhalten können, Stille und Religiosität aber noch ihren adäquaten Platz finden.» Das sagt die Leiterin für den Kulturbetrieb im Kloster Dornach, die Kunsthistorikerin Barbara van der Meulen. Das seit gut zwei Jahren angewandte Konzept geht dank guter Zusammenarbeit aller Spartenverantwortlichen auf, sagt sie weiter und holt etwas aus: «1990 zogen die letzten Kapuzinermönche aus dem Kloster aus. Der Kanton Solothurn, dem das Kloster danach gehörte, überschrieb das Nutzungsrecht anlässlich der 500-Jahr-Gedenkfeier der Schlacht bei Dornach an die 1999 gegründete ‹Stiftung Kloster Dornach›. Diese besteht aus Mitgliedern der Einwohnergemeinde, der Bürgergemeinde, der katholischen sowie evangelisch-reformierten Kirchen Dornachs, der katholischen Landeskirche Baselland und Mitgliedern aus dem Verein Freunden des Klosters Dornach.»

Die Erhaltung der Gebäulichkeiten sei die erste Pflicht der Stiftung, erwähnt van der Meulen, die sich seit Juni 2015 um den Kulturbetrieb kümmert, heute in einem 50-Prozent-Pensum. Ihr ist wichtig, dass bei aller Kultur auch der religiöse Hintergrund des Klosters gewahrt bleibt. «In der Klosterkirche finden Gottesdienste statt. Zum Programm dort gehören auch klassische Konzerte, jedoch sind künstlerische Interventionen von zeitgenössischen Kunstschaffenden in der Kirche auch möglich und werden durchgeführt.»

Übernachten in der Klosterzelle

Das Klostergebäude wurde 2017 zum modernen Hotelbetrieb umgebaut, vorher war hier eine einfachere Gastwirtschaft untergebracht. In den ehemaligen Klosterzellen kann man nun heute als Gast in einer einfachen Einrichtung übernachten; die Nasszellen befinden sich auf dem Flur. 30 Zimmer sind so zu haben. Im Weiteren bietet die schön renovierte Klosterschenke bis zu 50 Gästen Platz. Dazu gibt es verschiedene Räume unterschiedlicher Grösse, die separat genutzt werden können, sei es für Seminare, Workshops oder Familienfeste.

Ein Glanzstück ist der ehemalige Klostergarten, der von einem eigenen Team betreut wird. Auch dieser ist zugänglich, um die Natur sowie die aufgestellten Skulpturen auf sich wirken zu lassen. Besondere Freude hat van der Meulen am Gewölbekeller, in dem regelmässig Jazz-Konzerte stattfinden. Genutzt wird auch der Kreuzgang des Klosters, dessen Wände temporär mit moderner Kunst ausgestattet werden.

«Ein besonderes Angebot des Klosters ist unser ‹Aussteigen auf Zeit›», zählt sie weiter auf. «Man kann sich bei uns zehn Tage lang niederlassen, um zu entschleunigen. Man soll aber im Klosterbetrieb nach den eigenen Möglichkeiten mithelfen.» Barbara van der Meulen hat sich zum Ziel gesetzt, jedes Jahr dem Kulturbetrieb im Kloster ein Motto zu geben. «Staunen» heisst es dieses Jahr beispielsweise. Das Hotel sei übers Jahr gut ausgebucht, berichtet sie weiter. «Das muss so sein, denn es ist das Herzstück des Betriebes.»

Kloster Dornach soll eine kulturelle Marke sein

Während in den vergangenen zwei Jahren die Aufmerksamkeit dem Innenbereich des Klosters zuteil wurde, soll im kommenden Jahr der Klostergarten neu und anders genutzt werden. «Derzeit arbeitet eine Arbeitsgruppe an einem neuen Nutzungskonzept», verrät die Kulturverantwortliche. Sie könne sich vorstellen, dass künftig eine Freiwilligen-Gruppe für den Unterhalt des Gartens zuständig ist.

Ihr ist auch sehr daran gelegen, dass die jüngere Generation den Weg ins Kloster findet. «Junge Leute reagieren begeistert auf die historischen Gebäude.» Wichtig sei, dass das Kloster Dornach als Marke wahrgenommen wird und in der umkämpften Kulturregion Nordwestschweiz als kulturelles Zentrum heraussticht.

Und eine Bemerkung zu den Finanzen: Der Kulturbetrieb im Kloster Dornach wird mit Lotteriefondsgeldern aus dem Kanton Baselland in der Höhe von 25000 Franken subventioniert, der Kanton Solothurn zahlt jährlich 20000 Franken, ebenfalls aus dem Lotteriefonds.

Aus der Historie des Klosters

Der Bau des Kapuzinerklosters wurde durch eine Erbschaft von Maria Magdalena von Roll ermöglicht. Sie vermachte 6000 Gulden für die Gründung eines Klosters in Dornach. Am 24. Oktober 1673 fand die Einsegnung des Grundsteines statt. Der ganze Bau dauerte von 1674 bis 1676. Am 16. Juli 1676 zogen vier Patres und zwei Brüder aus verschiedenen Klöstern der Innerschweiz in das vollendete Gebäude ein. 1928 wurde das Kloster erweitert und im Jahr 1966 renoviert. Vor der Klosterkirche befindet sich das Schlachtdenkmal mit seiner monumentalen Reliefwand von Jakob Probst aus dem Jahr 1949.

1990 verliessen die letzten Brüder das Kloster und 1999 übergab der Kanton Solothurn das Kloster einer Stiftung. Diese hat die Aufgabe, die Gesamtanlage des Klosters, seiner beweglichen Kulturgüter und die Fortsetzung der kirchlichen und sozialen Tradition im ökumenischen Geist zu erhalten. Deren Präsident ist Lorenz Altenbach, Dornach. Weitere Mitglieder sind Hans Abt, Dornach, Wanda Bürgin, Liestal, Fredi Buchmann, Dornach, Thomas Kunz, Dornach, Bernhard Meister, Dornach, Christian Schlatter, Dornach.

Der Gönner-Verein «Freunde des Klosters Dornach» ist im Stiftungsrat vertreten. Er unterstützt die Stiftung bei der Erhaltung und Pflege der historischen Gesamtanlage des ehemaligen Kapuzinerklosters. Seine Mitglieder pflegen und hegen den schönen Klostergarten ehrenamtlich. Präsident ist Hans Abt, Dornach. Die Geschäftsleitung des Kloster Dornach in den drei Bereiche bilden Jonas Rapp, Gastronomie/Hotellerie; Barbara van der Meulen, Leitung Kulturprogramm; Felix Terrier, Leitung Kirche. 


Informationen zum Programm: www.klosterdornach.ch

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