Vreni Antener schaut der neuen Fähre aus Holland mit gemischten Gefühlen entgegen. Anfang Februar haben sie und ihr Mann Simon Antener das Gefährt bestellt. Spätestens Anfang Juli sollte er da sein, der niederländische Hoffnungsträger, der Retter in letzter Sekunde, von dem die Geschicke des Landwirtschafts- und Gastbetriebs auf dem Aareinseli bei Nennigkofen abhängen.

Die heutige, 33-jährige Fähre wird dann zwangsausgemustert. Vreni Antener ist es nicht wohl bei der ganzen Angelegenheit.
Das hat mehrere Gründe.

Da wäre zum einen noch immer die finanzielle Situation: Zwar liegen die Kosten für Bau und Transport der Fähre mit 99 100 Franken im erwarteten Rahmen, doch da komme wohl noch einiges dazu, sagt Vreni Antener.

«Die neue Fähre wird deutlich schwerer als die alte. Wir müssen prüfen, ob die bisherige Drahtseilkonstruktion noch ausreicht, aber ich nehme an, dass wir die ebenfalls ersetzen müssen.» Zudem werde die Fähre breiter, weshalb auch ein neuer Landesteg (und die dafür nötige Bewilligung) her muss.

Die Unbekannte in der Rechnung

3460 Unterstützer auf Facebook, 23 950 Franken an Spendengeldern - zumindest an Support mangelt es den Anteners nicht. Eine grosse Unbekannte in der Rechnung der Bauernleute stellt aber noch immer der Schweizer Orden der Odd Fellows dar.

Diese haben ihre Hilfe angeboten, doch der Beitrag von 100 000 Franken, der «gerüchteweise herumgegeistert» sei, stehe nirgends geschrieben. «Man hat uns nie etwas Konkretes versprochen», sagt Antener. Aber am 13. März werden wir informiert, ob und wie viel die «Odd Fellows» spenden.

Sorgen bereitet Vreni Antener auch die Dimension der neuen Fähre. Änderungen, die der Bootsbauer vornehmen musste, um allen Auflagen gerecht zu werden. Mit 14 auf 4 Meter wird der schwimmende Untersatz gegenüber dem alten um je einen Meter erweitert.

Heftiger sieht es beim Gewichtsunterschied aus: «Das alte Boot wog 1,5 Tonnen, das neue wird etwa 5 Tonnen schwer», sagt Antener. «Man muss erst wieder lernen, damit umzugehen, bevor man Menschen transportiert. Sonst wird es gefährlich.» Vreni Antener findet einen passenden Vergleich: «Das ist, wie wenn man von einem Mini auf einen Jeep umsteigt.»

Von Holland zur Aare für Testfahrt

Ändern dürfte sich auch die Tragkraft, und zwar von 10 auf 15 Tonnen. Soweit die Theorie. Doch das müsse erst getestet werden. «Nein, nicht in Holland», seufzt Vreni Antener und kommt zum dritten Punkt, der ihr Kummer macht.

«Auf der Aare. Die Fähre wird in Einzelteilen hierher gebracht, zum ersten Mal zusammengebaut und zu Wasser gelassen. Erst dann wird sich zeigen, ob das Gefährt alle Anforderungen erfüllt.»

Und dann müssen die Anteners bereits wieder planen: «Wir überlegen uns, wie wir uns bei all den Unterstützern bedanken können. Wir haben so etwas noch nie erlebt.»