Lohn-Ammannsegg
Das beim Bahnhof geplante Hochhaus liess die Emotionen hochkochen

Behörden informierten an einer Informationsveranstaltung über die weitere Entwicklung des Gebietes rund um den Bahnhof. Etwas passte den Anwohnern dabei jedoch gar nicht: Direkt neben den Geleisen soll ein neungeschossigegs Hochhaus entstehen.

Rahel Meier
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An einer offiziellen Informationsveranstaltung wurde aufgezeigt, wie sich die Behörden die weitere Entwicklung des Gebietes rund um den Bahnhof Lohn-Lüterkofen vorstellen. Mit einem konkret vorliegenden Projekt soll die Initialzündung gegeben werden.

Ein Grundstück, das direkt neben den Geleisen der Bahn liegt, soll von der Industrie in die Mischzone umgezont werden (siehe Kasten). Architekt Fred-Marc Branger zeigte die angedachte Nutzung auf.

Einsprachen möglich: Gestaltungsplan und Teilzonenplan werden aufgelegt

Ab kommendem Donnerstag liegen der Teilzonenplan mit Zonenvorschriften Gebiet Bibernbachstrasse und der Gestaltungsplan «Bibernbachstrasse GB Nr. 3906» Lohn-Ammannsegg mit Sonderbauvorschriften öffentlich auf. Damit soll das Grundstück unmittelbar neben den Geleisen des Regionalverkehrs Solothurn-Bern (RBS) umgenutzt und überbaut werden. Mit dem Leitbild der Gemeinde Lohn-Ammannsegg wurde bereits festgelegt, dass das Gebiet rund um den Bahnhof Lohn-Lüterkofen verdichtet überbaut werden soll. Das Bahnhofgebiet wurde darum als Entwicklungsschwerpunkt (ESP) Wohnen/Arbeiten definiert. Genau dasselbe gilt für das Agglomerationsprogramm. Auch gemäss kantonalem Richtplan 2012 sind in den Bahnhofsgebieten mit Gesamtkonzepten gemischte Nutzungen, insbesondere mit Dienstleistungen und Wohnungen, zu fördern.
Im Rahmen des Umzonungsbegehrens soll der westliche Teil des Areals der Wyss Zäune AG (GB Nr. 3906) mit einer Fläche von rund 4124 Quadratmeter von der Industriezone in eine Mischzone (MZ) mit entsprechenden Zonenvorschriften umgezont werden. Für die Mischzone gilt die generelle Gestaltungsplanpflicht. In der Mischzone sind Wohnbauten und nicht störende Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe zulässig. Nicht zulässig sind verkehrsintensive Betriebe, Betriebe mit vorwiegend Lager- und Umschlagfunktion, sowie Nutzungen durch das Sexgewerbe oder Kultusbauten. Gleichzeitig wird der Gewässerraum des Biberenbachs innerhalb des Perimeters der geplanten Umzonung mittels einer kommunalen Uferschutzzone gesichert.
Laut Raumplanungsbericht unterstützt die Einwohnergemeinde Lohn-Ammannsegg dieses Bauvorhaben. Die Umzonung soll der Gesamtrevision der Ortsplanung vorgezogen werden. Das Vorhaben folge dem Prinzip der inneren Verdichtung, indem die bestehende Bauzone nicht erweitert und eine bestehende unbebaute Baulandreserve einer Überbauung zugeführt werden könne. (rm)

Auf dem 4000 Quadratmeter grossen Grundstück soll ein neungeschossiger Solitärbau mit 32 Wohnungen und ein zweigeschossiges Gebäude für Gewerbe - und Dienstleistungsbetriebe erstellt werden.

Thomas Ledermann (BSB, Biberist) ging zusätzlich kurz auf die Verkehrssituation rund um den Bahnhof ein. Erste Ideen,wie dieser kanalisiert werden soll, liegen vor. Die Situation soll vor allem auch für die Velofahrer und die Fussgänger verbessert werden. «Die heute vorliegende Planung wurde mit dem RBS und den kantonalen Behörden abgesprochen.

Sie ist bereits abgestimmt auf den Ausbau der Bahn auf zwei Spuren», so Ledermann. Er machte auch klar, dass die Entwicklung des Bahnhofgebietes ein langfristiges Projekt ist.

Neben den offiziellen Referenten, die über die Planung beim Entwicklungsschwerpunkt Bahnhof Lohn-Lüterkofen referierten, waren es praktisch nur noch zwei Einwohner, die am Donnerstagabend redeten.

Beide wehrten sich vehement und sehr emotional gegen das geplante Hochhaus. «Wieso will man hier ein neungeschossiges Hochhaus hinstellen?» fragten beide. «Was können wir tun, um dies zu verhindern?»

Beide schürten zudem die Angst, dass an dieser Stelle weitere solch hoher Bauten folgen könnten. «Mit diesem Hochhaus verändert sich das Gesicht der Gemeinde Lohn-Ammannsegg massiv.» Sowohl Branger, als auch Ledermann, als auch Gemeindepräsident Markus Sieber versuchten mit sachlichen Argumenten Ruhe in die Veranstaltung zu bringen. Dies gelang allerdings nur teilweise.

Andere Einwohner zeigten Angst davor, dass der Dorfkern ausbluten könnte und alle Nutzungen, wie etwa die Post oder Läden, zum Bahnhof hin verschoben würden. Diese Ängste konnte Sieber nachvollziehen.

Er machte aber auch deutlich, dass gerade ein Laden am Bahnhof von mehr Kundschaft profitieren könnte. «Lieber ein Laden beim Bahnhof, als gar kein Laden mehr.» Lohn-Ammannsegg sei mit dem Bahnhof eine regionale Drehscheibe.

Eine lange Geschichte

Nachdem er direkt angesprochen wurde, meldete sich auch Andreas Wyss zu Wort. Ihm gehört das Grundstück, das überbaut wird. Er erklärte, dass ein Teil der Wohnungen altersgerecht ausgebaut würden.

«Die vorliegende Planung wurde in vielen Sitzungen von mehreren Partnern erarbeitet», erklärte er. Es gehe nicht nur um schnellen Profit, wie ihm vorgeworfen wurde. Er machte ebenfalls klar, dass er mit seiner Firma weiterhin in Lohn-Ammannsegg bleibe und Zäune produzieren werde.

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