Patschvoll war der Lindensaal. Das Projekt «Riverside» sorgte für ein Rieseninteresse in der Bevölkerung von Zuchwil. Dabei waren unter den gut 250 Anwesenden nicht nur Fussballer anzutreffen, die sich für das «Widi» stark machten. Gross war auch das Interesse am Projekt. Die Meinungen waren bei weitem noch nicht gemacht, auch nicht unter den Sportlern.

Im Vorfeld des Infoanlasses hatte das Projekt für Irritation gesorgt. In der lokalen SP kam es zum Bruch im Präsidium. Co-Präsident Patrick Marti (Gemeinderat SP), Gegner eines Verkaufs des «Widi», demissionierte. Er fühlte sich von seiner Partei hintergangen. Co-Präsidentin Amanda Wittwer (Gemeinderätin SP) wiederum schlug sich auf die andere, das Projekt befürwortende Seite. Sie ist Mitglied der Gruppe «Pro Zuchwil», die an der Infoveranstaltung mit einem blau gehaltenen, viel Hoffnung ausstrahlenden Prospekt «Riverside News» aufwartete. In «Pro Zuchwil» sind alle Gemeinderats-Parteien vertreten von ganz rechts mit der SVP bis ganz links mit den Grünen.

Um dieses Areal gehts: Das Widi-Areal würde das Sulzer-Areal arrondieren.

Um dieses Areal gehts: Das Widi-Areal würde das Sulzer-Areal arrondieren.

Schon früher wurde übrigens die Facebook-Gruppe Pro Widi gegründet, die «im Moment für den Verbleib des FC Zuchwil im gleichnamigen Naherholungs- und Begegnungsgebiet Widi und klar gegen einen Landverkauf ist». Die Gruppe wurde am 3. November gegründet und hatte am 5. November bereits 200 Anhänger. Danach stagnierte das Interesse. Aktuell liegt die Gruppe bei 292 Likes.

Der Spekulation entzogen

Der Anlass selber wurde vom Gemeindepräsidenten Stefan Hug (SP) eröffnet, der kurz Gründe für einen Verkauf des Geländes an die Swiss Prime Site (SPS) erläuterte. Kein Wort zu viel war von SPS-Vertreter Thomas Grossenbacher zu hören, der das Projekt inhaltlich erklärte. Im Vordergrund seiner Betrachtungen standen die künftige Nutzung und die Frage, weshalb der Einbezug des «Widi» Sinn mache. Dafür spreche die ideale Lage des Areals in der Nähe von Stadt, Bahnhof, Autobahn und Sportzentrum. 

Der Einbezug des «Widi» (30 000 Quadratmeter) mache nicht nur für die Gemeinde Sinn, sondern auch für Swiss Prime Site, der das anschliessende Sulzer-Areal (170 000 Quadratmeter) gehört. Eine Entwicklung alleine des Sulzer-Areals erschwere die künftige Nutzung oder Entwicklung des «Widi» für Zuchwil. Im Jahr 2000 wurde das «Widi» abgespalten und vom damaligen Besitzer an die Gemeinde verkauft. Am Infoanlass erklärte Thomas Grossenbacher mit Inbrunst: «Wir wollen das ‹Widi› zurück.»

Blechlawine und Zürcher

Das anschliessende Podium unter der Leitung von Bruno von Däniken (Radio 32) entwickelte sich zu einem Zweikampf zwischen Urs Blumenthal und Markus Graf. Blumenthal ist Vizepräsident des bereits 2006 gegründeten Fan-Clubs Widi. Mit Herzblut argumentierte er gegen einen Verkauf und verlangte Antworten von Graf zur künftigen Verkehrssituation («Blechlawine»), zur Zusammensetzung der künftigen Bewohnerschaft («Zürcher Pendler») oder einfach auch, warum das Widi jetzt so schnell und überstürzt verkauft werden soll.

SPS-Chef Markus Graf gab die gewünschten Antworten und versuchte die Befürchtungen zu relativieren. Blumenthal blieb der eifrigste Gegner von «Riverside». Patrick Marti findet die Entwicklung des Industrieareals eigentlich gut: «Ich bin nicht im Grundsatz gegen das Projekt, ich bin gegen das angeschlagene Tempo.» Peter Baumann, Leiter Bau und Planung, konterte: «Normalerweise sind die Behörden zu langsam.» Und Beatrice Schibler Joggi mahnte die Fussballer, sie sollten sich das Angebot für eine neue Heimat (zwei Felder, eines mit Kunstrasen, drei Nebenfelder und Klubhaus) gut überlegen. «Ich würde da nicht Nein dazu sagen.»