Zuchwil
Das «blaue Bähnli» fährt bald wieder - aber wann?

Der Verein «Ds blaue Bähnli» hat einen historischen Triebwagen der Worblentallinie wieder flott gemacht. Die Restaurierung, die jetzt in Zuchwil abgeschlossen wird, ist erst zum Teil finanziert. Noch fehlen rund 300 000 Fr.

Andreas Toggweiler
Drucken
Teilen
Das Blaue Bähnli in der RhB-Werkstätte Landquart
15 Bilder
Innenausbau
Vereinsmitglieder halfen tatkräftig mit
Der Triebwagenkasten
Blick in den Führerstand
Tacho
Viel Holz
RhB-Direktor Hans Amacker
Bereit für die Abfahrt nach Zuchwil
Der Transport trifft in Zuchwil ein
Ein Ast muss weg
und ein Verkehrschild
Miliimeterarbeit für den Chauffeur
Das Bähnli wird präzis auf die Schienen abgesenkt
Das "blaue Bähnli" kommt nach Zuchwil

Das Blaue Bähnli in der RhB-Werkstätte Landquart

Da treffen sie auf Gümligen, Köpfchen!» Die unsterbliche Kabarett-Nummer von Ernst Mischler und Karl Steuer «Der Weg nach Worb» mit dem begriffsstutzigen Berner und dem zunehmend ungeduldigen deutschen Touristen machte es schweizweit berühmt: das «Blaue Bähnli» der Worblentallinie bei Bern. Auf das 100-Jahre-Jubiläum 1913 soll nun ein Triebwagen aus der Anfangszeit der Bahn wieder auf der Strecke verkehren, die heute als S7 Teil des RBS-Netzes ist. Engagierte Eisenbahn-Amateure, viele darunter aktive und ehemalige RBS-Mitarbeiter, haben einen Triebwagen des «Blauen Bähnli» der Vereinigten Bern-Worb-Bahnen (VBW) vom Typ BDe 4/4 (Nr. 36) vor der Verschrottung gerettet und auf Vordermann gebracht. Dies mit mit finanzieller Unterstützung des Berner Lotteriefonds (SEVA) der Anrainergemeinden der Worblentallinie sowie der Gemeinden Muri und Bern.

Bei der Rhätischen Bahn restauriert
Das Fahrzeug wurde im Depot der RhB in Landquart fachmännisch restauriert und wurde diese Woche mit einem Spezialtransport ins RBS-Depot nach Zuchwil zurückgebracht. Bei strömendem Regen traf das rund 27 Tonnen schwere «Bähnli» in Zuchwil ein. Ein Spezialfahrzeug einer Zürcher Firma erlaubte es, das Gefährt direkt auf ein Wartungsgleis in der Werkstätte Zuchwil abzustellen. Dazu war allerdings zentimetergenaue Manöverierarbeit nötig. Unter anderem musste ein Verkehrsschild abmontiert und ein Ast abgesägt werden.

Zugsicherung wird noch eingebaut
Ein Vorteil des Hi-Tech-Transportes war auch, dass der Aufbau nicht mehr von den Drehgestellen getrennt werden musste. Die Pantografen (Stromabnehmer) mussten allerdings abmontiert werden.
«Das Fahrzeug wird hier noch mit aktuellen Zugsicherungseinrichtungen ausgerüstet, getestet und vom Bundesamt für Verkehr abgenommen», erläutert Hans Gfeller vom Verein «Ds blaue Bähnli» das weitere Vorgehen. Der 1913 erbaute Triebwagen war bis 1987 in der Region Bern im Einsatz und wurde danach an die Montreux-Oberkland- Bahn (MOB) verkauft, wo er bis 2007 für Rangierfahrten im Einsatz war.

Es fehlt noch viel Geld
Seit Februar 2011 wurde das Fahrzeug in Landquart nach den Originalplänen und Fotos praktisch neu aufgebaut. Dabei wurden zahlreiche Fronarbeitsstunden von Vereinsmitgliedern geleistet. Das «Blaue Bähnli» präsentiert sich jetzt etwa im Zustand des letzten grossen Umbaus von 1951. Da die Wagenaufbauten aus Holz sind, gestalteten sich die Restaurierungsarbeiten sehr aufwendig. Der Verein rechnet mit Endkosten von rund 800 000 Fr. für die komplette Instandstellung und die Zugsicherung. 300 000 Fr. davon fehlen heute noch. «Damit ist die rechtzeitige Inbetriebnahme des Triebwagens auf das 100-Jahre Jubiläum der Worblentallinie im August 2013 in Frage gestellt» erklärt Gfeller. «Wir sind dringend auf Spenden von grösseren und kleineren Sponsoren angewiesen.» Da sich inzwischen recht viele Vereine und Eisenbahn-Enthusiasten um historisches Rollmaterial in der Schweiz kümmern, ist das Fundraising aufwendiger geworden.

Drei historische Fahrzeuge
Der 2007 gegründete Verein mit rund 75 Mitgliedern möchte das «Blaue Bähnli» für Sonderfahrten (Hochzeiten etc.) einsetzen. Auch für Sponsoren habe man attraktive Angebote, heisst es. Mit dem restaurierten Triebwagen werden drei historische Fahrzeuge auf dem RBS-Schmalspurnetz zur Verfügung stehen : «Bähnli», ESB-Triebwagen aus dem Jahr 1916 und das «Pendler-Pintli». Die beiden letzteren sind in Zuchwil remisiert.

Tele Bärn - Beitrag zum «blauen Bähnli»:

http://www.telebaern.tv/121204-news.html

Aktuelle Nachrichten