«Die Vorstandsarbeit kränkelt schon lange.» Dieser Satz tönt nicht zuversichtlich. Georg Lindemann, Tagespräsident an der 101. Generalversammlung, schrieb ihn vor ein paar Tagen. Dieses Kränkeln, das er beschreibt, setzte schon vor Monaten ein: Nach der letzten GV waren es noch fünf Vorstandsmitglieder gewesen. Als Harry Gottburg sein Präsidialamt im Sommer niederlegte, blieben noch vier Leute.

Schliesslich ein Hoffnungsschimmer im letzten Jahr am regionalen Turnfest: «Komischerweise war der Grossanlass vom Helfereinsatz her und von der Beteiligung im OK kein Problem», so Lindemann. Das Jahr habe gut überbrückt werden können. Erst danach sei das «grosse Loch» gekommen. Es blieben noch die Brüder Remo und Philip Nützi sowie Vater und Sohn Hans und Patrik Lerch. Alle Aufgaben wurden von diesen vier Männern erledigt, bis das Pensum zu gross wurde.

Einen «bösen Brief» verschickt

«So konnte es nicht mehr weitergehen», sagte Hans Lerch an der 101. GV in der Pfarrschür vor 90 Vereinsmitgliedern (insgesamt hat der Turnverein Wolfwil rund 160 Mitglieder). Sein Tonfall klang fast etwas entschuldigend, und Grund dafür ist ein Brief, der an alle Vereinsmitglieder geschickt worden war. Darin wurde offenbar Klartext geredet, «was negative Äusserungen auslöste, es war sehr schwierig», ergänzte Lindemann, aber es habe nun mal sein müssen. Initianten des Briefes waren unter anderen Hans Lerch, der ehemalige Oberturner und neue Präsident Remy Nützi und Toni Kissling.

Der «böse Brief» hat jedoch seine Wirkung nicht verfehlt: Es konnten Leute für den Vorstand gefunden werden, und Remy Nützi hat sich schliesslich selbst dazu bereit erklärt, das Amt des Präsidenten anzunehmen. «Es liegt mir einiges an diesem Verein», und er versuche, den Vorschusslorbeeren gerecht zu werden. Nützi weiter: «Ich freue mich, dass die anderen zugesagt haben.» Zum ersten Mal seit Jahren kann auch wieder das Amt des Vizepräsidenten besetzt werden, mit Patrick Ackermann.

Das Finanzielle ist kein Problem

Der TV Wolfwil kann in seiner Jahresrechnung 2011 einen Vereinsgewinn von 25221.40 Franken ausweisen. Ein grosser Mehrertrag ergab die Turnshow und die Spenden zum 100-Jahr-Jubiläum, insgesamt 8860 Franken, zudem besteht im Vergleich zum Budget ein Minderaufwand von insgesamt 4227 Franken. Die Bilanz weist ein Eigenkapital von 80004 Franken aus. Im Budget 2012 sind 3000 Franken für kleinere Anlässe vorgesehen. Zudem sind 27000 Franken als verbleibender Gewinn des Regionalturnfestes vermerkt.

«Seit Jahren ist der TV Wolfwil nicht mehr so gestärkt aus einer Generalversammlung gegangen», zog Georg Lindemann freudig Bilanz. Ein nächstes sportliches Ziel ist es übrigens, am Kantonalen in Balsthal im Sommer ganz oben aufs Podest zu gelangen.