Riedholz
Das Attisholz-Gelände muss vom Metall befreit werden

Die Attisholz Infra AG in Riedholz muss die nicht verkauften Anlageteile verschrotten. Das Gelände soll vom Metall befreit werden, um die Gebäude freizulegen und mehr Platz für eine Zwischennutzung zu schaffen.

Urs Byland (text und Fotos)
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Die Halle ist heute schon vermietet.

Die Halle ist heute schon vermietet.

In der Teppichetage des Verwaltungsgebäudes der früheren Attisholz Gruppe sitzt Lothar Kind am riesigen ovalförmigen Nussbaumtisch im Verwaltungsratszimmer. An diesem Tisch wurden die Geschicke der Fabrik entschieden, als diese noch prosperierte. Seit der Ära Blocher ist die Teppichetage auch zugänglich für den gemeinen Arbeiter. Das Ende der Cellulosefabrik wiederum wurde im fernen Norwegen beschlossen.

Als Lothar Kind seine Arbeit vor 15 Jahren aufnahm, gab es noch die Attisholz Gruppe und auch ein Dienstreglement, das ein Dienstaltersgeschenk für 50 Jahre vorsah, also für ein gesamtes Arbeitsleben. Lothar Kind wurde damals als Chemiker für die Produktentwicklung angestellt. Heute leitet er die Firma Attisholz Infra AG. «Wir sind Besitzerin der Gebäude und Anlagen. Unsere Aufgabe ist es, den Ausstieg der norwegischen Eigentümer vorzubereiten. Dabei wird über eine längere Zeitdauer und mit einigen finanziellen Mitteln das Gelände so weit entwickelt, dass es von einem Investor übernommen werden kann.»

Kein typisches Industrieland

Südlich der Aare wurde bereits Land an mehrere Grundeigentümer verkauft. Namentlich bekannt sind beispielsweise der Kanton oder die CT-X Rail Services, die unter anderem Güterwagen sanieren. «Gleichzeitig halten sie das Schienennetz aufrecht, ein wichtiger Bestandteil des Südareals.» Zum Nordareal gehört der grüne Gürtel rund um die ehemalige Cellulosefabrik, mehrere Villen und Wohnhäuser sowie Nebengebäude, zwei Bauernhöfe und viel Land. Die Erschliessung dieser Gebäude sei auch ein Thema mit der Gemeinde Riedholz, denn die Cellulosefabrik war bisher Eigenversorgerin. Die Gebäude sind infrastrukturell ans Fabrikareal angebunden. «Wir wollen diese Erschliessung mittelfristig abgeben.»

Wer es nun auf eine der wunderbar gelegenen Villen abgesehen hat, muss noch warten. Fabrikareal und Grüngürtel werden als Einheit betrachtet und gemeinsam den Investoren präsentiert. Mit seiner Hanglage ist das Nordareal kein typisches Industrieland und so heute auch nicht mehr nutzbar. «Hier soll gemischt genutztes Gebiet entstehen, Wohnen und Arbeiten, umgeben von einem attraktiven Grüngürtel mit den Wohnhäusern und Villen.» Wenn aber die Attisholz Infra AG einen Nachfolger für sich gefunden haben wird, «dann gehe ich schon davon aus, dass parzelliert wird», so Kind. Dann werde es voraussichtlich auch mehrere Landeigentümer geben.

Kind weiss aus ähnlichen Projekten, dass die Umnutzung des Areals ein Generationenprojekt ist. «Die Schliessung eines Betriebes, der über 100 Jahre existierte, führt zu einer unglaublichen Menge an Aufgaben.» In den letzten vier Jahren wurden bereits viele Schritte zur Umnutzung des Areals unternommen. Nun folgte die Ankündigung der Attisholz Infra AG auf der Internetseite von Riedholz, in den nächsten zwei, drei Jahren die Anlagen abzubauen. Eigentlich soll das Gelände von allem Metall befreit werden, um so die Gebäude freizulegen und mehr Platz für Zwischennutzung zu schaffen. Letzten Endes sollen interessierte Investoren auch sehen können, was sie kaufen. «Wir haben lange versucht, die Anlagen als solche zu verkaufen, damit diese an einem neuen Standort weiter betrieben werden können.»

Dies sei teilweise gelungen. Aber in den letzten beiden Jahren habe die Papierindustrie stark leiden müssen und es gebe ein Überangebot an Occasionsanlagen. «Wir standen beispielsweise kurz vor dem Verkauf einer halben Produktionslinie nach Pakistan. Im letzten Moment hiess es von der dortigen Firmenleitung: keine Investitionen möglich.» Der Verkauf sei natürlich interessanter als die Verschrottung der Anlagen, aber jetzt wird auf diese Verwertung geschwenkt. «Wir verkaufen weiter, aber rechnen nicht mit grossen Abschlüssen.»

Symbol der Industriegeschichte

Konkret gibt es europaweit Interessenten für die Verschrottung der gesamten Anlage. Schon jetzt bereiten spanische Arbeiter diese Verschrottung der Anlagen und Installationen vor, indem sie einzelne Teile abwracken, um Platz zu schaffen. «Passanten sehen, dass es Platz und Luft im Gelände gibt. Das Gelände erhält langsam ein anderes Gesicht.» Dabei steht die Attisholz Infra AG im Kontakt mit dem Kanton. «Unter Denkmalschutz ist im Industriegebiet heute nichts, aber es gibt Gebäude, die erhaltenswert oder schützenswert sind, dies aber ohne rechtliche Verbindlichkeit.»

So ist der Turm beispielsweise nicht geschützt. «Aber es ist klar, dass der Denkmalschutz diesen erhalten möchte. Und wir haben auch ein Interesse am Turm, weil dieser dem Areal eine Identität verleiht.» Der Turm symbolisiere Industriegeschichte, fügt Kind an, ebenso der rote Kamin, der auch das Logo der Attisholz Infra AG ziert. Aber wenn die Tankanlagen entfernt sind, dann «gibt das unheimlich viel Platz».

Anfangs 2012 wurde die Testplanung abgeschlossen (wir berichteten). Ende Januar wird die Attisholz Infra AG die Resultate der Vertiefungsplanung mitteilen.