Die harten Schatten, die das Gitter am Samstagmorgen wegen des strahlenden Sonnenscheins auf den nüchternen Waschbeton warf, stimmten auch einen hartgesottenen Verfechter eines strengen Strafvollzuges nachdenklich. Das hier ist nicht das «Hotel Schachen». Hier ist ein Gefängnis – oder politisch korrekt gesagt eine Justizvollzugsanstalt – mit höchsten Sicherheitsansprüchen entstanden, und das fühlt sich für die vielen Besucher am Tag der offenen Tür auch genauso an.

Wenn schon, dann ist es eher das von den Eagles 1976 besungene Hotel California: «Wir sind dafür da, Sie zu empfangen, aber Sie können es nie mehr verlassen ...» Wer hier jahrelang einsitzen muss, vielleicht sogar lebenslang verwahrt wird, der «geniesst» zwar einen Blick in die Ferne auf die Wälder und das Landwirtschaftsland der Umgebung. Aber geniessen wird er diese Aussicht trotzdem nicht können, denn es ist immer auch ein Gitter, ein Zaun oder ein Stacheldraht da, der den Straftätern ins Bewusstsein rufen wird, wo sie hier sind, und weshalb sie hier sind.

«Dass keine düstere Betonmauern, sondern ein durchsichtiger Hochsicherheitszaun gebaut wurde, soll vor allem für unsere vielen Angestellten ein angenehmeres Klima bewirken», erklärt Direktor Paul Loosli den «Weitblick» in die Landschaft. «Es ist mir ein grosses Anliegen, dass wir attraktive Arbeitsplätze bieten können, denn unser hoch qualifiziertes Personal ist vielleicht länger hier als manch einer unserer Klienten.»

In der «Gummizelle», dem Isolierungsraum für Insassen, die ausser Kontrolle geraten sind, steht eine Schaufensterpuppe in voller Nahkampfausrüstung. «Diese Spezialkleider ermöglichen einem Sicherheitsangestellten den Zugriff, ohne dass eine Verletzungsgefahr besteht», erklärt der neben der Zelle stehende Mann in Uniform. «Das weitere Personal kann in sicherer Distanz warten, bis wir die Kontrolle wiedergewonnen haben.»

Denn hier im «Schachen» werden die wirklich schweren Jungs ihre Strafe absitzen. «Unser Auftrag ist es, die rückfall- und fluchtgefährdeten Leute sicher unterzubringen», erklärt Direktor Loosli die oberste Maxime des Neubaus. Der Schutz der Gesellschaft vor der gefährlichen Klientel stehe im Zentrum. «Es sind Leute, die ein Delikt gegen Leib und Leben begangen haben, die hierher kommen werden.» Da es sich um gefährliche Menschen handelt, sind sie grundsätzlich in Einzelzellen untergebracht. Das Inventar ist aus massivem Buchenholz, das nicht zu Bruch gehen wird, schrauben sind keine zu sehen. Das Bettzeug ist aus brandhemmenden Stoffen. Das Fenster in den kleinen Zellen können die Gefangenen zwar elektrisch öffnen, aber das Gitter davor bleibt eine unüberwindbare Barriere. Den durchgehenden «Balkon» vor den Zellenfenstern können nur das Sicherheits- und das Putzpersonal betreten.

Die Insassen sollen aber im Schachen nicht einfach nur ihre Zeit vergeuden und einmal pro Woche in die Psychotherapie gehen, um ihre Straftaten und ihre Persönlichkeitsstörungen zu verarbeiten. Sinnvolle Beschäftigung ist angesagt, und so gibt es zum Beispiel Arbeitsräume, in denen zukünftig Elektrovelos für eine Biberister Firma montiert werden. Trotzdem rechnet Direktor Paul Loosli mit Kosten vom 653 Franken pro Tag und Häftling.

Was das neue Hochsicherheitsgefängnis gekostet hat, beschäftigte auch Urs Rutschmann: «Es ist sehr schön, ja extrem schön geworden, wenn man bedenkt, dass es für Strafgefangene gebaut wurde», fasste der Luterbacher SVP-Gemeinderat seine Eindrücke nach dem Rundgang zusammen. «57 Millionen für 60 oder 65 Zellen, das bedeutet ja über 800 000 Franken pro Zelle. Das ist sehr viel Geld. Es ist ein gelungener, spartanisch eingerichteter Bau, der seine Funktion sicher erfüllen wird. Gespannt bin ich aber auch darauf, wie viel der Unterhalt uns Steuerzahler jährlich kosten wird.»

Mit 10 000 Besuchern wurde gerechnet, «aber es dürfen auch mehr kommen», sagte Direktor Paul Loosli. Und tatsächlich war der Ansturm auf den Schachen gewaltig, die pausenlos zirkulierenden Shuttlebusse von den Parkgelegenheiten auf dem Attisholzareal waren immer voll. Und wer aus dem Gefängnis herauskam, konnte auf seine zurückgewonnene Freiheit mit einem Bierchen anstossen.