Schlagzeug
Das Ausnahmetalent Alain Ackermann will Profi-Drummer werden

Der dreifache Sieger am Schweizerischen Drummer-Wettbewerb ist an der Schule für Profi-Schlagzeuger. Zudem sollte an diesem Wochenende ein Auftritt mit Terry Lynn folgen, doch diese wurde leider krank.

Alois Winiger
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Am Drumset voll im Element: Alain Ackermann.

Am Drumset voll im Element: Alain Ackermann.

Zur Verfügung gestellt

Alles andere hatte er hintenangestellt, um sich auf den Auftritt mit der jamaikanischen Sängerin Terry Lynn am Open Air Frauenfeld an diesem Wochenende zu konzentrieren. Doch daraus wurde nichts, denn Terry Lynn ist krank. Zusätzliches Pech: Die Schlagzeugfirma, mit der Alain eine Vereinbarung hat, wollte mit ihm an diesem Open Air Werbefotos machen.

Wie kommt überhaupt ein erst 18-jähriger Schlagzeuger in Ausbildung dazu, mit einer Sängerin von internationalem Format aufzutreten? «Einer vom Management hat mich spielen gehört und fand, ich würde in die Band passen», antwortet Alain. Ein Auftritt in Helsinki mit Terry Lynn war für ihn dann der entscheidende Test.

Ziel: Profi-Schlagzeuger

Seit diesem Jahr richtet sich für Alain Ackermann alles nach dem Schlagzeug. Er ist gleich voll ins Studium eingestiegen mit dem Ziel, Profi-Schlagzeuger und Schlagzeuglehrer zu werden. Dieser Weg ist unüblich. Normalerweise nehmen entsprechende Schulen die Leute erst dann auf, wenn sie das Gymnasium oder eine Berufslehre abgeschlossen haben. Gymnasium sei für ihn kein Thema gewesen, sagt Alain. Er versuchte es mit einer Lehre als Lastwagenführer.

Doch diese hat er nach wenigen Wochen abgebrochen. «Schlagzeugschule und Lehre nebeneinander, das ging nicht.» Die Eltern akzeptierten den Entscheid, denn sie sahen und hörten, dass ihr Sohn täglich mehrere Stunden übt. Zudem hat er öffentlich gezeigt, was er kann: 2009 gewann er einen Wettbewerb in der Hochburg für Spitzentambouren, im Wallis. Beim Schweizerischen Drummer- und Percussionistenwettbewerb in Altishofen siegte er am Schlagzeug bzw. Drumset dreimal in Folge, was bisher noch keiner geschafft hatte.

Studium bei Noby Lehmann

So gerüstet absolvierte Alain den Vorbereitungskurs am Winterthurer Institut für aktuelle Musik. Doch dort studieren wollte er dann doch nicht. «Das Schlagzeug wäre nicht im Mittelpunkt.» Also schrieb er sich im Stuttgarter Drum Departement und in der Drumschool Basel ein.

Seit Beginn dieses Jahres studiert er bei Noby Lehmann, der in Olten die schweizerische Niederlassung der Dante Agostini Drum School Paris führt. Das sei aussergewöhnlich, dass einer ohne Matura oder abgeschlossene Lehre aufgenommen werde, um sich auf die Laufbahn als Musiker beziehungsweise Musiklehrer vorzubereiten, erklärt Lehmann. «Wir sind da äusserst zurückhaltend. Es gibt zu viele Schulen, die Schnellbleichen anbieten.

Wer bei uns abschliesst, soll als Profi im Leben bestehen können.» Wie beurteilt er die Chancen für Alain Ackermann? «Er ist ein Ausnahmetalent. Wenn er so weiterlernt und arbeitet wie jetzt, hat er echt gute Chancen als Profi.»

Kondition ist auch gefragt

Bei der Ausbildung gehts nicht nur um das Musikalische, sondern auch ums Körperliche, um Kondition. Handgelenke müssen geschont und die Kraft so effizient wie möglich eingesetzt werden, ohne dabei die Präsenz zu schwächen. «Der Schlagzeuger hat oft bei einem mehrstündigen Konzert praktisch keine Pause.» Wie sieht der Tagesablauf eines Schlagzeugschülers aus? «Auch wenn ich nicht zur Schule gehe, stehe ich regelmässig um sieben Uhr auf», sagt Alain.

In der Regel beginne er mit einem Muskeltraining und dann gehe er an die Aufgaben: Theorie, Technik, Noten, Gehörbildung, üben am Klavier und auch Singen. «Schon nicht als Solist, aber eine Ahnung haben muss ich schon», erklärt Alain. «Auch ein Schlagzeuger ist mal Backgroundsänger. Und es gibt Situationen, da muss man eine Passage vorsingen können.» Am Nachmittag setze er sich dann fürs praktische Üben ans Schlagzeug.

«Ein Risiko ist dabei»

Was wäre, wenn der Plan, Profimusiker und Schlagzeuglehrer zu werden, nicht aufgeht? «Ein Risiko ist dabei. Aber wenn ich jetzt schon an eine Variante denke, so lenkt mich das ab von meinem Ziel», antwortet Alain.

«Wenn alles rund läuft, werde ich die Schule in Olten als 21-Jähriger abschliessen können, dann kann ich als Schlagzeuglehrer arbeiten.» Übrigens habe er schon als 15-Jähriger stellvertretend Unterricht erteilt. Dies in Mümliswil, wo er mit sieben Jahren das Trommeln zu erlernen begann. Schon ein Jahr später setzte er sich ans Schlagzeug und liess sich nicht mehr davon abbringen. Mit zehn Jahren spielte Alain bereits in Bands und Musikvereinen.

«Das gehört für mich zur Ausbildung»

Ferner ist Alain daran, sich und seine Fähigkeiten bekannt zu machen. «Das gehört für mich zur Ausbildung.» Auf seiner Website kann man ihm bei einem Solo zuhören. Ferner wird er für Studioproduktionen engagiert. Das nächste grosse Live-Erlebnis in Frauenfeld ist ja nun leider ausgefallen. Immerhin: Wenn Terry Lynn wieder gesund ist, will sie auf eine Europatournee gehen. Und zwar – wenn nichts anderes dazwischenkommt – mit Alain Ackermann am Schlagzeug.