Das über 400 Kilometer lange Streckennetz der Aare Seeland mobil AG (asm) wird derzeit von Niederbipp nach Oensingen verlängert. Historisch korrekt müsste es eigentlich heissen: Die Schienenverbindung zwischen Niederbipp und Oensingen wird wieder hergestellt. Denn von 1907 bis 1943 verkehrte bereits eine Eisenbahn, damals noch als Langenthal-Jura-Bahn, durchgehend bis Oensingen und sogar bis ins Unterdorf. Während der Kriegszeit führte der damalige Material- und Geldmangel aber zur Aufgabe und Demontage dieser Strecke.

Das ausgebaute Material wurde später für den Unterhalt der übrig gebliebenen Bahninfrastruktur verwendet. Der nun im Bau befindliche Neubauabschnitt misst 1,7 Kilometer. Die Arbeiten sind seit gut einem Jahr im Gang und kommen planmässig voran.

Trassee weitgehend fertiggestellt

Wie Ueli Steinmann, Vizedirektor der asm, auf Anfrage erklärt, sind die Tief- und Gleisbauarbeiten abgeschlossen und die Kunstbauten fertig erstellt. Darunter auch die Schlüsselstellen des Projektes, nämlich eine zweite Brücke über den Studweg – neben der bereits bestehenden für die SBB – die Verbreiterung der Strassenunterführung in der Aengi sowie die Stützmauern Dammweg und Hirsackerstrasse. Ebenfalls errichtet sind die Fahrleitungsmasten und Fundationen für den asm-Bahnhof in Oensingen und die Haltestelle im Industriegebiet Niederbipp.

In den nächsten Tagen sollen die Fahrleitungen montiert und, je nach Witterung, im Februar/März auch die Lärmschutzwände am Dammweg in Niederbipp aufgestellt werden. Parallel dazu kommen das Stellwerk, die Kabel- und Sicherungsanlagen zur Ausführung. Mit dem Aufbau des Perrondaches im Bahnhof Oensingen und der Wartehalle mit Velostation für die Haltestelle «Industrie» dürfte das Projekt voraussichtlich im August seinen bauseitigen Abschluss finden. Ab September werden dann die technischen Prüfungen und erste Testfahrten anlaufen damit die neue Strecke planmässig auf den Fahrplanwechsel vom 9. Dezember 2012 in Betrieb genommen werden kann.

Umfassendes Mobilitätsangebot

Mit dieser Neubaustrecke der asm werden einerseits die Gemeinden entlang des Jurasüdfusses an die Schnellzüge in Oensingen angebunden und der Schnellzugshalt in Oensingen aufgewertet. Andererseits erhält Oensingen eine weitere umsteigefreie Beziehung nach Solothurn und eine neue Direktverbindung nach Langenthal. Überdies bindet die neue Haltestelle im Industriegebiet Niederbipp mehr als 1000 Arbeitsplätze an den öffentlichen Verkehr an. Die Züge werden von Solothurn via Oensingen nach Langenthal und umgekehrt verkehren. Die Fahrzeit von Oensingen nach Solothurn oder Langenthal wird in beiden Richtungen knappe 25 Minuten dauern.

Möglichst kundenfreundlich

Bahnreisende der Aare Seeland mobil AG profitieren bereits ab Sommer 2011 von der neuesten Fahrzeuggeneration des Typs «STAR Be 4/8». Die nun im Bau befindliche Verlängerung der Bahnlinie Solothurn–Niederbipp nach Oensingen und das Bestreben nach grösstmöglicher Kundenzufriedenheit gaben den Anstoss zur schrittweisen Erneuerung der Flotte. Die neuartigen Niederflurfahrzeuge haben grosse Fenster, einen bequemen Einstieg, sind vollständig behindertengerecht und die grosszügigen Plattformen bieten viel Platz für Kinderwagen, Fahrräder und Rollstühle.

Die Klimaanlage sorgt auch im Sommer für angenehme Temperaturen und ein akustisches und optisches Fahrgastsystem informiert über die Route und die nächsten Stationen. Dank dem verbesserten Beschleunigungs- und Bremsvermögen und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h kann der bewährte Fahrplan mit dem Halbstundentakt auch nach der Verlängerung der Bahnlinie eingehalten werden. Die Baukosten von knapp 20 Millionen Franken teilen sich der Bund und die Kantone Bern und Solothurn.

Die offizielle Eröffnung der neuen Schmalspurlinie findet am 19. Oktober statt. Tags darauf, am 20. Oktober, kann dann auch die breite Öffentlichkeit am vorgesehenen Publikumsanlass mitfeiern.