Zulieferbetriebe
Das Gewerbe leidet unter dem Sappi-Aus

Einige wenige Zulieferbetriebe trifft das Sappi-Ende hart - und viele ein bisschen. Besonders schlimm ist es für den Holzverarbeitungsbetrieb von Jürg Zumsteg in Etziken. Er musste alle vier Mitarbeiter entlassen.

Andreas Toggweiler
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Geräumtes Sappi-Büro in Biberist. Auch das lokale Gewerbe ist von der Fabrikschliessung betroffen.Hanspeter Bärtschi

Geräumtes Sappi-Büro in Biberist. Auch das lokale Gewerbe ist von der Fabrikschliessung betroffen.Hanspeter Bärtschi

Als die Papierfabrik Biberist Ende August ihre letzte Maschine abschaltete, war für Jürg Zumsteg aus Etziken klar: «Das ist auch für mich das Ende.» Weil sein Holzverarbeitungsbetrieb in Etziken zu 80 Prozent von Sappi-Aufträgen lebte, musste er alle vier angestellten Mitarbeiter entlassen. Das war ein harter Schritt, der aber für das Überleben der Firma unerlässlich war. «Ich musste schauen, dass ich ich nicht selber Konkurs gehe», schildert Zumsteg die dramatische Situation.

Langenthaler sprang in die Bresche

Heute, vier Monate später, ist die Lage für ihn immer noch schwierig. Weil Zumstegs Betrieb, der Paletten und Spezialkisten für Sappi praktisch auf Abruf herstellen musste, war es schwierig, für andere Abnehmer zu arbeiten. Jetzt hat er mit der Maschinenbau-Firma Güdel aus Langenthal immerhin wieder einen Kunden, für den er Spezialverpackungen herstellen kann.

Zusammen mit anderen Gewerbetreibenden aus der Region Biberist hatte Zumsteg schon im Sommer darauf aufmerksam gemacht, dass mehr als nur die 550 Sappi-Angestellten von der angekündigten Schliessung der Papierfabrik betroffen sein würden. Schätzungen des Kantonalen Gewerbeverbandes nannten damals die Zahl von 1500 Arbeitsplätzen.

Entlassene fanden Stelle

Ganz so schlimm ist es nicht gekommen. Nicht nur viele Sappi-Angestellten haben bereits wieder einen Job. Laut Zumsteg haben seine vier ehemaligen Angestellten wieder Arbeit in der Schreinereibranche. «Die Leute waren zum Glück jung und konnten rasch wieder eine Stelle finden», zeigt sich Zumsteg erleichtert. Was sein eigenes Einkommen betrifft, brauche er aber dieses Jahr weitere Auftraggeber, die beispielsweise grosse Holzkisten für den Versand von Maschinen benötigen. Den Auftrag aus Langenthal erhielt Zumsteg, weil er es wagte, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Nur wenige Gewerbebetriebe waren im Kern so hart getroffen wie die Holzverarbeitung in Etziken. «Aber es gibt sehr viele, für die ein Teil des Umsatzes wegfiel», bilanziert Marius Hubler, Vizepräsident des Biberister Gewerbevereins. «Das geht vom Elektriker über den Spengler bis zum Wirt, der Mahlzeiten für die Sappi-Angestellten kochte», meint Hubler.

Auch die Firma Owi-Tec aus Recherswil machte im Sommer auf ihre Teilabhängigkeit von Sappi aufmerksam. Die Firma aus dem Spenglereisektor war etwa zu 30 Prozent durch die Papierfabrik ausgelastet.

«Es kam wie befürchtet»

Für Geschäftsführer Michael Wehinger «ist es gekommen, wie ich befürchtet habe.» Bei Owi-Tec arbeiten jetzt nur noch sieben Personen, statt acht. Wehinger musste zwar niemand direkt entlassen, konnte aber einen krankheitsbedingten Abgang nicht ersetzen. Eine weitere Entlassung konnte vermieden werden durch die Akquirierung neuer Aufträge, unter anderem von einem Ingenieurbüro, das Reinraumtechnik für die Medtech- und Uhrenindustrie baut. «Dies war aber nicht einfach», sagt Wehinger, «doch zum Glück läuft es in jenen Branchen gut.» Und: «Wir nehmen vielleicht damit jemand anderem die Arbeit weg.»

Verunsicherung spürbar

Als Geschäftsführer fühle er sich aber verpflichtet, für seine Leute Arbeit zu beschaffen. Zusätzlich zur Sappi-Schliessung sei eine wirtschaftliche Verunsicherung spürbar. «Man spürt, dass Schritt für Schritt abgebaut wird, eine eigentliche Salamitaktik.» Das spüre sogar jeder Wirt, der drei oder weniger Mahlzeiten weniger verkauft.

In der Tat: Gegessen haben die Sappi-Angestellten, mangels eigener Betriebskantine, unter anderem im Restaurant «Zum Goldenen Gallier». Laut Markus Balsiger, Geschäftsführer der Emmenpark AG, sind die Mahlzeitenbons der Sappi noch bis im März gültig. «Es werden erstaunlicherweise bis jetzt noch immer recht viele Bons im goldenen Gallier eingelöst», erklärt Balsiger auf Anfrage. «Doch das wird jetzt aufhören und im Januar ist sowieso eine flaue Zeit.» Zwischen acht und 20 Mahlzeiten täglich wurden früher jeweils für Sappi-Mitarbeitende gekocht.

Kommen Gäste von Culturarena?

Balsiger tönt aber nicht allzu pessimistisch. Der Dezember sei gut gelaufen, das vergleichsweise kleine Restaurant mit 50-60 Plätzen sei manchmal ganz voll gewesen. Doch die Nagelprobe folgt. Es werde sich jetzt auch weisen, inwiefern die erneute Schliessung der «Culturarena», die Umsatzeinbusse wettmachen kann. «Ich hoffe doch, dass ein paar Stammgäste jetzt zu uns stossen werden», meint Balsiger. So oder so müsse man versuchen, im hart umkämpften Gastronomiegeschäft attraktiv zu bleiben.